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Dribbelkünstler Jan Virgili: So wurde das Barça-Talent zum Publikumsliebling auf Mallorca

Jan Virgili begeistert bei Real Mallorca mit Tempo, Technik und Torgefahr – könnte aber bald schon wieder weg sein

Jan Virgili (links) mag es, ins Dribbling zu gehen. Nicht selten gewinnt er die Zweikämpfe mit dem Gegner.  | FOTO: ANA ESCOBAR/EFE

Jan Virgili (links) mag es, ins Dribbling zu gehen. Nicht selten gewinnt er die Zweikämpfe mit dem Gegner. | FOTO: ANA ESCOBAR/EFE

E. Pérez de Rosas

Wenn Jan Virgili den Ball bekommt, wird es laut im Stadion von Son Moix. Die Fans wissen, dass sie von ihrem neuen Liebling rasante Dribblings und Torgefahr erwarten können. So etwas gibt es dieser Tage selten bei Real Mallorca. Der 19-jährige Flügelspieler, der im Sommer vom FC Barcelona kam, ist beim Inselclub längst unverzichtbar geworden. „Nie in meinen kühnsten Träumen hätte ich mit so einer Entwicklung gerechnet“, sagt Virgili der MZ-Schwesterzeitung „Sport“.

„Ich war schon immer vom Fußball regelrecht besessen“, erzählt der Profi. „In der Schule habe ich stets die Klingel herbeigesehnt, damit ich am Nachmittag zum Training konnte. Das Wochenende mit den Spielen konnte nicht schnell genug kommen.“ Dabei war der 1,77 Meter große Katalane in jungen Jahren gar nicht so talentiert. Espanyol Barcelona strich Virgili bei den Prebenjamínes – vergleichbar mit der F-Jugend – aus dem Kader. „Ich habe stundenlang geheult und kann mich heute noch daran erinnern, wie mein Vater mir die schlechten Nachrichten überbrachte.“

Was einen nicht umbringt, macht einen stärker. „Das stimmt wirklich“, sagt Virgili. Er wechselte zum Club Vilassar de Dalt, und es ging bergauf. Dass er meist der kleinste Spieler auf dem Platz war, störte ihn wenig. „Ich hatte nie Komplexe wegen meiner Größe. Ich machte das mit Mut und Einsatz wett. Zudem habe ich ein ganz gutes Ballgefühl.“

An Selbstbewusstsein mangelte es demzufolge nie. Im Gegenteil. Virgili wechselte zu Damm, einer bekannten katalanischen Fußball-Nachwuchsschmiede. „Dort flog ich raus, weil ich mich nicht benommen habe“, sagt er. „Wir waren drei, vier Spieler, die regelmäßig über die Stränge schlugen. Statt mit uns zu reden, wurden wir vor die Tür gesetzt. Eine zweite Chance gab es nicht.“ Dass seine Mutter Psychologin ist, half ihm bei der Persönlichkeitsentwicklung wenig. „Ich war ein Trotzkopf und reagierte auf Ratschläge bockig.“

Internat, Neuanfang und Barça-Scouts

Länger als eine Saison hielt es den kleinen Rebellen bei keinem Jugendclub. In der fortschreitenden Pubertät riss er sich langsam zusammen. „Ich habe mich verändert – und wie!“, meint er. Dabei half ein Wechsel zu Nàstic nach Tarragona. Die Eltern konnten nicht mehr täglich die Fahrten zum Training anbieten. Virgili musste ins Internat ziehen. „Die Luftveränderung tat mir gut. Ich habe mich schnell angepasst.“ Und wieder wurden die Scouts auf den Fußballer aufmerksam. Diesmal die von seinem Traumclub FC Barcelona.

„Nàstic und Barça wurden sich lange nicht über den Wechsel einig. Monatelang bangte ich und war mit den Nerven am Ende“, sagt Virgili. Am 26. Juli 2024 – dem Tag seines 18. Geburtstags – unterschrieb er dann endlich den Profivertrag. „Mit der Jugendmannschaft haben wir Liga, Pokal und UEFA Youth League gewonnen“, sagt er. Mit der U19-Nationalmannschaft wurde er Vize-Europameister. Bei der zweiten Mannschaft des FC Barcelona, bei der er ebenfalls in 17 Spielen auflief, stand jedoch der Abstieg in die vierte Liga an. „Jeden Tag mit der Barça-Profis zu trainieren, hat mir dennoch unheimlich geholfen.“

Möglicherweise kehrt der 19-Jährige bald nach Katalonien zurück. Für die Ablöse in Höhe von 3,5 Millionen Euro bekam Real Mallorca im Sommer nur einen „halben“ Virgili – sprich 50 Prozent der Rechte am Spieler. Die andere Hälfte behielt Barça. In der Praxis sind die Katalanen an einem möglichen Weiterverkauf beteiligt. Und sollte es zu Verhandlungen kommen, hat der FC Barcelona ein Vetorecht: Wenn Real Mallorca eine Ablöse akzeptiert, darf Barça mit dem Angebot gleichziehen und erhält automatisch den Zuschlag.

Ziele, Idol Neymar und Druck vor Bilbao

„Ich will eines Tages mit Barça erfolgreich sein“, sagt Virgili, der als sein Idol Neymar angibt. „Mit seiner Spielweise kann ich mich identifizieren.“ Sein Wechsel zu Real Mallorca habe auch an Trainer Jagoba Arrasate gelegen, der ihn persönlich am Telefon überzeugte. Nach der 1:2-Pleite gegen Rayo Vallecano am Sonntag (11.1.) wird jedoch nicht nur Kritik am Coach laut (s. u.). Im Heimspiel gegen Athletic Bilbao am Samstag (17.1.) muss das Team die Fans beruhigen. Das geht am besten mit einem gut aufgelegten Jan Virgili.

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