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Krise bei Real Mallorca: Vereinsbosse stärken Trainer noch den Rücken

Die Talfahrt von Real Mallorca geht weiter. Der Erstligist kassierte am Sonntag eine 0:3-Klatsche gegen Betis. Spieler und Trainer sprechen erstaunlich offen über die Krise

Arrasate macht derzeit keine gute Figur.

Arrasate macht derzeit keine gute Figur.

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Ohne Gegenwehr kann Fußball so einfach sein. Ein Doppelpass, Fernschuss – Tor. Real Mallorca bewunderte den Spielzug bei der 0:3-Auswärtspleite am Sonntag (2.11.) gegen Real Betis gleich zweimal. „Wenn wir schon nicht das Talent der anderen Mannschaften haben, müssen wir in der Abwehr zumindest kämpfen, kratzen und beißen“, sagte Kapitän Antonio Raíllo nach Spielende. „So oft ich mir auch die Wiederholungen anschaue – das tun wir einfach nicht.

Gab es im Oktober noch die vage Hoffnung, dass der Erstligist von der Insel sich langsam fängt, hat die Klatsche sie nun begraben. Es passt hinten und vorne nicht bei Real Mallorca. Die jahrelangen Leistungsträger in der Innenverteidigung – Raíllo und Martin Valjent – sind weit entfernt von ihrer Topform. Der als Ersatzmann ausgeliehene Marash Kumbulla zeigte beim Debüt starke Ansätze, verletzte sich aber schwer. Linksverteidiger Johan Mojica hat sein WM-Ticket mit Kolumbien schon in der Tasche, machte beim Doppelpack durch Antony aber große Augen.

Manchester United-Flop zerlegt Real Mallorca

Antony legte auch noch den dritten Treffer auf und war zweifelsohne der Mann des Tages. Dabei galt der 25-jährige Brasilianer vor kurzer Zeit noch als Witzfigur in den sozialen Netzwerken. 2022 zahlte Manchester United 95 Millionen Euro für den Flügelstürmer. Antony konnte den hohen Betrag nie rechtfertigen. Es gingen Videos von ihm viral, in denen er ins Aus dribbelt oder über den Ball stolpert. In zweieinhalb Jahren kam Antony auf zwölf Tore für die Engländer. Im vergangenen Winter verlieh Manchester United ihn nach Spanien, im Sommer folgte der Verkauf für 22 Millionen Euro an Betis. Nach dem Doppelpack steht der 16-fache Nationalspieler nun bei 14 Treffern für den Club aus Sevilla.

Es geht nur noch um den Klassenerhalt

Die Andalusier stecken mitten im Kampf um die internationalen Plätze. Das war eigentlich auch der Anspruch von Real Mallorca. Auf der Insel kämpft man nun aber erst einmal gegen den Abstieg. „Es bringt nichts, mit dem Finger auf Schuldige zu zeigen. Der Klassenerhalt wird diesmal ein hartes Stück Arbeit“, sagte Trainer Jagoba Arrasate. „Wir müssen uns eingestehen, dass es gerade schlecht um uns steht.“ In der Tabelle stehen die Mallorquiner punktgleich mit den Abstiegsplätzen.

Dabei ist es gar nicht nötig, sich einzelne Spieler herauszupicken. Verbesserungsbedarf gibt es in allen Mannschaftsteilen. „Seit dem Saisonstart lassen wir das Teamwork vermissen. Jeder kämpft nur für sich“, sagte Raíllo. Torwart Leo Román, einer der besten Spieler zuletzt, fehlt noch wochenlang verletzt. Sein Ersatzmann Lucas Bergström konnte bei den Gegentreffern wenig machen, gab der Abwehr aber keine Stabilität. Im Mittelfeld und Angriff fehlt jegliche Kreativität. Pablo Torre, der dafür für fünf Millionen Euro geholt wurde, zählt derzeit zur Kategorie Fehleinkauf. Linksaußen Jan Virgili begeistert immerhin mit Einzelaktionen, offenbart dafür aber Schwächen in der Rückwärtsbewegung. Zumal ein 19-Jähriger auch nicht allein ein ganzes Team tragen kann, wenn er nicht Lamine Yamal heißt.

Trainerwechsel nicht in Sicht

Am Sonntag (9.11., 18.30 Uhr) geht es im Heimspiel gegen Getafe. Das Team von José Bordalas ist als Mentalitätsmonster bekannt. Gegen den Tabellensiebten muss Real Mallorca in Sachen Kampfgeist einige Gänge hochschalten. Danach steht schon wieder eine Länderspielpause an, die sich bekanntermaßen für Trainerwechsel eignet. Die Vereinsbosse bekannten sich derzeit aber zu Arrasate - egal was gegen Getafe passiert.

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