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Von Mallorca zu Eintracht Frankfurt: Wer ist der womöglich neue Trainer Albert Riera?

Der Mallorquiner gilt als kein einfacher Mensch. Seine Spielweise könnte aber zum Bundesligisten passen

Albert Riera (li.) spielte beim FC Liverpool.

Albert Riera (li.) spielte beim FC Liverpool. / Efe

Ralf Petzold

Ralf Petzold

In knapp einem Monat ist es 25 Jahre her, dass Albert Riera auf Mallorca im Profifußball debütierte. Es ging mit einer 1:2-Pleite gegen Racing Santander in die Hose. "So schmerzhaft es in diesem Augenblick noch sein mag. Eines Tages wird er mit jenem 25. Februar 2001 nur noch eines verbinden: sein Debüt in einer der besten Ligen der Welt", schrieb der damalige MZ-Redakteur Holger Weber. Mittlerweile ist Riera ein gefragter Mann und steht kurz vor der Unterschrift als Trainer bei Eintracht Frankfurt.

Riera kam 1982 in Manacor zur Welt, einer Stadt, die Sportlern bekanntermaßen das gewisse Talent verleiht (Stichwort Rafa Nadal). Der Linksfuß stieg in den goldenen Jahren zum Profi bei Real Mallorca auf, wo er alle Jugendabteilungen durchlaufen hatte.

Die MZ 2001 zum Debüt des damals 18-Jährigen.

Die MZ 2001 zum Debüt des damals 18-Jährigen. / MZ

Real Mallorcas goldene Ära

Trotz jener Pleite im Februar führte Trainer Luis Aragonés die Mallorquiner mit 71 Punkten auf den dritten Platz in der Primera División - das stellt bis heute die beste Saisonleistung der Vereinsgeschichte dar. Real Mallorca spielte Champions League und gewann 2003 sogar die Copa del Rey. Albert Riera stand im Finale in der Startelf. Es sollte das vorerst letzte Spiel im Trikot der Teufel sein. Für 5 Millionen Euro wechselte der linke Mittelfeldspieler zu Girondins Bordeaux.

Als Spieler galt der Mallorquiner als eher schwieriger Charakter. An guten Tagen wirbelte er auf der Außenbahn, an schlechten Tagen hatte er schlichtweg keine Lust und trabte behäbig über den Platz.

Oft die Teams gewechselt

Das sorgte für ein Auf und Ab in seiner Karriere. Selten hielt es Riera länger als eine oder zwei Saisons bei einem Team. Nach der Etappe in Frankreich ging es schnell zurück nach Spanien, zu Espanyol Barcelona, eine Spielzeit später per Leihe zu Manchester City.

Nach der Rückkehr nach Barcelona kam Riera in ein Formhoch, das ihm sogar eine Berufung in die Nationalmannschaft bescherte. Spaniens Trainer war ein Altbekannter: Luis Aragonés. Riera traf bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft. In seiner Karriere kommt der Mittelfeldspieler auf vier Treffer in 16 Länderspielen. 2008 bezeichnete ihn die MZ als spanischen Kevin Kuranyi, da er kurz vor der EM überraschend aus dem Kader gestrichen worden war.

Albert Riera beim FC Liverpool.

Albert Riera beim FC Liverpool. / Efe

Dennoch war es zweifelsohne die beste Zeit in Rieras Karriere. 2008 ging es für knapp zehn Millionen Euro zum FC Liverpool, wo der Madrilene Rafa Benítez bevorzugt auf Spanier setzte: Im Tor stand Pepe Reina, im Mittelfeld zog Xabi Alonso die Fäden und die Tore schoss Fernando Torres.

Griechischer und türkischer Meister

Trotz seiner oft namhaften Clubs ist im Trophäenschrank des Mallorquiners noch reichlich Platz. 2007 scheiterte er mit Espanyol Barcelona im Uefa Cup-Finale. Ansonsten gewann Riera erst nach seinem Weggang aus Liverpool in kleineren Ligen Titel. 2011 wurde er griechischer, 2012 und 2013 türkischer Meister. Ab 2009 wurde er nicht mehr in den spanischen Nationalkader berufen.

Wie viele andere Fußballer auch kehrte der Mallorquiner gen Ende seiner Karriere in die Heimat zurück. 2015 war das, als Utz Claassen bei Real Mallorca das Sagen hatte. "Seine Verpflichtung wurde uns von vielen Insidern sehr ans Herz gelegt. Leider endete das im Streit mit dem Coach, aber das sollte man nicht überbewerten", erinnert sich der damalige Geschäftsführer Michael Blum gegenüber der MZ.

Utz Claassen und Albert Riera (re.).

Utz Claassen und Albert Riera (re.). / Tooru Shimada

Lediglich sechs Spiele, keines davon über 90 Minuten, bestritt Riera für den damaligen Zweitligisten. Die Saison darauf verbrachte er in Slowenien, wo er 2016 seine Karriere beendete.

Der Start der Trainerkarriere

Mit Xabi Alonso drückte der Mallorquiner gemeinsam bei der Trainerausbildung die Schulbank. 2022 kehrte er als Co-Trainer beim türkischen Spitzenclub Galatasaray in den Profifußball zurück.

Sein erster Job als Chefcoach in Slowenien hätte kaum schlimmer starten können. Bei seiner Vorstellung im September 2022 bei Olimpija Ljubljana stürmten 20 Ultras die Pressekonferenz. Sie waren mit der Entlassung von Rieras Vorgänger nicht einverstanden. Das Double aus Liga und Pokal zum Saisonende beruhigte die Gemüter.

Mal wieder blieb Riera nicht lange und kehrte nach Frankreich zurück. "Er ist ein sehr überheblicher Trainer, der während seiner Zeit in Bordeaux bei Pressekonferenzen eine Reihe arroganter Äußerungen gemacht hat. Er hat immer die gegnerischen Trainer herabgewürdigt und seine eigenen Qualitäten hervorgehoben", beschreibt ihn der Journalist Hanif Berkane gegenüber "fussballtransfers.com". Sein ehemaliger Boss Utz Claassen kann diese Einschätzung nicht teilen. "Wer bei Liverpool und Mallorca gespielt hat, also in zwei der tollsten Vereine der Welt, muss ein Super-Typ sein", sagt er der MZ.

Passt er zur Eintracht?

Seit 2024 trainiert der 43-Jährige den slowenischen Tabellenführer NK Celje, mit dem sich Eintracht Frankfurt Medienberichten zufolge bereits einig ist. Am kommenden Wochenende soll Albert Riera aber noch nicht sein Debüt feiern.

"Als Trainer eilt ihm der Ruf voraus, einen klaren Plan zu haben, auf die Offensive zu setzen und deutliche Ansagen zu machen - das könnte sehr gut zu Frankfurt passen", beurteilt Michael Blum. "Ich wünsche mir, dass er in die Fußstapfen seiner spanischen Vorgänger in der Bundesliga, Pep Guardiola und Xabi Alonso, tritt. Wenn das klappt, kann ich als Eintracht-Anhänger damit angeben, dass ich ihn schon seit vielen Jahren auf dem Zettel habe und bei RCD persönlich kennengelernt habe."

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