Profirennen sind ihr nicht anstrengend genug: Wer ist die Deutsche, die den Streckenrekord beim Mallorca 312 aufgestellt hat?
Janine Meyer gilt als beste Amateurradsportlerin. Jetzt hat die 47-Jährige einen Rekord beim Mallorca 312 aufgestellt

Janine Meyer wird von ihrem Mann trainiert. / Privat
Nicht Jan Ullrich, nicht Alberto Contador, nicht Annemiek van Vleuten – die beeindruckendste Leistung beim Radrennen Mallorca 312 hat am Samstag (25.4.) eine 47-jährige Hobbyfahrerin aus Köln erbracht. Janine Meyer gewann nicht nur, sondern stellte mit 9:09:45 Stunden sogar einen neuen Streckenrekord auf. Zufällig kommt das nicht. In der ARD-Sportschau wurde die Sportlerin bereits vor zwei Jahren als beste aller Jedermannfahrerinnen geadelt. Die MZ sprach mit Meyer drei Tage nach ihrem Sieg an der Playa de Muro.
Beste Jedermannfahrerin – ist das ein offizieller Titel?
Nicht wirklich. Es gibt den Ötztaler Radmarathon. Der gilt landläufig als die Rad-Weltmeisterschaft der Amateure. Das Rennen habe ich in den vergangenen drei Jahren gewonnen – jeweils mit Streckenrekord, den ich immer um ein paar Minuten verbesserte.
Sprich nächstes Jahr wollen Sie dann den Rekord auf Mallorca verbessern?
Schauen wir mal. Ich muss den Erfolg erst mal sacken lassen. Die Anspannung vor dem Rennen war groß. Ich kannte das Event vorher kaum. Im vergangenen Jahr war ich zwar vor Ort, habe aber mich nur um die Verpflegung zweier Radfahrer gekümmert. Dabei kam die Lust auf, selbst mal mitzufahren. 312 Kilometer am Stück hatte ich bislang nie absolviert und wusste nicht, wie sich das anfühlt. Zudem war es ungewohnt, mit so vielen anderen Radfahrern ins Rennen zu gehen.
Stimmt es, dass Sie bislang jedes Rennen gewannen, bei dem Sie teilnahmen?
Ja, das war in den vergangenen Jahren so.
Warum sind Sie bei der Leistung keine Profiradfahrerin?
Mit 47 Jahren habe ich ein zu hohes Alter für eine Profiradlerin. Profirennen liegen mir nicht. Ich fahre gerne lange Strecken mit vielen Höhenmetern. Die Profis absolvieren aber eher flache und kürzere Etappen. Hinzu kommt, dass ich von meinem Mann trainiert werde. Das würde bei einem Profirennstall wohl auch nicht gehen.
Stand die Profikarriere mal zur Debatte?
Nie wirklich. Ich bin zwar mal bei einem Profirennen mitgefahren, das hat mir aber nicht gefallen. Ich radle lieber mit Männern.
Ihr Training ist längst professionell.
Das auf jeden Fall. Und neben der Arbeit. Mein Mann und ich arbeiten in Vollzeit. Ich bin Finanzbuchhalterin. Da wir keine Kinder haben, bleibt am Wochenende aber Zeit, um längere Strecken zu fahren.
Könnten Sie vom Radsport leben?
Ich habe zwar meine Sponsoren, das reicht aber hinten und vorne nicht zum Leben. Dafür mache ich es auch nicht. Radfahren ist einfach meine Leidenschaft.
Macht das Radfahren überhaupt noch Spaß, wenn man so am Limit fährt?
Man muss auch locker fahren können. Jetzt am Sonntag und Montag nach dem Mallorca 312 sind wir ganz entspannte Touren gefahren, in Cafés eingekehrt und haben die Landschaft genossen. Solche Momente sind mir auch sehr wichtig. Die wechseln sich dann mit dem Intervalltraining ab.
Tun Ihnen nach 312 Kilometern inklusive Streckenrekord nicht erst mal die Beine weh?
Doch schon, es ist aber besser für die Muskulatur, die Beine weiter locker zu bewegen.
Beim Rennen haben Sie selbst einen Jan Ullrich hinter sich gelassen.
Der Vergleich hinkt etwas. Jan Ullrich hat sich für die halbe Distanz entschieden und ist plaudernd mit anderen Leuten gefahren. Contador ist mit uns ins Ziel gekommen, hat uns aber auf den letzten Metern vorgelassen. Es war ein Erlebnis, mit ihm zu fahren.
Sie gehen auf die 50 zu. Haben Sie besondere Gene, dass Sie sportlich so fit sind?
Da spielt die jahrelange Erfahrung eine Rolle. Da muss ich auch ein Lob an meinen Mann aussprechen, der sehr auf meine Trainingsleistung achtet. Er hat sich da mit der Zeit eingefitzt in das Thema und hilft nicht nur beim Treten, sondern kümmert sich auch um das ganze Drumherum. Eine gute Veranlagung für den Ausdauersport habe ich aber sicherlich.
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