Tennis-Talent von Mallorca: Mia Paunovic (14) jagt erste Weltranglistenpunkte
Mia Paunovic Listorti gehört zu den größten Tennistalenten der Insel. Der Papa steckt schon dick im Geschäft drin, will die Tochter aber ihren eigenen Weg gehen lassen

Tennistalent Mia Paunovic will mal Wimbledon gewinnen. / Nele Bendgens
Mia Paunovic Listorti ist ein eher schüchternes Mädchen. Beim MZ-Interview lässt die 14-jährige Tennisspielerin gerne ihrem Papa den Vortritt. Bei der Frage, wer von beiden bei einem Match als Sieger vom Platz gehen würde, schießt es aber direkt aus ihr heraus: „Ich.“ Die junge Mallorquinerin ist eines der größten Talente der Insel. Sie besiegt reihenweise ältere Gegner und kämpft nun um die ersten Weltranglistenpunkte auf dem ITF Junior Circuit. Eines Tages möchte Mia mal den Grand Slam in Wimbledon gewinnen – den Weg dahin geht sie aber ganz entspannt an.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, möchte man meinen. Vater Niko Paunovic kommt aus Belgrad und zog mit 18 Jahren nach Stuttgart, wo er in der Bundesliga Tennis spielte. Seine Brötchen verdiente er damals als Trainer. Später zog er erst auf die Kanaren und vor 20 Jahren dann nach Mallorca, wo er eine eigene Tennisschule gründete. Heute ist er der Spanien-Verantwortliche für Tennisoperationen beim Turnierveranstalter Emotion und Direktor der Mallorca Women’s Championships. Er kümmert sich um viele wichtige Entscheidungen. „Ich möchte aber lieber im Hintergrund bleiben“, sagt er und lenkt das Gespräch schnell wieder auf die begabte Tochter.
Die mixt die Sprachen bunt durcheinander. Ein wenig Englisch, viel Deutsch. Wenn es hakt, helfen spanische Vokabeln aus. Die Mutter kommt aus Köln und ist halb Italienerin, halb Spanierin. „Ich bin hier geboren und fühle mich als Mallorquinerin“, sagt die 14-Jährige. Das erste Mal habe sie aus eigenem Antrieb im Alter von drei Jahren zum Schläger gegriffen. „Ich habe Papa spielen sehen und wollte auch.“ Es lief also nicht wie bei King Richard. Der Vater der Williams-Schwestern – ebenfalls Tennistrainer – hatte noch vor der Geburt seiner beiden berühmten Töchter einen Plan ausgeklügelt, wie er sie zu den besten Tennisprofis aller Zeiten machen kann.
Warnende Beispiele
In diesem Fall oder auch bei Rafael Nadal, der von Onkel Toni knallhart trainiert wurde, zahlte sich der Druck auf die Jugendlichen aus. Niko Paunovic hält wenig davon. „Es gibt so viele Beispiele von jungen Talenten, die wegen Verletzungen die Karriere beenden mussten, weil sie zu viel trainiert haben“, sagt er. „Andere sind ausgebrannt und verlieren die Lust. Wieder andere scheitern, weil sie nur das Preisgeld vor den Augen haben.“ Dabei gebe es im Tennis sehr viele Wege zum Erfolg. „Wenn wir Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal betrachten, könnten ihre Herkunft, ihre Familienverhältnisse, ihr Stil und ihr Training unterschiedlicher kaum sein. Es gibt keinen Masterplan, um im Tennis erfolgreich zu sein.“

Mia Paunovic mit ihrem Papa. / Nele Bendgens
So trainierte Mia die ersten Jahre ohne väterliche Aufmerksamkeit in einer Tennisgruppe in Santa Ponça. „Im Alter von sieben oder acht war zu sehen, dass sie deutlich mehr Leistung und Können als die anderen Kinder zeigt“, sagt Niko Paunovic. „Dann haben wir Zusatzschichten eingelegt, um an der Technik zu arbeiten.“
Vor zwei Jahren, als die Tochter zwölf Jahre alt war, zog sich der Papa wieder aus dem Training zurück. „Ich wollte einfach nur noch Vater sein und vertraue zudem dem Trainer Ángel Inocencio von der Teulera Akademie“, sagt er. Dort trainiert die 14-Jährige täglich. Meist mit Jungs, denn talentierte Tennisspielerinnen ihrer Leistungsklasse gibt es kaum auf Mallorca.
Auch in den Turnieren nimmt sie es mit älteren Gegnerinnen auf. Im Alter von sieben Jahren spielte sie ihr erstes Match und gewann einen U10-Wettbewerb. Warum es nicht direkt bei der U12 versuchen? Dort stürmte das Mädchen erneut auf das Siegerpodium. Zuletzt gewann sie die U18-Meisterschaften auf der Insel. „Ich mache, was ich liebe“, sagt sie und überzeugte ihren Trainer, das Arbeitspensum hochzuschrauben. Ab September trainiert Mia dann zweimal täglich. „Wenn ich viele Wochen ohne Pausen spielen, merke ich schon die Belastung“, kennt sie die Hürden. Aber gerade in diesem Aspekt kann sich die junge Spielerin noch verbessern: jeden Tag hochkonzentriert sein und Vollgas geben. Darauf muss der Körper eingestellt werden.
Mit den Besten gespielt
Im vergangenen Jahr durfte Mia sogar schon Bälle mit der amtierenden Weltranglistenzweiten Iga Świątek übers Netz schlagen. Bekommt man nicht zittrige Beine, wenn es gegen einen prominenten Gegner geht? „Ich spiele besser, wenn ich nervös bin“, sagt sie und hielt wacker gegen die Polin stand. „Nach der Trainingseinheit meinte Mia, dass es Unentschieden ausgegangen ist und wollte mit Świątek sogar noch einen Tiebreak ausspielen“, erzählt der Papa, der die Tochter auch als Trainingspartnerin für die Spielerin des WTA-Turniers auf Mallorca im vergangenen Oktober unterbrachte. Ein wirkliches Vorbild hat Mia nicht. Sie will schlichtweg ihren eigenen Weg gehen.
Für den lehnte sie bereits Angebote von Tennisakademien ab, die auf die Mallorquinerin aufmerksam geworden sind. „Es gibt zwei Arten von Akademien“, erklärt Niko Paunovic. „Die einen sind eher kommerziell.“ Unter diese Kategorie falle auch die Nadal Academy. Wer den Preis aufbringt, kann den Nachwuchs im Tennis trainieren lassen. „Die anderen arbeiten mit Stiftungen zusammen und entsenden Scouts, um die größten Talente finden, engagieren und fördern zu können.“ Beides stellt für die Familie derzeit keine überlegenswerte Option dar.

Mia Paunovic in Aktion. / Nele Bendgens
Im Januar spielte Mia erstmals beim ITF Junior Circuit. Dort können alle Jugendlichen unter 18 Jahren antreten. „In der Qualifikation in Ägypten habe ich alle Spiele gewonnen. In der Gruppenphase waren dann drei Siege nötig“, sagt die 14-Jährige. Auf den Erfolg im ersten Match folgten zwei Pleiten und das Aus. Das sei aber nicht ganz so schlimm gewesen. „Wir hatten uns Ägypten als erstes Turnier ausgesucht, weil wir sowieso mal die Pyramiden sehen wollten“, sagt der Papa.
Wie geht es weiter?
In den kommenden Wochen und Monaten wird der Reisepass zur wichtigsten Begleitung. 20 Turniere möchte die Mallorquinerin dieses Jahr spielen. Zuerst geht es nach Gran Canaria, dann nach Österreich. Wie bei den Profis werden mit gewonnenen Matches und erreichten Runden in den Wettkämpfen Punkte gesammelt, die in die Wertung der Weltrangliste eingehen. Je höher das Ranking, desto einfacher ist es, bei den großen Turnieren teilnehmen zu dürfen. Derzeit steht Mia etwa auf dem 3.000. Platz. Um bei den Junioren-Grand-Slams spielen zu können, muss sie es unter die besten 200 Spielerinnen der Welt schaffen.
„Dieses Jahr wollen wir Punkte sammeln, nächstes Jahr spielt Mia bei größeren Turnieren. Im dritten Jahr können wir dann schauen, ob ein Grand Slam drin ist“, erklärt Niko Paunovic den Plan. „Aber auch hier gilt: keine Eile. Wenn es 2028 nichts wird mit dem Grand Slam, dann eben im Jahr darauf.“ Und wenn die Tochter auf dem Weg die Lust verliert, ginge die Welt auch nicht unter. „Dann ist mein Leben genauso schön wie vorher. Ihr persönliches Glück steht im Mittelpunkt.“
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