Im Becken in Santa Ponça erkannt: Österreichs einstiges Schwimmtalent ist nun Trainerin auf Mallorca
Katharina van Geldern schwamm als Jugendliche ein EM-Finale. Doch so sehr sie danach auch trainierte, besser wurde sie nicht mehr. Alles Kopfsache, sagt sie – und will nun anderen helfen, ihre mentalen Blockaden zu überwinden

Katharina van Geldern hat ihr Glück auf Mallorca gefunden. / Nele Bendgens
Ein Pfiff. Ein Sprung. Platsch. Lange, kräftige Züge. Katharina van Geldern gleitet durchs Becken in Budapest. Es laufen die Junioren-Europameisterschaften 2005. Was die damals 15-Jährige noch nicht ahnte: Der Wettkampf sollte der Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere bleiben. Dabei galt die Tirolerin lange Zeit als das große Ausnahmetalent in Österreich. „Noch heute halte ich nationale Rekorde in der Altersklasse“, sagt die Sportlerin, die mittlerweile auf Mallorca lebt.
Die Mutter des Einzelkinds achtete darauf, dass ihre Tochter sich bewegte. „Unsere Familie ist sehr sportlich. Instrument lernen stand nicht auf der Tagesordnung, zum Sport zu gehen dagegen schon“, sagt van Geldern. Schon als kleines Mädchen begeistert sie sich für Triathlon. Schnell zeigte sich ihr Schwimmtalent. „Im Wasser war ich die Schnellste, auf dem Rad und der Laufstrecke überholten mich dann aber alle.“ Statt dem Mix der drei Disziplinen spezialisierte sie sich auf das Schwimmen. „50 und 100 Meter Kraul waren meine Stärke. Unser ganzer Dachboden steht voller Trophäen.“ Bei den nationalen Meisterschaften landete sie immer auf dem Podest. „Ich war schon immer groß, was von Vorteil ist. An Talent mangelte es auch nicht.“
Training mit dem Schwimmstar
Mit 15 Jahren verließ die junge Sportlerin das Elternhaus und zog nach Wien in ein Leistungszentrum. „Dort war ich in einer Trainingsgruppe mit Markus Rogan – dem österreichischen Schwimmstar schlechthin.“ Der heute 43-Jährige holte 2004 in Athen Olympia-Silber und gewann mehrere Europameisterschaften. „Schon damals waren alle Trainer auf ihn fokussiert“, sagt van Geldern. Sie selbst erreichte auch dank dieser Trainingsgruppe das Finale der Junioren-EM. „Ich erinnere mich noch heute an den Pfiff, wie sich das Wasser anfühlte und die Leute uns Schwimmern zujubelten.“ Nur beim Resultat kommt sie ins Grübeln. „Auf dem Treppchen stand ich nicht. Also muss es zwischen vierter und achter Platz gewesen sein.“
Wiederholen ließ sich dieser sportliche Höhepunkt trotz vier Jahre weiteren Trainings nicht. Die Anzahl an Trainingseinheiten und die Intensität blieb gleich, ihre Leistungen verbesserten sich aber nicht mehr. „Es ist der Horror für einen Schwimmer, wenn man keine bessere Zeit mehr schafft“, sagt van Geldern. Dass ihr Talent schlicht ausgeschöpft war, glaubt die Österreicherin nicht. „Ich hätte psychologische Betreuung gebraucht, doch damals war das kein Thema“, meint sie rückblickend. Der mentale Support habe gefehlt. „Der macht den Unterschied zwischen Silber und Gold aus. Heute hat jeder Profisportler seinen individuellen Mentaltrainer. Vielleicht habe ich mir zu viel Druck gemacht und wollte es zu sehr.“ Hinzu kam dann auch noch der plötzliche Tod ihres Vaters.
Tourismus-Studium in Tirol
Van Geldern stieg aus dem Becken und sollte dort lange Zeit nicht mehr eintauchen. Der Traum von der Profikarriere war gestorben. „Finanziell ist das als Schwimmerin in Österreich sowieso nicht lohnenswert. Das große Geld gibt es höchstens beim Skifahren. Ich war glücklich, dass ich über einen Sponsor auf der Badekappe die Ausgaben gedeckt hatte“, tröstet sie sich. Ihre Entscheidung gegen den Sport bereut die 35-Jährige heute nicht.
Die junge Frau kehrte in die Heimat zurück und studierte Tourismusmanagement. „Ich arbeitete in der Leitung von Restaurants und in der Führungsebene von Fünf-Sterne-Hotels“, sagt van Geldern.
Und wo ließe es sich denn besser in der Branche arbeiten als auf Mallorca? So wanderte sie im vergangenen Oktober mit ihrem deutschen Mann auf die Insel aus. Van Geldern lernte schnell Spanisch und fand einen Job in einem Restaurant in Santa Ponça. In dem Bereich war alles in Ordnung. Jedoch kriselte es auf familiärer Ebene.
Zurück im Becken
Um wieder zu sich zu finden, kehrte die Schwimmerin zu ihren Wurzeln zurück. „Ich wollte was tun, was mir guttut. Und Schwimmen war schon immer mein Leben“, sagt sie. Im März meldete sich die 35-Jährige im öffentlichen Schwimmbad in Santa Ponça an und schwamm ein paar Bahnen. Das blieb nicht unbeobachtet. „Ich machte am Beckenrand eine Pause, da sprach mich ein Schwimmer auf der Nachbarbahn an.“ Bei ihm handelte es sich um einen deutschen Profi-Triathleten. Den Namen möchte van Geldern nicht verraten. „Er sagte mir, dass ich geil schwimme und fragte, ob ich ihn trainieren könnte.“ Für die Auswanderin tat sich ein neues Geschäftsfeld auf. „Ich verspüre den Drang, mehr für die Menschen zu machen. Ich will Sportlern helfen, denen es ähnlich geht wie mir damals“, formuliert sie ihr Ziel als Mentaltrainerin.
In den vergangenen Wochen und Monaten habe sie sich bereits ein Netzwerk aufgebaut. Heute betreue sie eine Handvoll Sportler und Unternehmer aus Deutschland, Österreich und Frankreich. „Alle haben eine Verbindung zu Mallorca oder Ibiza.“ Manche wollten auf hohem Niveau schwimmen, andere das Selbstvertrauen gestärkt bekommen. Bei den Unternehmern handle es sich um hohe Tiere, die nur mit Personenschützern unterwegs sind. „Sie haben berufliche Probleme und ich zeige ihnen, wie sie über den Tellerrand schauen können“, sagt van Geldern.
Groß Werbung für sich müsse sie nicht machen. „Ich habe keine Website und will auch keine anlegen. Mundpropaganda reicht mir. Ich war schon immer ein kommunikativer Typ“, sagt van Geldern. Etliche Kontakte seien in der Zeit im Restaurant entstanden, wo die Österreicherin mittlerweile nicht mehr arbeitet. „Viele Leute haben mich auf meine Körpergröße von 1,81 Meter angesprochen und gefragt, ob ich mal Basketball gespielt habe. So kommt man ins Gespräch.“
Das Coaching laufe dann jeweils unterschiedlich ab. „Die Schwimmer richten ihre Handykameras mitunter aufs Becken aus, und ich schaue per Videoanruf zu.“ Mit allen ihren Schützlingen spreche sie jede Woche. Insgesamt gehe es einfach wieder bergauf.
„Ich glaube nicht an Zufälle, gerade fliegt mir aber alles in die Arme“, sagt Katharina van Geldern. Auch aus sportlicher Sicht. Jeden Tag tauche sie derzeit wieder ins Schwimmbad ein. „Das Meer ist nicht so mein Ding. Ich brauche einfach die Linien zum Schwimmen“, sagt sie. Und wenn die Österreicherin ihre Zeiten stoppt, durchströmen sie Glücksgefühle. Denn endlich wird sie wieder schneller.
Katharina van Geldern ist telefonisch unter der Nummer 621-14 53 93 erreichbar.
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