Rafa Nadal feiert zehn Jahre Stiftung für benachteiligte Kinder auf Mallorca
Seit zehn Jahren betreibt die Stiftung von Rafa Nadal ein Kinder- und Jugendzentrum in Palmas Brennpunktviertel La Soledat. Leiterin ist seine Frau Maria Francisca Perelló. Die Gentrifizierung der Umgebung bekommt auch ihr Projekt zu spüren

Rafa Nadals Frau Maria Francisca Perelló steht der Stiftung vor. / Bendgens
Rafael Nadal hat auf Mallorca nicht nur seine Tennisakademie in Manacor, wo Nachwuchssportler heranwachsen. Über seine Stiftung Fundación Rafa Nadal unterstützt der wohl größte Inselathlet aller Zeiten auch Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien. Seine Frau Maria Francisca Perelló überwacht die Projekte. Mit einem Tag der offenen Tür feierte die Fundación am Freitag (5.12.) den zehnten Jahrestag des Zentrums in Palmas Stadtviertel La Soledat.
„Rafa war sich immer bewusst, was er für ein Glück mit seiner Sportkarriere hatte“, sagte Perelló in ihrer Rede. „Davon will er den Kindern etwas zurückgeben.“ Nadal gründete die Stiftung 2010, seine Frau ist seit 2012 als Projektleiterin dabei. „Ich bin ins Tagesgeschäft eingebunden und habe mit jedem Jahr mehr zu tun“, sagte sie im Anschluss an die Feierlichkeiten im Gespräch mit der MZ.
Alltag und Betreuung im Zentrum
Laut dem Leiter des Zentrums, Iñigo Martínez, kam Nadal in den vergangenen fünf Jahren vier bis fünf Mal vorbei. „Er schaut dann nach dem Rechten und unterhält sich mit den Jugendlichen, meist mit den Älteren“, sagt Perelló. 200 Kinder und Teenager im Alter von fünf bis 17 Jahren genießen pro Schuljahr die Vorzüge der Stiftung. Sie müssen aus dem Stadtviertel kommen und von den Schulen vorgeschlagen werden. „Das können Kinder aus ärmeren oder zerrütteten Familien sein oder auch soziale Außenseiter“, so Martínez. Die Warteliste betrage derzeit 79 Personen.

In der Einrichtung gibt es auch Klassenzimmer. / Bendgens
Zwei Tage pro Woche können und müssen die Kinder und Jugendlichen für anderthalb Stunden im Zentrum erscheinen. Jeweils nach der Schule gibt es an einem Tag weiteren Unterricht, der über die klassischen Schulfächer hinausgeht und auch Gespräche mit Psychologen beinhaltet. Am zweiten Tag wird in Gruppen mit bis zu 15 Kindern Sport gemacht. Dafür gibt es in der Einrichtung zahlreiche Felder und Spielgeräte. „Sport ist eine gute Form, um sich selbst zu verwirklichen“, unterstreicht Martínez. „Er hilft dabei, Emotionen zu kontrollieren und herunterzukommen.“ Wer die Stiftungstermine schwänzt, fliegt aus dem Programm raus.
Psychologische Arbeit und Herausforderungen
„Man merkt es dann leider, wenn wir hören, was sie ohne unsere Aufsicht angestellt haben“, sagte der Psychologe Tomás Rodrigo bei einer Podiumsdiskussion und zitierte ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn du schnell ankommen willst, dann geh alleine. Wenn du es weit bringen möchtest, dann geh begleitet. Letzteres wollen wir.“ Er setze dabei auf einen spielerischen Ansatz, um die Jugendlichen abzuholen. „Manchen Kindern fällt es schwer, den Mund aufzumachen und über Probleme zu reden. Wir suchen eine spielerische Lösung, die zugleich ergebnisorientiert ist.“

Zum Tag der offenen Tür gab es Spiel und Sport. / Bendgens
In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Stiftungsarbeit gewandelt. „Social Media werden immer wichtiger. Einerseits bieten sie uns eine einfache Form der Kommunikation mit den Jugendlichen. Andererseits ist es keine sichere Umgebung für sie“, sagt der Psychologe. Auch daher sei es wichtig, dass die „jungen Rebellen“ einen physischen Rückzugsort in dem Zentrum fänden.
Veränderungen im Viertel und Zukunftspläne
Dem Wandel des Stadtviertels betrachtet Maria Francisca Perelló skeptisch. Rund um die Einrichtungen schießen Luxuswohnungen in die Höhe. Die Mietpreise steigen immer weiter. „Viele Familien fliegen aus ihren Wohnungen raus. Was das für Folgen hat, sehen wir dann bei uns“, sagte sie.
Die weiteren Ziele der Stiftung steckt die zweifache Mutter daher recht niedrig. „Wir wollen in erster Linie schauen, dass wir mit unserer Arbeit so weitermachen.“ Neben dem Zentrum in Palma betreibt die Fundación Rafa Nadal zwei weitere Einrichtungen in Valencia und Madrid. Eine vierte ist geplant, wobei der Standort noch nicht feststeht. „In Indien haben wir zudem 2010 mit dem Projekt ‚Nets in India‘ angefangen“, sagt Perelló. Dort wird nicht nur Tennis gespielt, sondern die Jugendlichen erhalten eine Ausbildung in Informatik und Englisch. „Das bietet ihnen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt und aus der Armut“, so Perelló.
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