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"Dieser Abend ist eine Masterclass": So war das deutsche Box-Event im Pueblo Español auf Mallorca

Atlético-Baleares-Chef Ingo Volckmann ludt am Freitagabend (1.5.) zur "Mallorca Fight Night" in Palma. Auch einige deutsche Promis saßen im Publikum

Boxen auf Mallorca: So war die Fight Night im Pueblo Español

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Es ist die zweite Runde im dritten Kampf des Abends, als es erstmals laut wird in der Sala Magna, dem mit Säulen und Arkaden verzierten Konferenzsaal des Pueblo Español in Palma. Der aus Oberhausen stammende Malek Semmo verpasst seinem Kontrahenten Kassimou Mouhamadou einen rechten Haken. Der Franzose geht zu Boden. Vorbei ist der Kampf damit nicht. Mouhamadou kann sich aufrappeln, zieht über die sechs Runden durch. Am Ende ist der Deutsche aber der klare Sieger.

Als "Mallorcas beste Boxveranstaltung aller Zeiten" hatte der selten um markige Worte verlegene Veranstalter Ingo Volckmann das Event am Freitag (1.5.) angekündigt. Auf der Insel besser bekannt als Präsident des Fußballclubs Atlético Baleares, veranstaltete der Berliner mit seinem Boxstall Agon Sports die "Mallorca Fight Night". Auf dem Programm: insgesamt acht Kämpfe, darunter zwei Duelle im WBA-Verband. Ein Kampf musste vorab abgesagt werden, nachdem Assan Hansen im Superleichtgewicht beim Wiegen mit 64,4 kg deutlich über dem Limit lag.

Zwei Boxer von der Insel sind an diesem Abend mit dabei. Im Federgewicht erkämpft sich Yenifel Vicente in einem intensiven Duell einen beachtlichen Sieg gegen den Venezolaner Ángel Guedez. Für weitaus mehr Aufmerksamkeit sorgt Elvis Sangou. Der Superleichtgewichtler wird vom anwesenden Publikum mit einem Spalier und tosendem Applaus erwartet. Er dankt es seinen Fans mit einem souveränen Sieg gegen den Kolumbianer Víctor Julio.

Die mallorquinische Boxszene ist erschienen

Wenn Deutsche auf der Insel Events veranstalten und diese noch dazu als "bestes aller Zeiten auf Mallorca" bewerben, bedeutet dies in der Regel, dass wenige Mallorquiner da sind, dafür aber viele deutsche "Promis", denen man der Übersichtlichkeit halber je nach Wichtigkeit einen Buchstaben von A bis Z zuteilt. Nicht so an diesem Abend.

Die mallorquinische Boxszene ist im Pueblo Español erschienen. David Quiñorero, der wie wenige andere den Boxsport auf Mallorca gefördert hat, ist beruflich hier. Er begleitet seinen Kämpfer Sangou. Aber auch José "El Niño" del Río, Youba Sissokho oder Jon "Tornado" Martínez sitzen im Publikum.

Im vorletzten Kampf stehen sich Carlos "Hulk" Castillo (grüne Hose) aus Kuba und der Argentinier Jonathan Vergara gegenüber.

Im vorletzten Kampf stehen sich Carlos "Hulk" Castillo (grüne Hose) aus Kuba und der Argentinier Jonathan Vergara gegenüber. / PSS

Oder auch Coco Campaner. Der 39-Jährige hat erst vor zwei Wochen seinen ersten Kampf nach acht Jahren Pause bestritten, den der durch technisches K.O. verlor. Er zeigt sich begeistert von der Qualität der Kämpfe. "Es ist spektakulär, diese Kämpfer hier zu sehen", erklärt er. Vor allem die kubanischen Kämpfer wie Doppel-Olympiasieger Arlen López und Carlos "Hulk" Castillo haben es ihm angetan. "Spanien ist keine große Boxnation. Auf Mallorca sehen wir häufig Kämpfer von der Insel und den ein oder anderen vom Festland. Diese Qualität, wie wir sie heute erleben, ist einzigartig." Für ihn sei der Abend "eine einzige Masterclass".

Die Kämpfe sind sehr ausgeglichen. Keine Selbstverständlichkeit. "Häufig buchen die Promoter Kämpfer, die etwas schwächer sind, damit der eigene Boxer gewinnt", sagt Campaner. Die Ausgeglichenheit führt aber auch dazu, dass die Kämpfe nur selten offensichtliche Highlights bieten. Vielmehr stehen die technischen Fähigkeiten der Kämpfer im Vordergrund. Anders gesagt: Manche Kämpfe wirken eher wie ein Jazz-Konzert als wie eine Popshow, bei der man jeden Song mitsingen kann.

"Ausgezeichneter Moment"

Auch Nestor Domínguez ist hier. Er ist der wohl bekannteste Box-Promoter der Insel. Für ihn kommt das Event genau zur richtigen Zeit. "Das mallorquinische Boxen befindet sich in einem ausgezeichneten Moment." Erst vor zwei Wochen hat die erste mallorquinische Profiboxerin Farah El Bousairi beim Kampf gegen Minerva Gutiérrez in der Sporthalle Germans Escalas in Palma den EM-Titel gewonnen. "Ich glaube, ein internationales Event wie dieses ist eine perfekte Ergänzung zu dem, was derzeit auf der Insel passiert", erklärt Domínguez, der hofft, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt. Insel-Box-Queen Farah El Bousairi ist an diesem Abend auch im Publikum, bekommt großen Applaus, als der Ringsprecher sie begrüßt.

Wer viele deutsche Promis erwartet hat, dürfte enttäuscht nach Hause gegangen sein. Einige bekannte Namen haben es dennoch ins Pueblo Español geschafft. In der ersten Reihe am Ring sitzen der Schauspieler Jan Josef Liefers und der Immobilienunternehmer Matthias Kühn nebeneinander und verstehen sich scheinbar prächtig. Aus Deutschland angereist sind die Rapper Kollegah und Majoe.

Die Vielseitigkeit des Boxens

Die Highlights des Abends sind die WBA-Kämpfe. Und sie stehen exemplarisch dafür, wie vielseitig der Boxsport ist. Und deshalb so reizvoll. Im vorletzten Kampf stehen sich Carlos "Hulk" Castillo aus Kuba und der Argentinier Jonathan Vergara gegenüber. Der eine hat am Vortag 127,2 kg auf die Waage gebracht. Der andere 109,8 kg. Es ist ein zäher Kampf, in dem sich die Kontrahenten gegenseitig belauern und auf diese kleinen Momente warten, in denen sie ihre wuchtigen Fäuste in den Körper des anderen rammen können. "Hulk", das wird schnell deutlich, hat die Oberhand. Aber Vergara hält die zehn Runden durch. Am Ende darf sich der Kubaner einen goldenen Gürtel im Schwergewicht umschnallen.

Und so ganz anders ist dann der letzte Kampf des Abends. Der Kanare Samuel Carmona und der Venezolaner Rodrigo Ramírez jagen einander durch den Ring. Highspeed-Boxen im Fliegengewicht, bei denen sich die Kontrahenten keine Atempause schenken. Selbst als Carmona seinen Gegner unter der Gürtellinie trifft, rappelt sich dieser schnell auf, um dem Spektakel ja keinen Abbruch zu tun. Nach sechs Runden ist aber Schluss. Der Kampf wird abgebrochen. Carmona darf mit einem Gürtel in Richtung Kanaren abdüsen.

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