Deutsches Tennis-Supertalent Justin Engel auf Mallorca: "Der Körper tut einfach nur weh"
Der Nürnberger spielt derzeit beim ATP-Turnier in Santa Ponça mit. Er hat große Ziele

Justin Engel auf Mallorca. / Sascha Feuster - Mallorca Championships
Jugendliche Sportler zu interviewen, ist mitunter mühsam. Nicht selten sind die Teenies schüchtern und haben wenig zu erzählen. Nicht so Justin Engel. Der 17-Jährige gilt als Supertalent des deutschen Tennis, und im Umgang mit den Medien ist er bereits heute ein Vollprofi. Die MZ traf den Nürnberger vor den Mallorca Championships, wo er am Montagabend (23.6.) gegen Learner Tien ins Turnier einsteigt.
Andrea Petkovic sagte, sie hat wochenlang geheult, als sie festgestellt hat, dass sie für das Tennis ihre Jugend geopfert hat. Haben Sie das schon realisiert?
Ich liebe die Sportart. Das ist mein Leben. Das bin ich. Ich sehe es nicht als Zeit opfern, sondern habe Spaß und will mich als Mensch entwickeln. Wenn man ständig auf Reisen ist, lernt man viel. Es stört mich nicht, dass ich nicht auf Spielplätzen rumhängen konnte.
Während andere Party machen und ihre ersten Mädchen küssen, schwitzen Sie auf dem Tennisplatz.
Jeder hat seinen eigenen Weg. Ich freue mich, dass es bislang so gut läuft und kann es kaum erwarten, bei großen Turnieren zu spielen.
Hand aufs Herz: Wie gerne würden Sie gerade in den Bierkönig gehen?
Ich halte nichts von Partys. Ich bin sehr diszipliniert und habe ein Ziel: Die Nummer 1 der Welt zu werden. Partys würden mich dabei nur abbremsen. Viele denken, Tennis wäre mein Job. Klar will ich damit Geld verdienen. Aber das Spielen macht mir einfach Spaß und ich sehe es als Freizeit.
Sie werden gerade über den grünen Klee gelobt. Fällt es Ihnen schwer, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben?
Ich bin schon immer bodenständig gewesen. Warum soll ich abheben, wenn ich auch normal sein und glücklich leben kann? Deswegen ist Rafael Nadal mein Vorbild: auf dem Platz ein Kämpfer, abseits ein sympathischer Kerl. Ich durfte ihn in seiner Akademie sogar schon kennenlernen.
Sie behaupten aber auch vollmundig, dass Sie das Zeug zur Nummer 1 haben.
Ich trainiere so viel. Da reicht es mir nicht aus, nur in die Top 100 zu kommen. Ich gebe jeden Tag 100 Prozent und spiele mit Schmerzen. Manchmal kommt der Wunsch, eine Pause einzulegen. Wenn es aber zu sehr weh tut, passe ich das Training an und übe Schläge, die mich weniger belasten.

Justin Engel spielte das Showmatch zur Eröffnung. / Sascha Feuster - Mallorca Championships
Mit 17 Jahren tut Ihnen schon alles weh?
Nicht jeden Tag, aber meist sind es die Knie. Jeder Profisportler weiß, dass die Schmerzen mit 14 Jahren losgehen. Der Körper tut einfach nur weh. Es gibt kein besseres Gefühl, als zu wissen: Ich habe es überstanden, und jetzt kommt der Erfolg.
Sie sind der drittjüngste ATP-Spieler, der ein Match gewonnen hat. Bedeutet Ihnen das was?
Ich merke, dass sich die harte Arbeit auszahlt. Bei solchen Statistiken geht mir das Herz auf.
Die ersten Schritte auf dem Weg zum Profi sind gemacht, wie sehen die nächsten aus?
Nach Mallorca geht es für mich auf Sand weiter. Ich werde mich mit meinem Trainer Philipp Kohlschreiber in München vorbereiten. Das Ziel ist, auf der Hartplatz-Tour bei der Qualifikation zu den US Open mitzuspielen. Das wäre mein erster Grand Slam. Ich bleibe locker. Ein bisschen Nervosität gehört aber dazu, um die Sache ernst zu nehmen.
Sie bezeichnen die Australian Open als Ihr Lieblingsturnier. Warum?
Es gefällt mir, wie die Leute dort sind. Der Grand Slam ist mitten in der Stadt. Die Menschen sind easy-going. Ich durfte beim Juniorenturnier in Australien spielen. Roland Garros ist mir da im Vergleich zu eng.
Haben Sie einen Lieblingsbelag?
Ich fühle mich überall wohl, da ich mein Spiel an den Belag anpassen kann. Am liebsten spiele ich draußen bei schönem Wetter.
Sie spielen bald gegen die ganz Großen der ATP-Tour. Auf welchen Gegner freuen Sie sich am meisten?
Alcaraz oder Sinner. Jeder hat das French Open-Finale gesehen. Das war der Wahnsinn. Ich bin gespannt, wie es ist, gegen Spieler zu spielen, die jeden Ball erlaufen. Und ihn dann noch selbst mit Druck zurückspielen. Das wäre ein Traum.
Abonnieren, um zu lesen
- Sand-Chaos an der Playa de Palma: Die Flaniermeile verkommt - und keiner räumt auf
- Nicht das Problem der Firma': Ryanair verweigert alleinerziehender Mutter Freistellung trotz Schulschließungen wegen Sturmwarnung
- Kurz vor Saisonstart: Diese neue Großbaustelle in einer Urlauberhochburg sorgt für Ärger auf Mallorca
- Der Wetterdienst warnt vor dem nächsten Sturm auf Mallorca
- Alternative zum Auto: Ab sofort deutlich mehr Verbindungen mit dem Überlandbus von Palma nach Peguera, Santa Ponça und Palmanova
- Weißer Hai im spanischen Mittelmeer nachgewiesen: Studie bestätigt seltenen Fund
- Taschendiebstähle an der Playa de Palma: Gehen Sie zur Polizei!
- Unliebsame Plagegeister: Gemeinde auf Mallorca macht mit Schusswaffen Jagd auf Prozessionsspinner

