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Bayern-Legende plötzlich Trainerkandidat auf Mallorca

Nach dem kläglichen Auftritt von Real Mallorca in Vigo trennt sich der Erstligist von Trainer Jagoba Arrasate. Vor seinem letzten Fehler hatte der Baske noch gewarnt. Die Suche nach einem Nachfolger läuft noch

Martin Demichelis (vorne links) spielte die meiste Zeit seiner Karriere bei den Bayern.

Martin Demichelis (vorne links) spielte die meiste Zeit seiner Karriere bei den Bayern. / Suki/Efe

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Probleme zu sehen, ist die eine Sache. Sie zu verhindern oder zu beheben, eine andere. „Wenn wir auf eine Angsthasentaktik setzen und dann knapp verlieren, fühlt es sich an, als hätten wir nicht alles versucht.“ Das waren die Worte von Jagoba Arrasate vor dem Auswärtsspiel von Real Mallorca gegen Celta de Vigo am Sonntag (22.2.). Was nach einer mutigen Herangehensweise klang, endete im oft zitierten Mannschaftsbus, der vor dem eigenen Tor geparkt wird. Die Mallorquiner verzichteten auf jegliche Angriffsbemühungen und verloren verdient 0:2. Es sollte das letzte Spiel von Arrasate sein. Am Montagabend entband das Team den Basken von seinen Aufgaben. Die Suche nach einem Nachfolger zieht sich hin. Die Spur führte zuletzt zu einer Legende des FC Bayern München - Martin Demichelis.

In der sehr knappen Meldung begründete der Club die Entlassung kaum. Die Entscheidung sei nach einer Analyse der sportlichen Situation gefällt worden. Man wolle eine neue Etappe beginnen. Zuvor hatten die spanischen Medien noch berichtet, dass Arrasate ein Endspiel am Samstag (28.2.) im Stadion von Son Moix gegen Real Sociedad bekäme.

Entlassung war überfällig

Überraschend kam der Rauswurf nun aber nicht. Real Mallorca verlor die vergangenen drei Ligaspiele. In den vergangenen acht Begegnungen waren es sechs Pleiten. Das Team stellt die zweitschlechteste Abwehr der Liga und steht auf einem Abstiegsplatz. Insider hatten bereits vor Wochen berichtet, dass der Trainer spätestens im Sommer seinen Koffer packen muss.

Wobei derartige Informationen mit Vorsicht zu genießen sind. Die gleichen Quellen schrieben, dass die Spieler nicht mehr hinter Arrasate stehen würden. Bei dessen Abschiedspressekonferenz – die ist in Spanien bei Entlassungen üblich – kam jedoch der komplette Kader, obwohl eigentlich ein trainingsfreier Tag angesetzt war. Angesprochen auf die Spieler musste sich der nun Ex-Trainer Tränen verkneifen. „Natürlich gefällt mir die Entlassung nicht, und ich bin überzeugt, dass wir es gegen Real Sociedad aus dem Tabellenkeller geschafft hätten“, sagte er. „Ich habe aber ein reines Gewissen und meinen Frieden mit der Situation geschlossen.“

Eigentlich Top 10 angepeilt

Die vom Club angekündigte neue Etappe sollte eigentlich Arrasate beginnen. Vor anderthalb Jahren ersetzte der 47-Jährige den beliebten Mexikaner Javier Aguirre, dem der Verein nicht mehr als Abstiegskampf zugetraut hatte. Dabei hatte Aguirre Real Mallorca sogar ins Pokalfinale geführt.

Arrasate legte in seiner ersten Hinrunde einen Blitzstart hin. Das Team schien zu dem Zeitpunkt sogar ein ernsthafter Kandidat für den internationalen Wettbewerb zu sein. Vor gut einem Jahr kam es nach dem verlorenen Supercup-Halbfinale in Saudi Arabien langsam zum Bruch. In der Rückrunde lief nichts mehr zusammen. Auch der Start in die neue Saison war nicht besser. „Die Liga hat uns einen kniffligen Spielplan zugeteilt und wir steckten von Beginn an im Tabellenkeller fest“, analysierte nun Arrasate. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir immer schlechter wurden.“ Bereits nach der 0:2-Pleite gegen Vigo sagte der Trainer, dass es der Tiefpunkt seiner Amtszeit auf der Insel sei.

Die US-amerikanischen Eigentümer hatten sich erhofft, dass Arrasate Real Mallorca zu einem Top-10-Club Spaniens formen kann. Zudem sollte der Trainer die Starzugänge Sergie Darder und Cyle Larin in Form bringen. Ersterer lässt sein Talent nur selten aufblitzen, zweiterer ist ins Ausland verliehen. Der Baske lässt nun ein Team zurück, dass sich mit Händen und Füßen gegen den Abstieg wehren muss. 13 Spiele sind dafür noch Zeit. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt nur einen Punkt.

Wer wird der Nachfolger?

In der Gerüchteküche tauchen drei Namen immer wieder auf. Zwei davon sind alte Bekannte. Toni Amor kommt aus Palma und ist der Co-Trainer von Javier Aguirre. Er kennt die Insel und den Verein. Allerdings folgte er seinem Chef und ist ihm derzeit bei der mexikanischen Nationalmannschaft unterstellt. Der 49-Jährige hatte allerdings noch nie bei einem Proficlub alleine das Sagen. Vom Stil her dürfte er sich die Defensivtaktik Aguirres abgeschaut haben.

Die nächste Option wäre Aguirres Vorgänger Luis García Plaza. Durch seine emotionale Art war der Madrilene bei den Fans äußerst beliebt. Vor knapp vier Jahren wurde er auf der Insel entlassen, bis Mai 2024 coachte er Alavés. Seitdem ist er auf Jobsuche. Der 53-Jährige steht für Offensivfußball.

Ein kompletter Neustart wäre mit Javi Gracia möglich, der bis vor wenigen Wochen den englischen Zweitligisten FC Watford trainierte. Angeblich gilt er bei der Clubführung als Favorit. In seiner Karriere arbeitete der 55-Jährige bei vielen Vereinen. Es ist kein gutes Zeichen, wenn man im Fußballgeschäft fast jährlich das Team wechselt.

Am Mittwochabend berichtete Marca, dass Sportdirektor Pablo Ortells mit Martin Demichelis in Kontakt steht. Der Argentinier war bis zum vergangenen Jahr Trainer in Mexiko. Wahrscheinlich ist, dass für das Spiel am Samstag die Interimslösung Gustavo Siviero auf der Bank sitzen wird.

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