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Deutscher Mallorca-Auswanderer plant neues Netzwerk für Radfahrer auf der Insel

Till Kraemer will den Radlern auf der Insel unter die Arme greifen. Er hat in der Branche bereits viele Kontakte

Tausende Radsporturlauber kommen jedes Jahr nach Mallorca. Dieses wirtschaftliche Potenzial müsse man besser nutzen, findet Till Kraemer.  | FOTO: NELE BENDGENS

Tausende Radsporturlauber kommen jedes Jahr nach Mallorca. Dieses wirtschaftliche Potenzial müsse man besser nutzen, findet Till Kraemer. | FOTO: NELE BENDGENS

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Gut ein Jahr ist es her, dass ein Rentner mit dem Auto in mehrere Sportler der deutschen Bahnradnationalmannschaft krachte, die gerade auf Mallorca trainierte. „Kurz nach dem Unfall fragte ich mich, warum es da keinen Aufschrei der Radfahrer gab“, sagt Till Kraemer. „Kein Zusammenschluss, kein Sprecher, kein Verband – die Radler haben auf der Insel keine Stimme.“ Das will der Mallorca-Auswanderer ändern. Mit dem Mallorca Cycling Hub bewirbt sich Kraemer um EU-Fördergelder.

Der Kölner studierte einst selbst Sport. „Mir war früh klar, dass ich nicht als Lehrer arbeiten möchte und mich eher in der Wirtschaft sehe“, sagt er. Im Jahr 2000 gründete er die Website sportjob.com, eine Vermittlungsplattform für freie Stellen im Sport. Hier konnten Betriebe ihre Jobs ausschreiben und Bewerber ihre Dienste anbieten. „Viele kamen aus dem Fitnessbereich oder dem Fußball. Junge Leute, die der neue Uli Hoeneß werden wollten.“ Selbst wenn die Träume noch so bunt waren, setzte sich Kraemer mit den Leuten zusammen, schmiedete Pläne und beriet sie. Als Headhunter baute er sich zudem ein zweites Standbein auf.

2016 verkaufte er die Website. „Ich war ständig auf Messen und Kongressen. Der Aufwand war groß, das Einkommen gering. Ich hatte die Nase voll“, sagt er. Zumal er schon immer nach Spanien auswandern wollte. „Ich fühle mich den Spaniern verbunden. Bis heute erinnere ich mich daran, wie ich 2010 mit ihnen in Köln den WM-Titel feierte.“ Bereits zuvor kam der Deutsche alle zwei Monate in den Urlaub auf die Insel. 2016 ließ er das Rückflugticket dann weg.

Vom Jobportal zum Radsport-Fokus

Wirklich neu erfunden hat sich der Auswanderer dann aber doch nicht. Er machte mit seiner Jobvermittlung weiter, diesmal jedoch auf den Radsport spezialisert. „Bis Corona kam. Dann brachen mir die Kunden weg“, sagt Kraemer. Die Pandemie hatte aber auch einen Vorteil. Nach dem Lockdown strömten alle Menschen nach draußen und begeisterten sich für Sport. Ein echter Radboom wurde losgetreten.

Till Kraemer möchte die Radwelt auf Mallorca vernetzen.

Till Kraemer möchte die Radwelt auf Mallorca vernetzen. / Nele Bendgens

2021 gründete der Deutsche den sogenannten Bike Business Hub. „Damit helfe ich Unternehmen und Dienstleistern, die mit Fahrrädern zu tun haben, zu wachsen“, sagt er. Vier Angestellte arbeiten für ihn in Vollzeit, suchen Investoren, Personal und beraten Start-up-Firmen. Europaweit, wobei die meisten Geschäfte in den Benelux-Staaten, Frankreich und Osteuropa zu machen sind.

Und Mallorca? „Erst mal musste etwas Geld in die Kassen kommen“, sagt Kraemer. Als das gesichert war, schaute der Auswanderer vermehrt vor der eigenen Haustür nach. „Vor zwei Jahren klapperten wir viele Radläden auf der Insel ab“, sagt er. Nach eigener Zählung sind das an die 120. 70 von ihnen suchte er auf. „Wir fragten nach, wie das Geschäft läuft und ob sie an Kooperationen interessiert seien.“ Die Mallorquiner seien sehr aufgeschlossen gewesen. Die Deutschen und Schweizer weniger. „Die machen ihr eigenes Ding.“

Marktstudie: Mechaniker fehlen, Branche konzentriert sich

Zwei Probleme stellte Kraemer mithilfe seiner Marktstudie fest. Erstens: Es fehlt an Mechanikern. „In der Regel ist es ein Saisonjob. Zwei, drei Monate im Frühjahr, wenn 200.000 Radurlauber auf der Insel sind. Doch wo bringe ich das Personal unter?“, sagt er und verweist auf die Wohnungsnot.

Die zweite Hürde: Die Radindustrie auf Mallorca ist sehr lokal gebündelt. Sie konzentriert sich hauptsächlich auf Palma und den Norden um die Playa de Muro. „In Sóller und Deià gibt es noch vereinzelte Geschäfte. In Cala Millor hat man aber als Radverleiher kaum eine Chance.“

Bislang zumindest. Genau solchen Läden könnte mit den EU-Geldern geholfen werden. Kraemer will einen Zusammenschluss der Radbranche auf Mallorca bewirken. Im März will er die Bewerbung in Brüssel abgeben. „Ich bin bereits im Lobbyverband der Radfahrer dort und habe viele Kontakte“, sagt er. Alleine kann er das Projekt nicht stemmen. Da es eine EU-Angelegenheit ist, braucht er weitere sogenannte Cluster aus anderen Ländern und Regionen. Portugal und Transsilvanien sind beispielsweise dabei. 30 Monate lang würde das Projekt laufen.

Vision: Mallorca als Vorbild für Mobilität

„Mallorca könnte ein Vorbild in Sachen Mobilität werden“, sagt Kraemer. „Viele Länder im Mittelmeerraum haben eine ähnliche Struktur.“ Ihm schweben bessere Radwege und ein sichererer Straßenverkehr für die Zweiräder vor. „Gemäß der European Cycling Declaration sollte das Fahrrad bereits den gleichen Stellenwert wie ein Auto, Zug oder Schiff haben.“ Das gelte es nun einzufordern. „Das Fahrrad als Verkehrsmittel muss schlichtweg gefördert werden. Es macht die Insel auch einfach lebenswerter.“

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