Was wurde aus Antonio Alcinas? Mallorcas Darts-Hoffnung im WM-Abseits
Antonio Alcinas überraschte einst bei der Darts-WM – heute verzichtet er freiwillig auf die große Bühne

In Kneipen und bei regionalen Turnieren spielt Antonio Alcinas noch. Aus einer weiteren WM wird aber wohl nichts. | FOTO: SEBASTIÁN TERRASSA
Was ist eigentlich aus Antonio Alcinas geworden? Der Automechaniker aus Campos ist Mallorcas bester Dartspieler und überraschte bei der WM 2019 mit einem Sieg gegen den damaligen Weltranglistenzweiten Peter Wright. Seit seinem größten Erfolg wurde es jedoch still um den 46-Jährigen. Auch bei dem diesjährigen Turnier im altehrwürdigen Ally Pally in London, das vergangene Woche begann, spielt der Mallorquiner nicht mit.
Der vor Jahren eingesetzte Darts-Boom aber hält weiter an. Die 125.000 Tickets für die WM waren binnen zehn Minuten ausverkauft. In Deutschland überträgt der TV-Sender Sport 1 stundenlang die Pfeilewerfer. Das Interesse am Darts bei den Deutschen sei so hoch, dass dort ein Großteil der Eintrittskarten abgesetzt werde, schrieb unlängst die „Süddeutsche“.
„Der Weltverband PDC leistet eine tolle Arbeit“, bestätigt Alcinas. „Auf der ganzen Welt gibt es immer mehr Leute, die sich für Darts interessieren.“ Wie im Fußball wird die Weltmeisterschaft auch im Hinblick auf die Teilnehmerzahl immer größer. Für Außenseiter wie den Mallorquiner ist es dadurch aber mitnichten einfacher, sich zu qualifizieren.
Große Bühne, hohe Hürden
Von den 128 Spielern sind 80 wegen ihrer Erfolge in der vergangenen Saison gesetzt. Die restlichen 48 Plätze gehen an Gewinner der regionalen Qualifikationsturniere. Für den Mittelmeerraum wurde dieses in Segovia ausgespielt. „Dort bin ich im Viertelfinale rausgeflogen. Cristo Reyes holte den Titel“, sagt Alcinas. Mit dem Spieler von Teneriffa verbindet ihn eine enge Freundschaft.
Das Daumendrücken nützte freilich wenig. Reyes machte am Freitag bereits in der ersten WM-Runde den Abgang gegen den Niederländer Gian van Veen.
Theoretisch könnte Alcinas sich auch bei der Q-School anmelden. Über das Turnier können sich Amateure für die Profitour qualifizieren. Die Sieger erhalten ein Zweijahresticket. Mit dem spielte Alcinas bei seiner bislang letzten WM 2023.
Zwischen Profiambitionen und Privatleben
„Mein Fokus liegt mittlerweile aber ganz klar auf anderen Dingen“, sagt der Automechaniker und spielt damit auf die Geburt seiner Tochter an. „Ich möchte sie aufwachsen sehen. Auf der Profitour bist du jede Woche zwei, drei Tage auf Reisen unterwegs. Klar verdient man dadurch dann Geld, verliert aber Zeit für andere Dinge.“
Sicherlich spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Die Einschreibung für die Q-School kostet rund 655 Euro, und die Preisgelder im Darts sind nicht allzu hoch. Um für die Reisekosten aufzukommen, müssen die Sportler Sponsoren finden.
Angesichts des großen Publikumsinteresses könnte der Sport in den kommenden Jahren lukrativer werden. Saudi-Arabien liebäugelt bereits mit der Austragung einer Weltmeisterschaft. PDC-Boss Barry Hearn schloss das anfangs nicht aus.
Darts ohne Bier?
Nach eigenen Aussagen soll Hearn die Saudis gefragt haben, ob sie die Richtlinien beim Alkoholausschank für die WM lockern würden. Da die Antwort negativ ausfiel, sei die Idee damit verworfen worden. Kein Alk, keine Weltmeisterschaft. „Darts ohne Bier? Für die Anhängerschaft etwa so attraktiv wie Skirennen ohne Schnee“, so die „Süddeutsche Zeitung“.
Für die Fans sind die Spiele eine pausenlose Party, die auch vom Outfit stark an den Ballermann erinnert: Anglerhüte und bunte Trikots sind der Dresscode. „Ally Pally ist einzigartig. Die Atmosphäre ist mit keinem anderen Event vergleichbar“, sagt Alcinas, der einem Umzug in die Wüste daher ebenfalls skeptisch gegenübersteht.
Nicht nur die Fans geben sich bei den Spielen die Kante. Auch bei vielen Profis gehört der Alkohol dazu. Darts ist und bleibt eine Kneipensportart. „Viele trinken, um die Nerven zu beruhigen. Ich wäre aber für ein Alkoholverbot, um unseren Sport zu professionalisieren“, sagt der 46-Jährige.
Favoriten und deutsche Hoffnung
Und wer holt dieses Jahr nun den ersehnten Titel? Favorit ist Luke Littler, der sich bei der vergangenen Ausgabe mit 17 Jahren zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten krönte. „Mein persönlicher Liebling ist Michael van Gerwen. Er kommt aber nicht an das Niveau von Littler und Luke Humphries heran“, sagt Alcinas. Aus deutscher Sicht sind acht Profis mit dabei. Die besten Chancen dürfte Martin Schindler haben. Er steht auf Platz 14 der Weltrangliste.
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