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Bahnrad-Olympiasieger Harrie Lavreysen kommt auf Mallorca an seine Grenzen

Beim Sprint macht Harrie Lavreysen niemand etwas vor – er ist der wohl beste Bahnradfahrer der Welt. Anders sieht es aus, wenn es auf Mallorca in die Berge geht …

Harrie Lavreysen auf seinem goldenen Fahrrad unterwegs in den Bergen der Tramuntana

Harrie Lavreysen auf seinem goldenen Fahrrad unterwegs in den Bergen der Tramuntana / Privat

Alexandra Bosse

Alexandra Bosse

Der Niederländer Harrie Lavreysen ist der wohl beste Bahnradfahrer der Welt. Er gewann unter anderem fünf Olympia-Goldmedaillen und ist 16-facher Weltmeister wie auch Europameister in der Kategorie Sprint. Vergangene Woche verbrachte er ein paar Tage auf Mallorca. Die MZ traf ihn zum Interview in einem Hotel an der Playa de Muro. Bislang war er inkognito unterwegs, nach dem Gespräch aber erkennen ihn zahlreiche Gäste und bitten den 28-Jährigen um ein Selfie.

Sind Sie öfter auf der Insel?

Mit dem Nationalteam war ich zweimal im Trainingscamp hier, privat schon öfter. Ich mag Mallorca. Das Klima bietet sich normalerweise an, um draußen auf der Straße Kondition zu trainieren. Diesmal habe ich ein bisschen Pech mit dem Wetter (während des Interviews schüttet es draußen wie aus Eimern, Anm. d. Red.). Ich mag hier auf jeden Fall, dass mich außer ein paar Landsleuten niemand erkennt. Ich kann ganz normal in ein Restaurant gehen und dort in Ruhe essen.

Haben Sie nach dem kürzlichen Unfall des deutschen Bahnradnationalteams keine Angst, hier auf der Straße zu fahren?

Das war ein schrecklicher Unfall. Noch dazu so kurz vor der Europameisterschaft. Aber ich hatte meine Reise schon gebucht und nein, ich habe deshalb keine Angst auf der Straße. Ich finde es eher gefährlich, wenn es so nass ist. Dann sind die Straßen wie Rutschbahnen. Da fahre ich dann natürlich nicht.

Was halten Sie von der Bahn im Velodrom?

Sie hat viel Potenzial. Ich finde es sehr schade, dass es dort so wenige internationale Wettkämpfe gibt. Die Bahn ist exakt so gebaut wie die in Apeldoorn, auf der ich zu Hause fast täglich trainiere. Ich bin in Palma dreimal bei der UCI Champions League mitgefahren. Das hat immer Riesenspaß gemacht. Besonders toll war es 2022, da ist eine ganze Gruppe von Freunden aus den Niederlanden mitgereist und hat mich angefeuert. Am schönsten fährt es sich, wenn eigenes Publikum in der Halle sitzt.

Olympian und Weltmeister Harrie Lavreysen im Interview mit der MZ

Weltmeister Harrie Lavreysen im Interview mit der MZ / Nele Bendgens

Kommt als Sportler nicht auch Langeweile auf, wenn man immer nur im Kreis fährt? Die Bahn ist nur 250 Meter lang …

Ehrlich gesagt, fahre ich gar nicht so viele Runden im Kreis, eigentlich nur zum Aufwärmen. Ich bin Sprinter und wir trainieren dann natürlich den Sprint. Und im Rennen geht es neben Kraft und Schnelligkeit vor allem um die Taktik.

Haben Sie aus taktischer Sicht Angstgegner?

Ja klar, aber das wäre keine schlaue Taktik von mir, die jetzt preiszugeben.

Sie haben schon so viel gewonnen. Gewöhnt man sich daran?

Für mich ist jedes Rennen eine neue Herausforderung. Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch gut machen. Und wenn ich ein Rennen fahre, dann will ich es natürlich gewinnen.

Sind Sie so etwas wie der Cristiano Ronaldo des Bahnradsports?

Nein, so groß würde ich mich selbst nicht sehen. Aber Leute die sich im Radsport auskennen, wissen sicherlich, wer ich bin.

Sie sind doch unglaublich erfolgreich in Ihrer Sportart. Warum also so bescheiden?

Ja sicher, aber Bahnradfahren ist nicht so groß und so populär wie Fußball. Deshalb passt der Vergleich für mich nicht.

„Ik ben er echt helemaal gesloopt van!“, heißt es in meiner Landessprache: Ich bin davon total im Eimer!

Harrie Lavreysen

— Weltbester Bahnradfahrer im Sprint

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, auf die Straße zu wechseln? Da ließe sich sicherlich mehr Geld verdienen.

Das ist jetzt ein bisschen so, als wenn man Usain Bolt fragt, ob er nicht Marathon laufen möchte. Ich bin ein Sprinter. Ich kann das hohe Tempo nur kurzzeitig fahren. Mein ganzer Körper ist durch das viele Krafttraining darauf ausgerichtet. Für die Straße bin ich zu schwer. Wenn ich hier ein paar Stunden mit dem Fahrrad in den Bergen unterwegs bin, dann merke ich ganz deutlich, dass das keine Option für mich wäre. „Ik ben er echt helemaal gesloopt van!“, heißt es in meiner Landessprache: Ich bin davon total im Eimer!

Von den Touren im Tramuntana-Gebirge ist sogar Harrie Lavreysen "total im Eimer"

Von den Touren im Tramuntana-Gebirge ist sogar Harrie Lavreysen "total im Eimer" / Privat

Was ist das Geheimrezept Ihres Erfolges?

Ich liebe das, was ich mache. Mein ganzes Leben dreht sich um das Radfahren. Ich habe als Kind in meinem Heimatdorf in Brabant mit BMX angefangen. Als ich sechs Jahre alt war, habe ich aus Spaß das erste Mal bei einem BMX-Wettkampf mitgemacht. Meine Eltern haben mich zum Glück von Anfang an unterstützt. Sie fanden es toll, mit den anderen Eltern am Rand der Piste zu stehen. Die ersten Jahre habe ich gar nichts gewonnen. Den ersten Sieg holte ich erst mit zwölf oder 13 Jahren. Und dann wurde ich mit 14 Jahren schon Europameister. Das hat mich ungemein motiviert, und ich wollte noch mehr trainieren. So bin ich dann mit 16 Jahren in Papendal im olympischen Leistungszentrum gelandet. Da hatte ich zweimal pro Tag Training und zwischendurch Schule. Das war hart, aber auch "leuk", also toll.

Ich lebe, ehrlich gesagt, sehr im Moment und denke nicht zu viel über die Zukunft nach.

Harrie Lavreysen

— Vielfacher Olympian, Weltmeister und Europameister im Bahnrad Sprint

Und wieso sind Sie dann vom BMX zum Bahnrad gewechselt?

Ich hatte beim BMX immer wieder Unfälle und insgesamt vier Operationen an der Schulter. Mit 18 Jahren wollten mir die Ärzte verbieten weiterzumachen. Aber mein Traum war, Profisportler zu werden. Da bekam ich die Chance, in das Bahnradteam zu wechseln. Der Rest ist Geschichte.

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Ich lebe, ehrlich gesagt, sehr im Moment und denke nicht zu viel über die Zukunft nach. Besonders nach einem so erfolgreichen Jahr wie dem vergangenen. Natürlich will ich 2028 in Los Angeles meine Goldmedaillen verteidigen. Und davor im Oktober dieses Jahr wieder Weltmeister werden.

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