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Wer spoilert, fliegt hochkant raus: Wie ein Schalke-Fanclub an der Playa de Palma auf den Aufstieg hinfiebert

Die Playa de Palma hat einen neuen Schalke-04-Fanclub. Betreiber Frank Eckl schob dafür den Ruhestand auf. Die langsame TV-Übertragung macht eigene Regeln nötig

Frank Eckl (li.) und Dominik Scharwenka gründeten den ersten Schalke-Fanclub auf Mallorca.  | FOTO: NELE BENDGENS

Frank Eckl (li.) und Dominik Scharwenka gründeten den ersten Schalke-Fanclub auf Mallorca. | FOTO: NELE BENDGENS

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Auf den ersten Blick sieht das Frank’s wie fast jede andere Kneipe an der Playa de Palma aus: Freisitz mit weißer Tischgarnitur, spanischsprachige Kellner, die frühmorgens den Urlaubern in Fußballtrikots die erste Runde Kölsch bringen. Auf der Speisekarte finden sich Schnitzel. Beim Gang aufs Klo hört man aber den Unterschied. „Blau und Weiß ein Leben lang“, schallt es aus einem Lautsprecher. Die Schalke-Hymne begleitet den Toilettengänger auf dem Weg zum Pott. Betreiber Frank Eckl hat vor drei Wochen mit seinem Kumpel Dominik Scharwenka den ersten Schalke-04-Fanclub auf Mallorca gegründet.

Die beiden Männer zählen zu den Urgesteinen am Ballermann. Eckl kam 1989 zum Urlaub an die Playa de Palma und blieb einfach als Kellner hier. Heimweh habe er in der Zeit nie verspürt. „Ich komme aus Hagen. Warst du dort schon mal?“, reicht als Erklärung des 59-Jährigen, der in einem Monat seinen 60. Geburtstag feiert. In den mehr als drei Jahrzehnten an der Feiermeile bediente Eckl die Urlauber im Bierkönig und Oberbayern, später hatte er die Geschäftsführung im Tango inne. Eigentlich wollte der Hagener bereits in den Vorruhestand gehen, startete vor einem Jahr dann aber doch noch mal mit einer eigenen Kneipe neu durch. „In zwei Jahren will ich sie dann abgeben“, so der Plan.

In all der Zeit an der Playa habe Eckl zahlreiche Bekanntschaften geschlossen. „Ich hatte Stammkunden, da war die Kneipe noch nicht einmal eröffnet“, sagt er. Kultwirt „Big Ron“ Büttner vom 4711 bezeichnet er als seinen „Bruder von unterschiedlichen Eltern“. Dominik Scharwenka – Spitzname Kümmerling – kennt er schon ewig. Bei einer gemeinsamen Feier sei man nach einigen Kaltgetränken auf die Idee mit dem Schalke-Fanclub gekommen. Schließlich schlagen die Herzen beider Männer für den Ruhrpottclub.

Großer Ansturm

„Ich wollte schon immer einen Fanclub gründen“, sagt Scharwenka, der als Kellner im Latino arbeitet. In Deutschland ist er selbst bei einem anderen Mitglied. „Wir haben die Unterlagen an den Verein geschickt und dann ging es alles ganz einfach.“ Schalkes Fanclubstatuten schreiben vor, dass ein Mitgliedsbeitrag genommen werden muss. „Die 25 Euro geben wir praktisch direkt an die Leute zurück, da wir uns nicht bereichern wollen“, sagt der Freiburger. In drei Wochen haben sich 350 Mitglieder bei „Königsblau Mallorca“ angemeldet. „Die meisten davon sind Urlauber.“ Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die größten Schalker Fanclubs in Deutschland nur knapp über 1.000 Mitglieder zählen.

Schalke zählt zwar zu den Vereinen mit den meisten Mitgliedern Deutschlands, an der Playa waren die königsblauen Trikots aber meist in der Unterzahl. „80 Prozent meiner Kundschaft sind Kölner“, sagt Eckl. „Hätte ich gewusst, dass es so eine große Nachfrage nach Schalke gibt, hätte ich den Fanclub schon vor 30 Jahren gegründet.“ An den Spieltagen ist das Lokal komplett ausgebucht. Auch beim MZ-Termin um 9.30 Uhr an einem Freitag stellt sich eine große Gruppe mit Edin-Dzeko-Trikots ein Kölsch nach dem anderen rein. Als ein Mann im BVB-Trikot die Straße zwischen dem Lokal und dem Dino-Minigolf entlanggeht, stimmen die Schalker Schmähgesänge an. Der Dortmunder nimmt es mit Humor und tanzt im Takt. „Bei uns ist jeder Fan willkommen“, sagt Eckl. „Geld stinkt bekanntermaßen nicht. Zumal es hier in der Kneipe nur eine Meinung gibt: nämlich meine.“

Nur bei einem Thema ist mit dem Wirt nicht zu spaßen. Die Sky-Übertragung kommt im Frank’s mit zwei Minuten Verzögerung an. „Die Handys müssen aus sein. Wenn einer jubelt, bevor ich das Tor sehe, fliegt er hochkant raus“, sagt der 59-Jährige. Anlass zum Jubeln gab es in dieser Saison zur Genüge. Schalke führt die zweite Bundesliga an. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, ehe die Rückkehr in die erste Liga besiegelt ist. Den ersten Matchball haben die Königsblauen am Samstag (2.5., 20.30 Uhr) im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. „Damit war vor Saisonbeginn nicht zu rechnen. Wir haben mit Miron Muslić einen tollen Trainer, von dem bis heute keiner weiß, wo der genau herkam“, sagt Scharwenka.

Busfahrt zum Spiel geplant

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Schalker in der kommenden Saison in der Bundesliga schlagen. Der gemeine Fan aus Gelsenkirchen neigt gerne zu Höhenflügen. „Nicht wenige träumen schon wieder vom Europapokal in zwei Jahren“, sagt Scharwenka, der so oft es geht, sein Team im Stadion anfeuert. Bevorzugt auswärts. „Dann fliege ich nach Düsseldorf und schließe mich in Gelsenkirchen anderen Fanclubs an, die mit dem Bus fahren.“ Die Stimmung bei den Auswärtsfahrten sei besonders. Ganz zu schweigen vom hohen Alkoholkonsum. Auch Frank Eckl mag es lieber anderswo. „Gelsenkirchen kenne ich halt schon. Bei Auswärtsfahrten lerne ich andere Städte kennen.“

Als offizieller Fanclub bekommt „Königsblau Mallorca“ auch ein Kartenkontingent für Tickets zu den Heimspielen, die immer ausverkauft sind. In der kommenden Saison wollen die Fans im Bus von der Playa zu einem Spiel fahren. Außer Wirt Eckl: „Das sind 28 Stunden Fahrt. Schau dir an, was die auf einer normalen Fahrt innerhalb Deutschlands saufen. Das halte ich nicht aus.“ Dominik Scharwenka sucht gerade ein Busunternehmen, das die trinkfreudigen Passagiere kutschiert. „Fernsehsender Sky will mit Reporter Dirk Grosse Schlarmann dabei sein. Er hat zuletzt schon eine Live-Schalte über unseren Fanclub gemacht.“ An solch einer Partyfahrt seien auch zahlreiche Ballermann-Urlauber interessiert, die erst mal wenig mit Schalke am Hut haben.

In dem Fall weiß Frank Eckl, wann er Schluss machen muss. Das Geschäft hat seine Grenzen. Täglich ist seine Kneipe bis 20 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 22 Uhr. „Ich fülle das Megapark-Publikum auf dem Hinweg ab. Für den Absacker auf dem Rückweg müssen sich die Leute einen anderen Stopp suchen.“ Da ändert auch die im Sommer anstehende Fußball-WM nichts daran. „Anstoßzeiten um 22 Uhr? Um Knallerspiele wie gegen Curaçao zu sehen? Nicht mit mir. In der Nationalelf ist kein Schalker dabei. Dann lohnt es sich nicht, die Spiele zu gucken.“

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