Zum ersten Mal auf dem Rennrad: Wie fährt sich die legendäre Maffay-Runde auf Mallorca?
Sportredakteur Ralf Petzold hatte noch nie auf einem Rennrad gesessen. Und das auf Mallorca. Höchste Zeit für einen Selbstversuch

An vielen Feldern geht es vorbei. Wer kann, genießt die Aussicht. Anfänger schauen besser auf die Straße. | FOTO: PATRICK SCHIRMER
Gibt es das Läuferhoch auch im Radsport? Oder geht es gegen den Anschein plötzlich bergab? Nur noch wenige Kilometer trennen uns von unserem Ziel, und das Rennrad fährt plötzlich fast von alleine. Das muss der Grund sein, warum Hundertausende Urlauber jedes Jahr nach Mallorca kommen, um sich auf den Sattel zu schwingen. Ein paar Stunden zuvor hätte ich mir derartige Glücksgefühle nicht vorstellen können und verteufelte noch Gott, die Welt und vor allem meine Kollegen.
Seit bald zehn Jahren lebe und arbeite ich als Sportredakteur auf Mallorca. In der Zeit interviewte ich zahlreiche Radsportler, saß aber nie selbst im Sattel eines Rennrads. Wer in Mayrhofen wohnt, fährt auch Ski, dachte ich mir unlängst. Und wann, wenn nicht zur Hauptsaison rund um Ostern? Die Kollegen Johannes Krayer und Patrick Schirmer sind auch mit dabei. Am Karfreitag geht’s ins Radsportmekka an die Playa de Muro.
Hier geht es lang

Hier führte die Tour entlang. | FOTO: GOOGLE
Der Plan für die erste Rennradrunde ist die berühmte Maffay-Strecke. Die zählt einerseits zu den schönsten Touren auf Mallorca, andererseits ist sie in Ermangelung hoher Berge und langer Distanzen für Anfänger geeignet. Das Material stellt uns freundlicherweise Torsten Wittig vom Radsalon zur Verfügung. Bei ihm gibt es für Anfänger das Komplettpaket. Es enthält neben dem Rad auch Helm und sogar die Hose, die durch Polster am Allerwertesten die Fahrt angenehmer gestalten soll. Optisch sieht sie aus wie ein Mix aus Ringerkostüm und Borat-Badeanzug.
Das Probesitzen auf dem KTM-Rennrad ist gelinde gesagt wackelig. Der grüne Flitzer wiegt fast nichts, sonderlich stabil fühlt es sich im Sattel nicht an. Die Sitzposition ist äußerst ungewohnt. Gefühlt ist es ein Handstand auf dem Lenker. „Das muss so sein“, sagt Wittig. Auf die Schuhe zum Einklicken verzichten wir. Viele Anfänger brächen sich die Handgelenke, meinte der Radverleiher im MZ-Artikel zum Thema. „Zur Not schreibst du eben mit Diktiergerät“, sagt er nun. Nein, danke.
Besser beide Hände am Lenker
Von der Playa de Muro aus starten wir in Richtung Can Picafort. Kollege Krayer, der Einzige aus dem Team mit ein wenig Erfahrung im Sattel, fährt vorneweg. Es dauert nicht lange und Kollege Schirmer überholt mich wie ein tollwütiges Pikachu. „Das ist voll geil“, schreit er. Den Eindruck kann ich auf den ersten Kilometern kaum teilen. Das pinke BiciPalma-Rad mit Elektroantrieb wäre mir lieber. Ich trete wie verrückt in die Pedale und verliere die Kollegen dennoch aus den Augen. Im kühlen Fahrtwind läuft die Nase. Eine Hand vom Lenker zu nehmen, um sie abzuwischen, ist nicht drin. Zu unsicher alles.

Patrick Schirmer, Johannes Krayer, Ralf Petzold (v. l.). / Schirmer
Am Ortseingang von Can Picafort biegen wir rechts ins Landesinnere ab. Auf dem Weg nach Sa Pobla geht es an Feldern vorbei. Kartoffeln, Zwiebeln und etwas, was Blumenkohl sein könnte. In den Blumentöpfen auf meiner Terrasse ist das Gemüse längst nicht so weit. Nicht nur als Radfahrer, sondern auch als Gärtner gibt es Nachholbedarf. Am Wegesrand liegt ein toter Hase. Als Zwergkaninchenbesitzer betrübt mich das. Die Gedanken schweifen immer wieder ab. Dabei ist bei der Fahrt Konzentration gefragt. Der Standstreifen, auf dem wir fahren, ist von kleinen Steinen, Schlaglöchern und Glassplittern gepflastert.
Rücksichtsvolle Autofahrer
Radurlaubspionier Max Hürzeler bezeichnet die Inselautofahrer gerne als die besten der Welt im Umgang mit Radfahrern. Tatsächlich sind viele äußerst rücksichtsvoll unterwegs. Niemand drängelt oder fährt knapp vorbei. Ich verfasse gerade mental schon eine Ode an die Inselfahrer, als dann doch eine Oma von hinten hupt. Dabei ist ausreichend Platz, dass zwei Laster nebeneinander überholen könnten.
Wir erreichen zuerst Sa Pobla und wenig später Búger. Ein durchaus sehenswerter Ort, den man sonst eher nicht auf dem Schirm hat. Er liegt auf einem kleinen Hügel, der die Anfahrt mit dem Rad beschwerlich macht. Während ich gemeinsam mit einem älteren Herrn um jeden Meter kämpfe, sind die Kollegen nett plaudernd hinaufgestrampelt. Haben die E-Bikes? Ich schalte ein paar Gänge runter, was mit der elektrischen Schaltung erstaunlich gut funktioniert, und ergebe mich meinem Schicksal. Immerhin warten die Kollegen auf dem Dorfplatz mit einem Lolli.
Im Vergleich zum Anstieg nach Campanet kurze Zeit später waren die paar Höhenmeter nach Búger noch Pipifax. Die Oberschenkel brennen. Zumindest bei mir. „Jetzt sind es nur noch zwölf Kilometer bis zum Golf von Pollença – alles ganz einfach“, meint Kollege Krayer, als wäre es eine Spazierfahrt. Es sollte das letzte Mal für längere Zeit sein, dass ich das dynamische Duo sehe. Es geht an der Maffay-Finca vorbei – gut zu erkennen an dem großen Schild des Hofladens „Mad Donkey“. Völlig entkräftet komme ich an der Hauptstraße kurz vor dem Golfplatz von Pollença an.
Gerne wieder, aber nicht täglich
Wir kürzen die originale Route ab. Sie führt eigentlich noch bis Port de Pollença. Über kleine Feldwege geht es an Hängebauchschweinen vorbei wie eingangs beschrieben zügig nach Alcúdia. Eigentlich könnten wir noch weiter fahren, denke ich mir, als wir nach zweieinhalb Stunden wieder vor dem Radsalon stehen. Für die gut 50 Kilometer lange Strecke inklusive Pausen sollte das eine beachtliche Zeit sein – zumindest für blutige Anfänger. „Fühlt sich wie Skifahren im Sommer an“, meint Kollege Schirmer, der schon die nächsten Radtouren plant. Eine ganze Woche lang im Urlaub möchte ich das aber nicht machen.
Abonnieren, um zu lesen
- Unfall im Porsche-Oldtimer auf Mallorca: Schwedischer Hamburger-Prinz erliegt Verletzungen
- Wer ist Wilhelm Bergfors, der nach einem Autounfall auf Mallorca starb?
- Habe meine geheimen Wege, auf denen ich keinen Urlaubern begegne': Mallorca-Schauspielerin Christine Neubauer ganz privat im MZ-Interview
- Urlaub auf Mallorca ohne Schickimicki: Diese Strandbar im Norden ist noch richtig bodenständig
- Keine wie diese gesehen': Schlange verschreckt Badegäste an beliebtem Strand auf Mallorca
- Auswanderin aus Hamburg auf Mallorca vermisst: Wer hat Anna W. gesehen?
- Kommt nach dem Balconing das 'Muring'? Ballermann-Urlauber verletzt sich bei Mauer-Sprung - und empört die Mallorquiner
- Sohn von Mango-Gründer festgenommen: Hat Jonathan Andic seinen Vater getötet?
