Warum Mallorcas bester Fußballer in England plötzlich aufblüht
Seit er bei Aston Villa spielt, schießt Marco Asensio wieder Tore. Bald auch wieder für die Selección?

Marco Asensio spielt jetzt für Aston Villa. / Keeton/efe
In Sachen Fan-Gesängen macht den Engländern bekanntlich kaum jemand etwas vor. Es braucht nicht viel, damit die Briten einen Fußballer ins Herz schließen. „We’ve got a big fucking German“, sang der Anhang des FC Arsenal einst über Per Mertesacker. In Birmingham ist man derzeit über einen Mallorquiner entzückt. „He went to Madrid, he won the league in Spain. He went to Paris, he did the same again. His boots are magic, don’t you – don’t you know. His name is Marco, Marco Asensio“, singen die Aston-Villa-Fans über den Winterneuzugang.
Kurz vor Transferschluss lieh der Premier-League-Club den 29-Jährigen aus Palma Anfang Februar vom französischen Spitzenclub Paris Saint-Germain aus. Es fühlte sich ein wenig an wie die letzte Chance für Asensio, im internationalen Geschäft wieder Fuß zu fassen. Anderthalb Jahre lang war der offensive Mittelfeldspieler in Frankreich Edeljoker. „Was dort schieflief? Eigentlich nicht viel. Der Trainer hat einfach auf andere Spieler gesetzt. Und das ständig. Daher beschloss ich, dass die Zeit für einen Wechsel gekommen ist. Ich muss öfter auf dem Platz stehen“, erklärte Marco Asensio dem Radiosender Cope. Trainer bei PSG ist mit Luis Enrique übrigens ein alter Bekannter des Mallorquiners.

Marco Asensio (PSG). | FOTO: MIRVILLE / Ralf Petzold
„Asensio ist in einer Zeit zu PSG gekommen, als es in Paris noch angesagt war, Stars zu verpflichten“, sagt Michael Postl, der für den „kicker“ den französischen Fußball überwacht. „Eine Position im Team hat er nie wirklich gefunden. Meist war er der Notnagel, der zum Einsatz kam, wenn woanders ein Spieler fehlte.“ Zum Beispiel, als sich der Wechsel von Kylian Mbappé zu Real Madrid abzeichnete und der Weltstar ab und an auf der Tribüne schmorte. Konkurrent um den Posten des ersten Einwechslers war dabei der frühere Real-Mallorca-Profi Kang-in Lee.
Zum nächsten spanischen Trainer
Und warum Aston Villa, die im Mittelfeld der Premier League herumkrebsen? „Trainer Unai Emery sagte mir, dass er mich als Zehner sieht. Das bedeutete mir viel“, sagt Asensio. Zumal sich die Engländer auch schon in der Vergangenheit um den 29-Jährigen bemühten. „Ich kenne Unai seit Jahren und weiß, wie er spielen lässt. Das passt zu meinen Ansichten vom Fußball und ich kann so meine beste Version zeigen.“
Besonders auf der internationalen Bühne gilt Emery als der Fachmann schlechthin. Vier Mal gewann er in seiner Karriere mit dem FC Sevilla und FC Villarreal die Europa League, mehr als jeder andere Trainer. „In den großen Spielen entscheiden Kleinigkeiten. Unai bringt die Erfahrung mit, die es braucht. Daher sehe ich meinen Wechsel nicht als Rückschritt. Es ist eine große Herausforderung für mich“, sagte Asensio.
Wobei der Aston-Villa-Coach den Mallorquiner nicht nur auf der Zehner-Position ranlässt. Asensio spielt alternativ auch mal auf dem Flügel oder als sogenannte falsche Neun. Das ist ein Mittelfeldspieler, der als alleiniger Stürmer aufläuft. Egal in welcher Rolle, der Mallorquiner trifft und trifft und trifft. Acht Mal zog er sich das Aston-Villa-Trikot über – mitunter auch als Einwechselspieler –, sieben Mal netzte Asensio ein. Mit drei Treffern im Champions-League-Achtelfinale schoss er die Engländer gegen Club Brügge fast im Alleingang in die nächste Runde.
Dort geht es – dreimal dürfen Sie raten – im Viertelfinale gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber PSG. Das Hinspiel ist am 9. April in Paris. Die Franzosen holten im Winter lieber Khvicha Kvaratskhelia für 70 Millionen Euro.
Nach nicht mal zwei Monaten ist man in Birmingham derart überzeugt vom Mallorquiner, dass über eine feste Verpflichtung diskutiert wird. Die Leihe mit PSG, wo Asensios Vertrag bis Sommer 2026 läuft, beinhaltet keine Kaufoption. In den Medien wird über eine Ablösesumme in Höhe von 15 Millionen Euro spekuliert. Das Online-Portal „transfermarkt.de“ tippt auf 20 Millionen Euro.
Im Herbst der Karriere wechseln Fußballer gerne in die Heimat zurück. Asensios Höhenflug könnte daher zum Nachteil von Real Mallorca werden. Denn bei der aktuellen Leistung spielt der 29-Jährige in einer anderen Liga.

Marco Asensio bei einem Länderspiel. / EFE
Auch für die Oranje interessant
Wie Luis Enrique bei PSG hat auch Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente seit einiger Zeit auf Asensio verzichtet. Zuletzt spielte der Mallorquiner im September 2023 für die Nationalmannschaft. Im Nations-League-Viertelfinale schafften es die Spanier auch ohne ihn und mit einer Menge Glück im Elfmeterschießen gegen die Niederlande. Damit ist Spanien weiter seit zwei Jahren ungeschlagen. Kurioserweise hätte der Mallorquiner auch im orangenen Trikot spielen können. Der 29-Jährige ist der Sohn eines Spaniers und einer Niederländerin. Die Oranje baggerte vor geraumer Zeit am nun 38-fachen spanischen Nationalspieler. Der ehemalige Weltklassestürmer Ruud van Nistelrooy sollte Asensio überzeugen. „Er rief mich ständig an, selbst als ich schon abgelehnt hatte. Aber er war sehr höflich“, berichtet der Aston-Villa-Profi.
Asensio dürfte auf einen Platz im WM-Kader 2026 hoffen. Wobei in der Dreierreihe im Angriff die Rollen klar verteilt sind. Zentral stürmt Kapitän Morata, der am ehesten verdrängt werden könnte. Auf den Flügeln führt kein Weg an Nico Williams und Lamine Yamal vorbei. Einen Zehner setzt Luis de la Fuente nur selten ein. Auf der Position wäre der Ex-Leipziger Dani Olmo der größte Konkurrent.
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