Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Mallorcas MotoGP-Held Jorge Lorenzo über seinen neuen Job: "Lange Zeit hatte ich selbst Zweifel"

Der dreifache Weltmeister Jorge Lorenzo ist in die MotoGP zurückgekehrt. Als Trainer von Maverick Viñales, mit dem er in der neuen Saison siegen will

Jorge Lorenzo ist nun Trainer von Mavrick Viñales.

Jorge Lorenzo ist nun Trainer von Mavrick Viñales.

Emilio Pérez de Rozas

Mallorca galt lange als Talentschmiede der Motorradfahrer. Der dreifache MotoGP-Champion Jorge Lorenzo (2010, 2012, 2015) machte den Anfang. Auch Joan Mir gewann 2020 die höchste Klasse des Motorradsports. In den vergangenen Jahren aber schwächelten die Mallorquiner. Mir kämpft Woche für Woche mit seiner Honda, Moto2-Weltmeister Augusto Fernández blieb der Durchbruch in der MotoGP verwehrt. Er ist in dieser Saison, die am Sonntag (1.3.) startete, nur als Testfahrer dabei. Statt seinen Inselkollegen zu helfen, unterstützt Jorge Lorenzo nun den katalanischen Fahrer Maverick Viñales (31). Im Interview mit der MZ-Schwesterzeitung „El Periódico“ erklärt der 38-jährige Ex-Profi, wie es dazu kam.

Es ist schön, Sie mal wieder in der Nähe einer Rennstrecke zu sehen.

Nachdem ich 2019 meinen Helm an den Nagel gehängt habe, wollte ich dem Motorsport verbunden bleiben. Ich war Testfahrer für Yamaha, habe für Dazn Rennen kommentiert und mich zuletzt an einem Podcast versucht. Es hat mich immer gereizt, anderen Leuten etwas beizubringen. Da komme ich wohl ganz nach meinem Vater, der auf Mallorca eine erfolgreiche Motorradschule betreibt. Er ist sehr streng, die Titel geben ihm aber recht.

Sind Sie überhaupt aus dem Holz geschnitzt, das einen guten Lehrer ausmacht?

Ich sitze seit 30 Jahren im Sattel von Motorrädern. Schon immer dachte ich, dass ich andere Fahrer unterstützen könnte. Was ich aber nicht wusste, war, dass es mir derart gefällt. Bereits in den ersten Tagen mit Maverick habe ich das Lehrerleben als Berufung empfunden.

Dazu gehört, 6 Uhr morgens aufzustehen …

In den vergangenen zwei Wochen konnte ich in Dubai glücklicherweise zu meinem normalen Rhythmus zurückkehren, und der Wecker klingelte erst 10 Uhr. Jeden Tag 6 Uhr aufstehen! Ich gebe zu, dass es die größte Hürde bei der Zusammenarbeit mit Maverick war. Schnellstmöglich habe ich dann immer gefrühstückt, sonst hätte ich es mir wohl anders überlegt und wäre wieder ins Bett gegangen. Vielleicht übertreibe ich aber auch ein wenig. Im Endeffekt gefällt mir die Zusammenarbeit dann doch.

Zwei Monate haben Sie zuletzt miteinander verbracht. War es eine intensive Zeit?

Neun Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Letztlich waren es etwas mehr als zwei Monate. Maverick ist in diesem Zeitraum nach Valencia gezogen. Jetzt hoffe ich, dass wir die Früchte der Arbeit ernten können.

Wie sehr kommen Sie nach Ihrem Vater Chicho Lorenzo?

Die ganzen Jahre der Erziehung und Ausbildung haben natürlich auf mich abgefärbt. Mein Vater war ein Disziplinfanatiker, der immer einen strikten Plan hatte. Alles wurde aufgeschrieben, nie hat er ein Detail außer Acht gelassen. Er war einer der ersten Motorradtrainer im professionellen Bereich überhaupt. Mittlerweile sehe ich auf Instagram viele Nachahmer, die sein System kopieren.

Fühlen Sie sich als Lehrmeister von Maverick?

Das ist der Sinn der Sache, oder etwa nicht? Ich gebe meine Erfahrungen weiter und helfe ihm dabei, seine Ziele zu erreichen. Es geht dabei nicht nur um technische Sachen im Motorsport. Wir arbeiten auch viel im mentalen Bereich. Denn der Kopf treibt dich am Ende in die eine oder andere Richtung.

Wie schnell hatten Sie sich auf einen Vertrag mit ihm geeinigt?

Das war sehr einfach. In all den Jahren sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen. Lange Zeit hatte ich selbst Zweifel, ob ich die Lehrerrolle gut ausfüllen kann. Im vergangenen Jahr hatten wir auf Lombok in Indonesien ein sehr langes Gespräch. Maverick konnte damals wegen einer Verletzung an der linken Schulter nicht fahren. Nach dem Gespräch beschlossen wir, es einfach mal mit der Zusammenarbeit zu versuchen.

Und es hat geklappt?

Ich kann mich an einen Moment des Gesprächs erinnern, als Maverick sagte: „Ich bin dein Soldat. Ich mache alles, was du von mir verlangst.“ So war es dann auch. Wir haben nie gestritten, er hat mir nie widersprochen. Es war eine perfekte Zusammenarbeit. Er hat alles geopfert, weil er wohl auch weiß, dass es seine letzte Chance sein wird.

Was meinen Sie mit alles?

In erster Linie die Zeit mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern, die ihm zuvor immer wichtig war. Es ist der Preis, den man zahlt.

Woran haben Sie konkret mit Ihrem Schützling gearbeitet?

Zum Beispiel am Start. Maverick war nie ein Rennfahrer, der schnell aus den Startlöchern kam. In der heutigen MotoGP ist das aber überlebenswichtig. Wenn man von den vorderen Reihen startet, ist ein guter Anfang schon die halbe Miete für einen Podiumsplatz. Wir mussten auch an seinen Überholmanövern arbeiten.

Inwiefern?

Maverick zögerte immer zu lange, eine Entscheidung zu treffen, wann er überholen soll. Deswegen fiel es ihm unendlich schwer, Positionen gutzumachen. Das ist ein schwieriges Thema, wo man sich nur schlecht verbessert. Aber es gibt ein paar Tricks. Ein weiterer Schwachpunkt war seine Fahrweise auf nasser Strecke. Da braucht es ein ungeheures Selbstvertrauen. Wenn er in den Punkten an sich arbeitet, kann er ein kompletter Fahrer werden. Ich denke, er hat mehr Talent als die meisten Konkurrenten.

Kritiker behaupteten, Sie würden als Lehrer höchstens ein paar Stunden durchhalten.

Davon habe ich auch gehört. Einige Leute dachten, das sei ein Hirngespinst von mir. Treffen mich solche Kommentare? Auf keinen Fall. Ich bin es gewohnt, dass mich meine Fans lieben. Und die Menschen, die mich nicht abkönnen, finden immer wieder Aspekte, um mich zu kritisieren. So ist das Leben.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents