Ex-Nationalspieler Cacau über das Benefizspiel auf Mallorca, den deutschen WM-Sturm und Brasiliens Flaute
Cacau läuft am Samstag (25.4.) bei einem Kick der Altstars auf Mallorca auf. Die MZ sprach mit dem Ex-Nationalspieler über die anstehende WM und die Chancen seiner beiden Herzensländer

Heute arbeitet Cacau als Markenbotschafter für seinen Ex-Club VfB Stuttgart. | FOTO: SOEDER/DPA
Mit seinem Spitznamen Helmut würde Cacau perfekt an den Ballermann passen. Der 23-fache deutsche Nationalspieler und VfB-Stuttgart-Legende läuft am Samstag (25.4., 18.30 Uhr, Son Bibiloni, Eintritt frei) bei einem Benefizspiel auf Mallorca auf.

Claudemir Jerônimo Barreto, wie Cacau eigentlich heißt, traf in 23 Länderspielen sechs Mal für Deutschland. | FOTO: WEISSBROD/EFE
Urlauber nennen die Straßenhändler an der Playa de Palma Helmut. Treiben Sie sich dort manchmal herum?
Als aktiver Spieler habe ich Mallorca immer nur mit dem Ballermann in Verbindung gebracht. Und das ist gar nicht meine Welt. Deswegen habe ich die Insel lange gemieden. Als ich das erste Mal mit meiner Familie hier war, habe ich entdeckt, dass Mallorca so viel mehr ist. In den folgenden drei Urlauben kamen wir direkt wieder.
So ein Benefizspiel ist wie ein Klassentreffen. Auf wen freuen Sie sich am meisten?
Da sind einige dabei, die ich zuletzt häufiger gesehen habe. Mit Fernando Meira verstehe ich mich gut. Wir sind 2007 gemeinsam mit dem VfB Bundesligameister geworden. Auch ein Arthur Boka gehörte zu der Mannschaft. Zudem freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Ailton, gegen den ich oft gespielt habe.
Wie steht es um die Fitness?
Meine Lunge ist in einem guten Zustand. Ich gehe viel laufen. Allerdings sind Joggen und Fußballspielen zwei unterschiedliche Dinge. An meiner Laufleistung soll es aber nicht scheitern. Ich werde sicherlich nicht der unfitteste Spieler sein.
Die Einnahmen – für 5 Euro können Fotos mit einer nachgemachten Champions-League-Trophäe gemacht werden – gehen an Kinderlachen e. V. Hatten Sie mit dem Verein früher schon zu tun?
Ich durfte vor einigen Jahren bei einem Golfturnier mitspielen, bei dem die Spenden an Kinderlachen gingen. Auf Mallorca zu sein und das Projekt zu vertreten, macht Spaß, weil ich auch meine eigenen Projekte in Brasilien habe und weiß, wie wichtig es für die Kinder ist. Das ist ein Grund, warum ich dabei bin. Wobei ich Mallorca auch einfach liebe.
Erzählen Sie doch mal von Ihren Projekten.
Ich habe seit 13 Jahren eine Stiftung, mit der ich brasilianischen Kindern durch den Sport Werte vermitteln will, die für das Leben wichtig sind.
Sie sind heute Markenbotschafter des VfB Stuttgart. Wie sieht das konkret aus?
Das ist ein Projekt, das wir vor drei Jahren begonnen haben. Als Traditionsverein wollen wir unsere Geschichte zeigen und die früheren Stars bei Events zusammenbringen. Auch bei Partnern sind wir anwesend, um diese Tradition mit Leben zu füllen.
Die Bayern sind mal wieder Meister. Ist es derzeit die beste Mannschaft der Welt?
Ich würde sie auf jeden Fall zu den besten fünf Teams der Welt zählen. Mit Harry Kane und Michael Olise haben sie mindestens zwei Weltklassespieler. Die Bundesliga haben die Bayern verdient gewonnen.
Stuttgarts Angreifer Deniz Undav forderte zuletzt einen WM-Stammplatz. Zu Recht?
Das Zeug dazu hätte er. Er kann die Mannschaft bereichern. Es hängt aber von der restlichen Aufstellung ab. Undav ist nicht der klassische Mittelstürmer. Er lässt sich gerne in die Zwischenräume ins Mittelfeld fallen. Das kann er super. In dem Bereich ist Deutschland aber mit Musiala oder Wirtz gut aufgestellt. Zu seinen Einsätzen wird Undav aber kommen.
Wen würden Sie aufstellen?
Ich sehe bei Deutschland durch die schnellen Spieler auf den Außenpositionen Nick Woltemade, wenn er in Form ist, als die beste Option in der Mitte. Kai Havertz wird immer wieder ins Gespräch gebracht. Den finde ich aber auf den Außen besser.
Was ist für die Deutschen drin?
Eine wichtige Rolle werden sie spielen. Dafür muss es Bundestrainer Julian Nagelsmann schaffen, aus dem Team eine Einheit zu formen. Das Material dazu hat er.
Die Favoriten sind dann Frankreich, Spanien und Argentinien?
Argentinien sehe ich nicht so stark. bei Frankreich und Spanien gehe ich mit. Die Liste würde ich noch um England, Portugal und Brasilien erweitern.
Brasilien steckt im Umbruch. Außer Vinicius gibt es keine Weltstars.
Gerade darin besteht die Hoffnung. Wir haben mit Carlo Ancelotti einen der besten Trainer der Welt. Raphinha, Estêvão oder Endrick sind zwar kein Vergleich zu den Stars von früher, sie können aber Spiele entscheiden. Brasilien und das Wort „Überraschung“ kann man eigentlich nicht in einen Satz packen. Aber gerade weil die Erwartungen niedrig sind, kann die Mannschaft viel gewinnen.
Wie kommt es, dass es im brasilianischen Fußball so eine Flaute bei wirklich namhaften Spielern gibt?
Weltweit fehlt es an Individualisten. Brasilien schlitterte nach dem WM-Sieg 2002 in eine Krise. Als Lösung hat man versucht, sich fußballerisch in der Ausbildung am europäischen System zu orientieren. Das war an sich keine schlechte Idee, Brasilien hat dadurch aber ein wenig seine Identität verloren. Die sucht der brasilianische Fußball nun wieder.
Kürzlich kam eine Netflix-Doku über Ronaldinho raus. Warum haben die Fußballer nicht mehr so eine Freude am Spiel wie er?
Ronaldinho war ein Ausnahmespieler. Das gab es weder davor noch danach im Fußball. Heutzutage wird es nicht immer gerne gesehen, wenn die Spieler mit dem Ball tanzen. Der Fußball sollte aber wieder Freude leben und vermitteln, das lieben die Fans.
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