Wie eine 18-Jährige auf Mallorca Werbung für den Padelsport in Deutschland macht
Padel ist im deutschen Breitensport auf dem Vormarsch, doch die Profis haben noch das Nachsehen. Eine 18-Jährige und der Nationaltrainer wollen daran von Mallorca aus etwas ändern

Milla Blaschke ist derzeit die Nr. 4 der deutschen Rangliste. Jetzt wohnt und trainiert sie auf der Insel. / Privat
„Du hast keine Chance – aber nutze sie“ ist ein Zitat, das im Sport oft benutzt wird. Als Autor gilt der bayerische Filmregisseur Herbert Achternbusch (1938–2022). Die 18-jährige Padelspielerin Milla Blaschke dürfte sich mit dem Spruch identifizieren können. Das Nachwuchstalent aus Lübbecke – nördlich von Bielefeld – ist vor wenigen Wochen nach Mallorca gezogen, um ihre Karriere voranzutreiben. Obwohl sie heute bereits zu den besten Spielerinnen des Sports in Deutschland zählt, wird sie international wohl kaum mit den Superstars konkurrieren können. Das liegt aber nicht an ihr.
Wie viele Padelspieler begann Blaschke mit dem Tennis. Bereits als Kind stand sie auf dem Platz. „Ich war sogar ziemlich gut, und es machte mir Spaß“, sagt sie der MZ. Der Vorstand ihres Tennisclubs TV Espelkamp reiste 2013 in den Urlaub in den Robinson Club in Cala Serena. „Dort lernten die Herrschaften Padel kennen und brachten es mit in die Heimat“, sagt Blaschke. Die durch Spielhallen bekannte Merkur Group hat in dem beschaulichen Ort ihren Sitz – und deren Chef Paul Gauselmann praktisch überall seine Finger im Spiel. Auch im Padel. Mit dem Mäzen konnte der Tennisclub zügig Plätze bauen.
Gauselmann ist nicht der einzige Padel-Fürsprecher im TV Espelkamp. Nationalspieler Christian Böhnke spielt dort und sorgt bei vielen Tennisspielern für ein Umdenken. So auch bei der mittlerweile herangewachsenen Milla Blaschke. „Er lud mich direkt ein, in den Osterferien mit ihm täglich auf Mallorca zu spielen“, sagt sie. Das war vor drei Jahren. Bei der Gelegenheit lernte sie den Herren-Teamchef Frank de Vries kennen, der in Palma wohnt. „Christian sagte mir: Merk dir den Namen. Aus Milla wird mal was“, sagt der Coach, der mit der Management-Firma Padel 360 mittlerweile die 18-Jährige betreut. Padel 360 gehöre zur größten deutschen Spielerberatungsgruppe Sport 360, die auch Mario Götze, Toni Kroos oder Julian Nagelsmann berät.
Vom Tennis zum Padel und erste Förderer
Im deutschen Padel ist es noch recht einfach, sich fix nach oben zu kämpfen. „Ich spielte schon bald bei der WM mit“, sagt Blaschke, die zunächst der Schule den Vorzug gab und im vergangenen Jahr ihr Abi machte. Mittlerweile setzt sie aber alles auf die Profikarriere und hat ein mögliches Studium erst einmal geparkt. Finanziell kann Blaschke auf die spanische Modekette Oysho zählen, die Padeltalente unterstützt. In Dezember erspielte sie sich in Barcelona ein Stipendium in Höhe von 10.000 Euro. Gestiftet hat es die Seat-Schwester Cupra, die auch einen Leihwagen für ein Jahr springen ließ. Der Grundstein für die Auswanderung war somit gelegt. „Meine Eltern unterstützen mich aber auch“, sagt Milla Blaschke.
Die Familie hat eine Wohnung in Calvià. Die Deutsche trainiert fünf Tage die Woche, zwei Mal pro Tag im Fitnessstudio Fit Point in Palma. Dort hat der Mallorquiner Ari Moyà das Sagen, der zeitgleich der deutsche Nationaltrainer der Frauen ist. Die Verständigung läuft auf Englisch, wenngleich Blaschke fleißig Spanisch büffelt. Auch ihre Doppel-Partnerin Celina Erdmann wohnt auf der Insel.

Padel-Spielerin Milla Blaschke. / Privat
Dass Mallorca quasi den Stützpunkt der deutschen Padelwelt bildet, ist kein Zufall. „Bei dem Wetter müsste ich in Deutschland zweieinhalb Stunden nach Köln fahren, um vernünftig trainieren zu können“, sagt Blaschke, die den Effekt des täglichen Trainings nach eigener Aussage jetzt schon spürt.
Mallorca als Trainingsbasis und der lange Weg in Deutschland
Der Sport wächst in der Heimat erst langsam aus den Babyschuhen heraus. Erste Eltern schickten ihre Kinder zum Padel statt zum Tennis, berichtet Teamchef de Vries. „Und wenn heute Plätze entstehen, haben die Baubehörden verstanden, dass es sich bei Padel um eine Rückschlagsportart handelt, die sich nicht auf dem Wasser abspielt.“ Es werde aber noch dauern, ehe Padel in Deutschland einen vergleichbaren Stellenwert wie in Spanien erlangt. „Infrastruktur, Jugendarbeit, Trainer – wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns. So schnell werden wir nicht den ersten Boris Becker des Padel hervorbringen“, sagt de Vries. Die Sponsoren sind noch zurückhaltend. Das Interesse des Publikums ist zu gering. De Vries nennt ein Beispiel: „Bei der EM 2021 streamte ein deutscher Privatanbieter unsere Spiele bei Youtube. Beim entscheidenden Gruppenspiel gegen die Niederlande haben online an die 400 Leute zugeschaut.“ In Spanien waren es bei Gol TV 400.000 Zuschauer. Große Hoffnung ruht derzeit auf Red Bull, das langsam Padel für sich entdeckt. Immerhin ist da auch ein gewisser Jürgen Klopp, der für den Getränkehersteller arbeitet und bei jeder Gelegenheit zum Schläger greift.
So gesehen ist die deutsche Padelwelt noch nicht bereit für Nachwuchskräfte wie Milla Blaschke. Oder Jonas Trümpler. „Er ist 16 und unser größtes Talent. Ab dem Sommer wird er zwei Jahre lang auf eine Padelakademie auf Mallorca gehen und hier sein Abi machen“, sagt de Vries. „Jonas wird es sicher einmal in die Top 100 der Weltrangliste schaffen. Für die Spitze hat er wohl zu spät angefangen.“ Auch Blaschke (Platz 1.050 der von Argentinierinnen und Spanierinnen dominierten Weltrangliste) backt noch kleine Brötchen. „Ich will erst einmal die beste deutsche Spielerin werden“, sagt sie. Wer weiß: Vielleicht nutzt die 18-Jährige doch die Chance, die sie gar nicht hat.
Abonnieren, um zu lesen
- Weißer Hai im spanischen Mittelmeer nachgewiesen: Studie bestätigt seltenen Fund
- Ein unaufhörliches Heulen: Sturmtief 'Nils' zieht mit 162 km/h über Mallorca
- Nach 13 Jahren: Das 'Goodbye Deutschland'-Lokal Red Rubber Duck in Peguera hat zugemacht
- Openings am Ballermann 2026: Wann Megapark, Bierkönig, Bamboleo, Oberbayern und Co. in die Saison starten
- Taucher finden unverhofft 'Schatz' in der Bucht von Palma - und sorgen für ein Happy End
- Weißer Hai im spanischen Mittelmeer: Wo genau wurde das Tier von Fischern gefangen?
- Im Februar: Erste Tropennacht des Jahres auf Mallorca gemessen
- Sturmtief „Nils“ auf den Balearen: 267 Einsätze seit Mitternacht – Mallorca am stärksten betroffen
