Wie Bayern-Legende Martin Demichelis Real Mallorca wieder auf den richtigen Weg gebracht hat
Real Mallorca schießt sich langsam aus dem Tabellenkeller. Das ist nicht nur der Verdienst von Torgarant Vedat Muriqi

Jan Virgili (in der Mitte) dürfte bald seinen Stammplatz zurück bekommen. | FOTO: GUILLEM BOSCH
Das Leben ist kein Konjunktiv. Auch im Fußball nicht. Es ist dennoch interessant, sich die Frage „Was wäre, wenn …?“ zu stellen. Im positiven wie im negativen Sinne. Was wäre, wenn Real Mallorca die ganze Saison so gespielt hätte wie nun unter Martin Demichelis? Oder aber: Was wäre, wenn der Erstligist nicht den Überraschungssieg gegen Real Madrid geholt und in Anschluss auch noch Rayo Vallecano vom Platz gefegt hätte?
Der 3:0-Heimsieg am Sonntag (12.4.) gegen den Madrider Arbeiterclub dürfte nah an der Idealvorstellung des Fußballs des neuen Trainers Martin Demichelis sein. Er wolle endlich mal kein Gegentor kassieren, sagte der Ex- Bayern-Profi noch vor dem Spiel. Die Mallorquiner ließen praktisch kaum eine Torchance zu und überrannten Rayo förmlich. Der Sieg hätte sogar noch höher ausfallen können. „Wir dürfen nun nicht nachlassen“, sagte der Argentinier trotz der durchaus ansehnlichen Punkteausbeute von zehn Zählern aus fünf Spielen unter seinem Kommando.
Um die eingangs gestellten Fragen zu beantworten: Mit diesem Durchschnitt von zwei Punkten pro Spiel würde Real Mallorca nach 31 Spielen bei 62 Punkten und somit auf dem dritten Platz stehen. Wie wichtig die Siege der vergangenen Wochen sind, zeigt die Tabelle. Der Inselclub hat sich gerade mal einen Vorsprung von zwei Punkten erkämpft. Mit Pleiten gegen die Königlichen und Rayo, was nun nicht völlig unerwartet gekommen wäre, stünde Real Mallorca mit vier Punkten Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz mit einem Bein in der zweiten Liga.
Die Mitte zugemacht
Für die Runderneuerung des Teams hat Demichelis die Mannschaft einmal in die Waschmaschine gesteckt – Schleudergang inklusive. Vorgänger Jagoba Arrasate versuchte es mit einem Dreierangriff. Stoßstürmer Muriqi wurde dabei von zwei Flügelspielern begleitet. Auf der linken Seite wirbelte das Supertalent Jan Virgili, rechts klaffte eine große Lücke. Mit der Formation war Real Mallorca extrem anfällig in der Defensive.
Die erste Amtshandlung von Demichelis war es, das Zentrum dicht zu machen. Statt Flügelspielern gibt es nun vier zentrale Mittelfeldspieler. Herzstück der Mannschaft ist Pablo Torre. Der 23-Jährige galt unter Arrasate als Megaflop. Im Angriff entdeckte der Argentinier zudem Zito Luvumbo, der als Paniktransfer im Winter kam und nun mit seinem Tempo und seiner Robustheit neben Muriqi zu überzeugen weiß. Das Problem: Luvumbo verletzte sich gegen Rayo Vallecano und wird einen knappen Monat ausfallen.
Virgili wieder gefragt
Für ihn dürfte Virgili in den kommenden Wochen in die Startelf rücken. Der 19-Jährige war bislang der große Verlierer des Trainerwechsels. „Er hat eine vielversprechende Zukunft im spanischen Fußball, und langsam sehe ich ihn mit anderen Augen“, sagte Demichelis über ihn. „Er kann eine gegnerische Abwehrreihe auseinanderziehen, muss seine Abwehrarbeit aber noch verbessern und dadurch ein kompletter Spieler werden.“ Obwohl er mal wieder nur auf der Bank saß, soll Virgili vor dem Spiel gegen Rayo eine flammende Ansprache an die Mannschaft gehalten haben. „Diese positive Einstellung wird belohnt“, sagte der Trainer. Der 19-Jährige kam rein und schoss das 3:0.
Muriqi trifft weiter
Die ersten beiden Treffer besorgte mal wieder Vedat Muriqi, der nun bei 21 Saisontoren steht und einen gewissen Samuel Eto’o als besten Erstligatorjäger in Real Mallorcas Vereinsgeschichte ablöste. Die Fans auf der Tribüne forderten bereits den Weltfußballertitel für den Kosovaren. „Ich? Weltfußballer? Die Leute sind verrückt“, sagte der Angreifer dazu den Fernsehreportern.
An den Toren gemessen ist die Forderung aber gar nicht so abwegig. Im Kampf um die spanische Torjägerkrone liegt Muriqi nur noch zwei Treffer hinter Kylian Mbappé. Im internationalen Vergleich, dem sogenannten Golden-Shoe-Ranking, steht der Angreifer auf dem vierten Platz. Neben Mbappé stehen noch Erling Haaland (22 Tore) und in erster Linie Harry Kane (31 Tore) vor ihm. Zu bedenken gilt, dass all diese Herren im Unterschied zum Kosovaren in Weltklasseteams spielen und nicht gegen den Abstieg kämpfen.
Die Aussichten für die noch ausstehenden sieben Spiele sind sehr gut – sowohl für Real Mallorcas Chancen auf den Klassenerhalt als auch für Muriqis Torekonto. Im Endspurt geht es fast ausschließlich gegen die Kellerkinder. In der aktuellen Form sollten da viele Punkte und Tore herausspringen. Mit dem dritten Heimspiel in Serie geht es am Dienstag (21.4., 19 Uhr) gegen den FC Valencia weiter. Mit einem Sieg könnten die Mallorquiner das Punktepolster erhöhen, bei einer Niederlage auf den Abstiegsplatz fallen. Mal schauen, was die nächste „Was wäre, wenn …?“-Frage wird.
Abonnieren, um zu lesen
- Habe meine geheimen Wege, auf denen ich keinen Urlaubern begegne': Mallorca-Schauspielerin Christine Neubauer ganz privat im MZ-Interview
- Mallorca robbt in Richtung 30 Grad: So wird das Wetter in den kommenden Tagen
- Waghalsige Manöver auf der Autobahn kosten 19-jährigen Motorradfahrer auf Mallorca das Leben
- Abstieg in die zweite Liga so gut wie besiegelt: Wie Real Mallorca das Wunder rechnerisch noch schaffen könnte
- Man wird zu Abfall der Gesellschaft': Wie es den letzten Besetzern im alten Gefängnis auf Mallorca geht
- „Sie nennen uns die Plage“: Warum es selbst manchen Radfahrern inzwischen auf Mallorca zu viel wird
- Lieferdienste von Supermärkten: So sparen Sie sich auf Mallorca den Gang ins Geschäft
- Verkehrschaos rund um Sóller: Gemeinde sieht sich mit dem Problem alleingelassen
