Der erste Rennrad-Tag auf Mallorca? Diese Fehler sollten Anfänger vermeiden
Mallorca ist wieder voller Radfahrer. Wer sich erstmals aufs Rennrad wagt, sollte bei Klickpedalen, Kleidung, Gruppenausfahrten und Streckenwahl einige Dinge beachten. Experten geben praktische Tipps für den Einstieg

Archivaufnahme: Eine Gruppe Radfahrer am Kap Formentor. / Foto: Philipps Bike Team
Der Winter neigt sich langsam dem Ende entgegen. Die Radfahrer schwingen sich wieder auf den Sattel, die Saison hat begonnen. In den kommenden Wochen bis Ende Mai sind vor-aussichtlich wieder Zehntausende Radler auf der Insel unterwegs. Wer sich zu ihnen gesellen und sich auf einem Rennrad versuchen will, sollte als Anfänger ein paar Dinge beachten. Die MZ hat Tipps von Roger Graf vom Radreiseveranstalter Huerzeler und Torsten Wittig vom Radsalon Mallorca eingeholt.
„Das Rennrad ist das ideale Fortbewegungsmittel“, sagt Graf. „Man ist mitten in der Landschaft und wesentlich schneller als beim Wandern.“ Mit einer Tagestour könne man große Strecken zurücklegen und die Insel erkunden. „Wenn sich Anfänger auf das Rennrad setzen, haben sie schnell ein Gefühl der Leichtigkeit.“ Im Vergleich zum gewöhnlichen Rad gehe es auf den schmalen Reifen rasant voran. „Es rollt sich gut“, sagt der Huerzeler-Sportdirektor. Doch Achtung: Die Euphorie kann zur Gefahr werden. „Das Rad reagiert auf Bewegungen des Lenkers schneller. Da ist Übung nötig.“ Etwas Eingewöhnung brauchen Anfänger auch bei der anderen Sitzposition.
Die Schuhe
Neben Sattel, Reifen und Lenker ist das Schuhwerk der größte Unterschied. Die Schuhe werden in der Pedale eingerastet. „Das verhindert ein schmerzhaftes Abrutschen“, sagt Graf. Zudem hilft es beim Antrieb. „Die Bewegung ist eher kreisförmig. Kommt der Fuß unten auf dem Nullpunkt an, kann man die Pedale noch ein kleines Stück nach hinten führen. Das macht sich besonders beim schnellen Fahren bemerkbar.“ Ausgeklickt wird der Schuh mit einer Drehbewegung: die Fußspitze gen Rad, die Ferse nach außen. „Andersrum könnte man mit dem Schuh am Hinterrad anecken“, sagt Graf.
Vor der Tour sollte das An- und Abklicken deswegen ein paar Mal geübt werden. In Deutschland würden viele Anfänger an der ersten Ampel stürzen und sich direkt ein Bruch zuziehen, meint Wittig und fügt hinzu: „Zum Glück gibt es auf Mallorca vergleichsweise wenige Ampeln“, sagt Wittig.
Anfänger können sich alternativ normale Pedalen wie beim Straßenrad mieten oder auf eine Mixvariante setzen. „Da kann auf einer Seite eingerastet und auf der anderen Seite normal gefahren werden“, sagt Wittig. Dafür sind spezielle Schuhe nötig. „An der Playa de Palma ist das ganz angenehm, wenn ich am Anfang noch öfter anhalten muss und nicht die Sicherheit habe, den Schuh schnell rausklicken zu können.“
Die Kleidung
Kleider machen Leute, gilt auch auf dem Rad. Besonders die Radlerhose wird Anfängern von den Experten wärmstens ans Herz gelegt. „Der Spaß geht schnell flöten, wenn ich mir sozusagen einen Wolf reibe und die Haut aufgeschürft ist“, sagt Wittig. Das bestätigt auch Graf. „Es sitzt sich einfach angenehmer, und die Radlerhose ist besser gepolstert. Nach ein oder zwei Stunden merkt man den Unterschied zur Jogginghose deutlich.“
Beim Maillot gehen die Meinungen auseinander. „Ob ich nun ein Trikot trage oder eine normale Jacke, finde ich nicht so wichtig“, sagt Wittig. Graf empfiehlt sie wegen der drei Taschen auf dem Rücken und dem Reißverschluss auf der Brust: „Bergauf, wenn es anstrengend ist, kann ich ihn etwas öffnen.“
Die Kosten
„Der Vorteil an Mallorca ist, dass Anfänger hier alle Radtypen ausprobieren können“, sagt Wittig. Sowohl günstige Modelle ab 2.000 Euro als auch die hochklassigen Räder bis zu 12.000 Euro Kaufpreis stehen zum Verleih zur Verfügung. Bei Huerzeler kostet die Tagesleihe in der Hauptsaison ab 45 Euro pro Rad. In der Nebensaison sinken die Preise um 10 Euro. Fahrradhelme gibt es zur Leihe, Schuhe (ab 70 Euro), Trikots (ab 40 Euro) und Hosen (ab 50 Euro) zum Kaufen.
Im Radsalon Mallorca gibt es das Komplettpaket. „Bei mir sind die Klamotten, Schuhe und eine Versicherung inklusive“, sagt Wittig. 40 bis 90 Euro kostet ein Leihrad pro Tag, unabhängig von der Saison.
Die Strecke
Wer mag, kann mit dem geliehenen Rad einfach losfahren. „Natürlich ist es besser, wenn ein Begleiter dabei ist, der Erfahrung hat und mit Tipps zur Seite stehen kann“, sagt Graf. Diese Funktion könnte auch ein Guide übernehmen. Die Teilnahme an einer Huerzeler-Tagesausfahrt kostet 23 Euro. „Ein Guide kann Reifen flicken und Räder wechseln. Darum muss man sich dann nicht mehr sorgen“, sagt Wittig. Allerdings will das Fahren in der Gruppe gelernt sein. Anfänger starren oft wie gebannt auf den Vordermann, um keinen Unfall zu bauen. „Dann bleibt wenig Zeit, um die Landschaft zu genießen“, sagt Graf. „Mit der Erfahrung wird der Prozess automatisiert und man lernt die Vorteile des Windschattens zu nutzen.“ Bis zu 30 Prozent an Energie wird dadurch gespart.
Vor der ersten Gruppenfahrt müssen die Handzeichen und Grundregeln geklärt werden. Jeder Guide verfährt dabei anders. „Üblich ist eine Art Flügelschlag mit dem rechten Arm, um auf ein Hindernis hinzuweisen“, sagt der Huerzeler-Sportdirektor. Das kann beispielsweise ein Schlagloch oder ein geparktes Fahrzeug sein. Mit der gleichen Bewegung des linken Arms wird in der Regel Gegenverkehr signalisiert. Das Kommando Anhalten erfolgt neben einem senkrecht in die Luft erhobenen Arm mit einem lauten Stopp-Ruf. „Der Guide muss da berücksichtigen, dass die Hintermänner entsprechend Reaktionszeit brauchen“, sagt Graf.
Für Anfänger sei zum Auftakt eine etwa 50 Kilometer lange Strecke ratsam, bei einem Durchschnittstempo von 20 bis 23 km/h. „Wenn es sich um sportliche Menschen handelt. Wer den ganzen Tag auf der Couch hockt und Pizza in sich hineinstopft, wird damit Probleme bekommen“, sagt Wittig. Eine beliebte Runde führt durch das sogenannte Maffay-Tal: Playa de Muro – Sa Pobla – Búger – Campanet – Pollença und zurück zum Start. „Das sind gut 50 Kilometer“, sagt Graf.
Wer von der Playa de Palma aus startet, fährt die Küste entlang südlich nach Cala Pi. „Von dort gehen viele Wege nach Llucmajor, von wo aus ein guter Radweg zurück nach Arenal führt“, sagt Graf.
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