Eltern aus Düsseldorf: Mallorcas beste Schwimmerin hat deutsche Wurzeln
Estella Tonrath, Tochter deutscher Mallorca-Auswanderer, ist eine von Spaniens größten Talenten im Schwimmen. Einen Rekord hat sie bereits gebrochen. Nun will die 18-Jährige erst die EM und dann Olympia in Angriff nehmen

Schwimmerin Estella Tonrath. / RFEN
Estella Tonrath ist Spaniens neue Schwimmhoffnung. Im vergangenen Jahr scheiterte die 18-Jährige knapp an der Qualifikation für die Olympischen Spiele, holte dann aber bei der Junioren-WM Gold über ihre Paradedisziplin 200 Meter Rücken. Dass die Mallorquinerin auch mit den Erwachsenen mithalten kann, zeigte sie diesen Sommer. Mit 2:08,03 Minuten stellte die Schwimmerin einen neuen spanischen Rekord auf. Bei der WM in Singapur wurde sie kürzlich Zwölfte.
Ihr Name lässt auf eine deutsche Herkunft schließen. Erzählen Sie uns davon.
Meine Familie kommt aus Düsseldorf. Vor etwa 25 Jahren wanderten meine Eltern nach Mallorca aus und ließen sich in Deià nieder. Ich bin hier geboren und habe Deutschland nur bei wenigen Besuchen kennengelernt. Meist zu Familientreffen an Weihnachten.
Sprechen Sie Deutsch?
Als Kind hatte ich die Sprache ziemlich gut drauf. Mit dem Laufe der Jahre und der mangelnden Praxis verlernte ich viel. Ich verstehe fast alles und kann gut lesen. Reden und Schreiben fällt mir hingegen schwer. Aber es reicht aus, um mich mit der Familie zu verständigen.
Wie fällt Ihr Fazit zur WM aus?
Ich bin einerseits zufrieden, andererseits hätte ich aber auch ein wenig mehr von mir erwartet. Körperlich war ich super drauf und sah mich eigentlich in der Lage, ins Finale einziehen zu können. Ich gab alles, es sollte aber nicht sein. Jetzt habe ich Bock auf mehr.
Das nächste Ziel sind die Europameisterschaften im kommenden Jahr?
Genau, zuerst steht die EM auf der Kurzbahn an. Wobei ich mich auf der längeren Bahn wohler fühle. Um internationale Erfahrungen zu sammeln, ist es aber nicht schlecht, dort mitzuschwimmen. Danach geht es in Paris zur EM auf der längeren Bahn. Diesmal will ich mich für das Finale qualifizieren.
Bereiten Sie schon eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 vor?
Das langfristige Ziel ist es, in Los Angeles in der bestmöglichsten Form aufzuschlagen. Ich weiß, dass ich sehr ambitioniert bin. Wenn alles gut läuft, ich viel an mir arbeite und die Freude daran beibehalte, sollte dort auch ein gutes Ergebnis herausspringen.
Haben Sie etwas an Ihrer Einstellung geändert, nachdem Sie es nicht zu den Spielen nach Paris geschafft haben?
Ich bin noch sehr jung und muss noch viel lernen, dennoch war es ein herber Rückschlag, nicht mitfahren zu dürfen. Denn die Norm hatte ich eigentlich geschafft. Ich habe versuchte, den Kopf nicht hängenzulassen. Bei der Junioren-EM bin ich gänzlich ohne Druck und nur mit Vorfreude an den Start gegangen. Das brachte mir die Goldmedaille. Seitdem will ich mich nicht mehr verrückt machen.
Ist es eine Belastung, dass Sie nun als spanische Schwimmhoffnung gelten?
Damit muss ich umgehen können. Lasse ich mich durch so etwas ablenken, kann ich meine Leistung nicht zu 100 Prozent abrufen. Genau das war vor Olympia der Fall. Morgens war alles gut, abends kamen die Zweifel: Und wenn ich es nicht schaffe?
Bei der WM war das anders?
Erstaunlicherweise schon. Viel genützt hat es aber nicht. Ich bin die Rennen am Morgen locker angegangen und bin nicht mal am Anschlag geschwommen. Da lief es ganz gut. Abends habe ich alles gegeben, war aber dennoch langsamer. Allerdings litt ich auch unter Menstruationsbeschwerden.
Sie sind in das Leistungszentrum Sant Cugat nach Barcelona gewechselt. Wie unterschiedlich ist die Trainingsarbeit?
Auf der Insel bin ich bei meinem Club CN Palma mit 20 anderen Leuten in einer Bahn geschwommen. Im Leistungszentrum habe ich die Bahn manchmal komplett für mich alleine. Dazu kommen viel mehr Trainer und Angestellte, die sich um mich in allen Belangen kümmern. Ich kann mich auf den Sport konzentrieren und studiere online.
Welchen Studiengang belegen Sie?
Vor ein paar Monaten habe ich mein Abitur abgeschlossen. Nun studiere ich an der UCAM-Onlineuniversität Psychologie.
Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Die bleibt nur am Wochenende. Da versuche ich abzuschalten, auszugehen und wenn es geht, mal nach Mallorca zu reisen. Ich komme so oft wie möglich auf die Insel, um meine Familie zu sehen.
Vermissen Sie sie?
Ja, so eine Saison zieht sich ganz schön in die Länge. Im Sommer gibt es eine dreiwöchige Pause. Da sind die meisten Schwimmer ziemlich platt und die Ferien gold wert.
Wollten Sie schon als Kind Profi-Schwimmerin werden?
Als ich klein war, sagte ich immer zu meiner Mama: Irgendwann will ich mal an Olympischen Spielen teilnehmen. Ich will eine Olympia-Medaille. Natürlich ist das der Traum aller Sportler. Daher bin ich schon sehr stolz auf das, was ich bislang erreicht habe. Noch liegt aber ein langer Weg vor mir.
Was würden Sie der kleinen Estella von damals sagen?
Dass sie ihr Lächeln beibehalten soll und immer mit Spaß Sport treibt. Letztlich schwimme ich nicht, weil mich jemand zwingt, sondern weil ich es mag.
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