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Geringe Prämien, große Träume: Die bittere Realität der Copa del Rey

Atlético Baleares empfängt Espanyol Barcelona – und wittert trotz Viertklassigkeit seine Chance. Warum der Pokal in Spanien anders tickt als in Deutschland

In der ersten Pokalrunde schaltete Atlético Baleares den Drittligisten Nàstic aus.  | FOTO: ATB

In der ersten Pokalrunde schaltete Atlético Baleares den Drittligisten Nàstic aus. | FOTO: ATB

Ralf Petzold

DFB-Pokalnächte sind magisch. Kleine Dörfer empfangen die Stars des FC Bayern München. Nicht selten stolpern die Favoriten. Der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze, heißt es dann immer wieder. Im vergangenen Jahr kam mit Arminia Bielefeld ein Drittligist bis ins Finale. Auch die Spanier haben mit der Copa del Rey einen eigenen Pokal. Besonders in den ersten Runden verstrahlt der Wettbewerb jedoch nur wenig Glanz. Viele Erstligisten spielen mit einer B-Elf. Daher stehen die Chancen des Viertligisten Atlético Baleares am Donnerstag (4.12., 19 Uhr) gegen Espanyol Barcelona gar nicht so schlecht.

„Der Ligaalltag ist den meisten Mannschaften wichtiger“, sagt Atlético Baleares-Sportdirektor Patrick Messow der MZ zu der halbherzigen Herangehensweise der Favoriten. „Zumal sich der Pokal für die Erst- und Zweitligisten kaum lohnt.“ Gerade mal 32.500 Euro werden für das Weiterkommen an einen Verein ausgeschüttet. „Und das bis zum Viertelfinale. Für größere Clubs sind das Peanuts“, so Messow. Zum Vergleich: Für das Erreichen des Achtelfinales im DFB-Pokal, das diese Woche ausgespielt wurde, gab es 847.544 Euro pro Verein. Hinzu kommen Werbe- und Zuschauereinnahmen.

Nur zwei Stammspieler kommen zum Einsatz

„Für ambitionierte Dritt- oder Viertligisten ist die Copa dennoch eine finanzielle Hilfe“, sagt Messow. Die Erstligisten klagen über lange Reisen, Spiele unter der Woche und einen Dorfacker. „Sie nutzen die Gelegenheit, um ihren Ersatzspielern Einsatzzeiten zu verschaffen.“ Die Zeitung „El Mundo“ rechnete es bereits 2018 einmal aus: Nur gut zwei Stammspieler aus dem Ligaalltag kamen im Durchschnitt pro Team im Pokal zum Einsatz.

Wobei damals noch jede Runde in Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Ein Ausrutscher gegen einen Außenseiter konnte somit noch wettgemacht werden. Heute trifft das nur noch auf das Halbfinale zu. Offiziell, so die Begründung, damit alle vier Halbfinalisten ein Heimspiel bestreiten dürfen. Insgeheim ist klar, dass diese Regel die Fußballgrößen Real Madrid und FC Barcelona begünstigt. Ein Clásico als Pokalfinale verkauft sich schließlich besser. Die vier Mannschaften, die am spanischen Supercup teilnehmen, erhalten ein Freilos bis ins Achtelfinale.

Pokal kann eine Ablenkung sein

Erst vor drei Jahren erreichte Atlético Baleares das Achtelfinale der Copa. „Das war eine geile Zeit und wir haben Pokalgeschichte geschrieben. Niemals zuvor kamen wir so weit“, sagt Messow. Der damalige Drittligist lernte aber auch die Kehrseite des Erfolgs kennen. „Durch die Pokalspiele haben wir viele Körner gelassen und in der Liga zu dem Zeitpunkt geschwächelt. Am Saisonende fehlte uns ein Punkt zur Play-off-Teilnahme.“

Wie also das Spiel am Donnerstag angehen? „Wir wollen die Partie einfach genießen“, sagt Messow. „Für die Zuschauer ist es ein Highlight. Wir rechnen mit 3.000 Besuchern. Das dürfte den Saisonrekord darstellen.“ Der Sportdirektor hatte sich eigentlich ein Derby gegen Real Mallorca gewünscht. „Dann vielleicht in der nächsten Runde. Espanyol ist aber immerhin ein Urgestein der Liga und spielt als Tabellensechster eine super Saison.“

So läuft es bei Atlético Baleares in der Liga

Mit zuletzt drei Siegen in Folge ist Atlético Baleares in guter Form. Am Wochenende gab es einen 1:0-Auswärtsdreier gegen Lleida. Der Club des deutschen Eigentümers Ingo Volckmann steht auf dem dritten Platz, punktgleich mit Barcelona B und einem Zähler hinter dem Inselkonkurrenten Poblense. Am Sonntag kommt es zu einem Derby. Dann geht es auswärts gegen den Tabellenletzten Porreres. Nur der Erste steigt in der vierten Liga direkt auf. Die Mannschaften auf den vier Plätzen dahinter haben in den Play-offs eine zweite Chance.

Real Mallorca quält sich weiter

Real Mallorca sollte eigentlich wissen, wie lukrativ die Copa del Rey für einen Mittelklasseclub aus der ersten Liga sein kann. Erst vor anderthalb Jahren stand das Team im Pokalfinale – und unterlag Athletic Bilbao im Elfmeterschießen. Als Belohnung gab es dennoch eine Teilnahme am Supercup in Saudi-Arabien. Im Gegensatz zum spanischen Pokal gibt es dort mit 1,3 Millionen Euro schon eine vernünftige Summe als Antrittsprämie.

Dennoch verzichten die Mallorquiner auf größere Anstrengungen im Pokal. Bereits beim 2:0 in der ersten Runde gegen den Sechstligisten Atlètic Sant Just gab es eine Leistung zum Augenzuhalten. In der zweiten Runde am Dienstagabend (2.12.) war es kaum besser. Gegen den Viertligisten Numancia holte Real Mallorca einen knappen 3:2-Sieg. Selbst mit den Ersatzspielern sollte der Club ein solches Spiel souveräner über die Bühne bringen. Schließlich kämpfen Spieler wie Takuma Asano, Abdón Prats, Pablo Torre oder Mateu Morey um eine bessere Rolle im Kader.

Und die ist zweifelsohne möglich, denn die A-Elf bekleckert sich derzeit nicht gerade mit Ruhm. Beim Heimspiel am Samstag gab Real Mallorca einen 2:0-Vorsprung aus der Hand und holte gegen Osasuna nur einen Punkt. Mit dieser Leistung ist es schwer vorstellbar, dass Jagoba Arrasate das Saisonende auf der mallorquinischen Trainerbank erleben wird. Am Freitag geht es auswärts gegen den Tabellenletzten Oviedo. Stolpert der Inselclub dort, ist ein Abrutschen auf die Abstiegsränge denkbar. Spätestens dann läutet auch bei den Vereinsverantwortlichen der Alarm. Die Auslosung für die nächste Pokalrunde ist am Dienstag.

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