Marco Asensio krempelt Heimatverein um – mit Hilfe seines Ex-Trainers
Katar, Emirate, Kanada – Arno Buitenweg kehrt nach zwölf Jahren auf die Insel zurück, um mit Marco Asensio einem Fünftligisten auf die Beine zu helfen

Arno Buitenweg (rechts) wechselte 2013 von Real Mallorca nach Katar. | FOTO: DM
Fünftligist Platges de Calvià schreibt derzeit fast mehr Schlagzeilen als der Big Player Real Mallorca. Marco Asensio, Mallorcas bekanntester Fußballer (Ex-Real Madrid und PSG, heute Fenerbahçe), übernahm den Club erst vor wenigen Wochen. Dann ließ sich Basketball-Legende Scottie Pippen im Vereinstrikot ablichten. Und nun hat Asensio mit Arno Buitenweg einen renommierten Fußballexperten verpflichtet. Der 54-jährige Niederländer trainierte früher die Nachwuchsmannschaften von Real Mallorca, ehe er 2013 nach Katar auswanderte.
Sie haben Asensio auf Mallorca zum Profi geformt. Bedankt er sich mit dem Job dafür?
Marco kam mit vier, fünf Jahren zu uns in die Akademie. Ich hatte ihn zwölf Jahre lang unter meinen Fittichen. Nachdem ich 2013 den Club verließ, blieb der Kontakt zu ihm erhalten. Wir haben fast schon ein familiäres Verhältnis. Er bittet mich immer wieder um Tipps. Vor einem Jahr erzählte er mir von seinen Plänen, seinen Heimatclub zu übernehmen. Er bat mich darum, ihm dabei zu helfen. Ich soll in Calvià den Spielern die gleiche Ausbildung anbieten, die er damals unter mir genoss.
Ein Mann mit Ihrer Erfahrung hatte sicherlich bessere Angebote als das von einem mallorquinischen Fünftligisten.
Meine Rückkehr auf die Insel hat in erster Linie familiäre Gründe. Ich bin 1989 nach Mallorca ausgewandert und lernte hier meine Frau kennen. Sie zog mit mir nach Katar, kehrte aber kurz vor der Pandemie mit meinen beiden Töchtern auf die Insel zurück. Ich arbeitete danach noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und zuletzt in Kanada und konnte meine Familie immer nur während der Länderspielpausen sehen. Jetzt will ich wieder bei ihnen sein, zumal auch meine Eltern hier leben.
Nach elf Jahren Katar und Vereinigte Arabische Emirate dürfte das Gehalt keine Priorität mehr sein, oder?
Für das Geld bin ich gewiss nicht hier. Ich mache es für Marco, und es reizt mich auch. Schließlich geht es darum, etwas aufzubauen.
Sie werden nicht an der Seitenlinie stehen?
Nein, ich überwache die kompletten sportlichen Bereiche als Sportdirektor. Von der Jugend bis hin zu den Männern. Ich schaue, was für Spielerprofile wir derzeit im Kader haben und was wir für die kommenden Jahre benötigen. Da muss ich nicht alles über den Haufen werden. Manche Sachen laufen schon gut.
Asensio, Pippen und nun Sie – was passiert da gerade in Calvià?
Ich will meine Erfahrungen hier im Club einbringen. Natürlich schauen wir beim Verein dann auch, wie wir andere Leute mit ins Boot holen und für uns werben können. Auch über die Insel hinaus.
Aber was ist das Ziel?
Es geht um die Nachwuchsarbeit: Spieler ausbilden und Werte schaffen. Die Jungs spielen dann irgendwann für die erste Mannschaft. Wenn wir gut arbeiten, steigen die Herren dann auf.
Soll Calvià in der Zukunft also ein Profiverein werden?
Man weiß nie, wie es kommt. Wenn, dann wäre es sowieso langfristig. Platges war früher mal ein großer Club auf der Insel, mit dem es zuletzt immer weiter bergab ging. Das wollen wir nun ändern.
Folgt auch eine Transferoffensive?
Wir fangen jetzt nicht an, die Teamkollegen von Marco einzukaufen.
Wie stark ist Asensio ins Tagesgeschäft des Vereins eingebunden?
Er leitet den Club gemeinsam mit seinem Bruder Igor, der wesentlich näher dran ist und Marco auf dem Laufenden hält. Als Profi von Fenerbahçe Istanbul kann er aus der Ferne schlecht täglich eingreifen. Aber wir stehen schon regelmäßig im Kontakt.
Wie kam es dazu, dass Sie 2013 in Katar anheuerten?
Katar bereitet sich schon damals auf die WM 2022 vor. Raúl spielte in der Liga für al-Sadd. Mit Roberto Olaba hatten wir einen gemeinsamen Bekannten. Beide riefen mich an und fragten, ob ich helfen möchte. Ich schaute es mir eine Woche vor Ort an und wir wurden uns einig. Ich übernahm die U17-Nationalmannschaft.
War das mit der WM eine einmalige Sache und hat sich da etwas Nachhaltiges im katarischen Fußball entwickelt?
Viele meiner ehemaligen Spieler spielen heute dort in der ersten Liga oder sogar in der Nationalmannschaft, die sich für die WM 2026 qualifiziert hat. Wir haben derzeit auch die U17-WM im Katar. Das Niveau ist schon deutlich gestiegen.
Im Vergleich zu Saudi-Arabien lockt die Liga nicht so viele Stars an. Am Geld dürfte es nicht scheitern, woran dann?
Es wird mehr auf einheimische Fußballer gesetzt, um die Nationalmannschaft voranzubringen. Als ich da war, durften nur fünf Ausländer im Team spielen. Eine solche Regel gibt es in Saudi-Arabien nicht.
Die Kritik an der Situation der Menschenrechte in Katar darf nicht vernachlässigt werden. Wie haben Sie das mitbekommen?
Ich kann nichts Schlechtes über Katar äußern und habe nie etwas mitbekommen, wo ich sage: Das kann nicht sein. In der Presse wurde viel darüber geschrieben, über tote Bauarbeiter zum Beispiel. Im Hafen von Rotterdam sterben auch regelmäßig Leute. Da regt sich niemand auf. Meine Töchter gingen mit Einheimischen auf die öffentliche Schule. Da ist nie etwas passiert.
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