Union-Torwart Carl Klaus über sein Bundesligadebüt, seine Mallorca-Vergangenheit und seinen auslaufenden Vertrag
Die MZ sprach mit dem Fußballer vor dem Auswärtsspiel gegen Mainz 05

Ein euphorischer Carl Klaus feiert am 24. April bei seinem ersten Bundesligaspiel ein Tor von Union Berlin gegen RB Leipzig / Woitas/dpa
Selbst die „FAZ“ konnte mit dem Namen Carl Klaus nicht viel anfangen: „Bevor er am Freitag einen Karrieresprung machte, hatten Fußballkenner von dem Kerl noch weniger gehört und gesehen als von Marie-Louise Eta“, urteilte die Zeitung über das Bundesligadebüt des Torhüters vor zwei Wochen. Langjährige MZ-Leser würden da wohl widersprechen. Der 32-Jährige spielte von 2016 bis 2019 für den damaligen Drittligisten Atlético Baleares. Im Anschluss zog es ihn zurück in die Heimat, wo er nun wegen zwei verletzten Kollegen und dank der neuen Trainerin in der Schlussphase der Saison für Union endlich spielen darf. Die MZ telefonierte mit Carl Klaus vor dem Auswärtsspiel gegen Mainz 05 am Sonntag (10.5.).
Wie haben Sie die Wochen rund um Ihr Bundesligadebüt erlebt?
Es waren aufregende Wochen, die natürlich intensiver als der Alltag zuvor waren. Ich genieße es, dass es gerade so gut läuft und so eine positive Aufmerksamkeit um meine Person herrscht. Als Ersatztorwart sollte man immer damit rechnen, dass es zu einem Einsatz kommen könnte. Daher war ich vorbereitet.
Zwei Spiele, drei Gegentore, viele starke Paraden – wie schätzen Sie Ihre Leistung zwischen den Pfosten ein?
Ich bin sehr zufrieden und will daran anknüpfen. Das darf nur eine Bestandsaufnahme sein. Im Fußball kann sich die Lage schnell ändern. Besonders als Torwart, wenn man einen Fehler macht. Ich konnte mein Team vor weiteren Gegentoren bewahren und war bei den Treffern chancenlos. Dadurch zeigte ich, dass ich zu Recht im Bundesligakader stehe.
Es ist viel von der ersten Cheftrainerin der Bundesligageschichte die Rede. Wie hat das Team Marie-Louise Eta aufgenommen?
Innerhalb der Mannschaft war das, anders als in den Medien, gar kein Thema. Wir kannten sie bereits als Co-Trainerin und wussten, dass sie fachlich komplett auf der Höhe ist und alles für den Job mitbringt. Sexistische Sprüche wie in den sozialen Netzwerken gab es in der Kabine absolut nicht.
Marie-Louise, Frau Trainerin – wie sprechen Sie sie überhaupt an?
Wir nennen sie beim Vornamen, können sie aber auch als Trainerin, Trainer oder Coach anreden. Das ist kein Unterschied zu den Männern. Das du ist im Fußball üblich. Wobei es manche Trainer nicht direkt anbieten und man sich in den Gesprächen rantasten muss.
Macht es einen Unterschied, ob eine Frau oder ein Mann an der Seitenlinie steht?
Für mich tatsächlich gar nicht. Es gibt die gleichen Sitzungen und Ansprachen wie zuvor – natürlich mit individuellen Unterschieden. Was den Trainingsablauf oder das Coaching während des Spiels betrifft, ist alles gleich.
Nach Ihrem Abschied auf der Insel wechselten Sie erst zu Darmstadt, dann zu Nürnberg und 2024 zu Union. Die meiste Zeit drückten Sie die Bank. Bereuen Sie im Nachhinein so manch einen Wechsel?
Den Weg würde ich genau so wieder gehen. Ich habe mich in Nürnberg zum Stammkeeper hochgekämpft und durfte in den größten Stadien Deutschlands spielen. So ein Abendspiel in Leipzig, auf Schalke oder im Olympiastadion ist schon eine tolle Erfahrung. Selbst wenn es nur der Platz auf der Bank gegen die Bayern in der Allianz Arena ist.
War das Bundesligadebüt nun der Startschuss für einen zweiten Frühling?
Das werden wir sehen. Stand jetzt läuft mein Vertrag im Sommer aus. Ich fühle mich bei Union sehr wohl. Der Verein ist besonders, das merke ich. Auf der anderen Seite kann man im Fußball nichts ausschließen. Ich sehe die Situation locker.
Wie geht es also weiter?
Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, die ich nicht alleine beeinflusse. Ich heirate im Sommer. Die sportliche Perspektive spielt eine Rolle. Die wirtschaftliche Rolle ist nicht zu verachten. Zudem der soziale Aspekt: Wo lebt man? Mit wem? Wie weit ist es zur Familie? Sportlich will ich immer im Tor stehen, darf aber die anderen Faktoren nicht vernachlässigen.
Sprich nicht nur noch einfach ein paar Jahre auf der Bank mitnehmen…
Solange ich den Sport ausüben darf, werde ich die höchsten Ziele anstreben. Wie realistisch die sind, ist die andere Sache. Wobei es vor einem halben Jahr undenkbar schien, dass ich in der Bundesliga auflaufe. Und dort sammle ich jetzt Einsätze. Es lohnt sich, an den großen Zielen dranzubleiben. Ich gehe daher immer davon aus, dass etwas möglich ist.
Wie läuft das Psychologiestudium?
Den Bachelor habe ich seit ein paar Jahren in der Tasche, im Master bin ich auf der Zielgeraden. Ich spiele mit dem Gedanken, nach der aktiven Karriere als Sportpsychologe zu arbeiten und habe erste Erfahrungen gesammelt. Der Fokus liegt aber noch auf dem Fußball. Mit 32 Jahren bin ich hoffentlich noch ein Stück vom Karriereende entfernt, selbst wenn ich darauf vorbereitet bin.
Verfolgen Sie noch Ihren ehemaligen Club Atlético Baleares?
Ich weiß immer, wie sie in der Tabelle stehen. Sportdirektor Patrick Messow schreibe ich ab und zu. Atlético Baleares bleibt in meinem Herzen. Es war eine Erfahrung fürs Leben. Egal, mit welchem Sportler ich in den sieben Jahren danach gesprochen habe: Alle waren zumindest ein wenig neidisch darauf, dass ich drei Jahre auf Mallorca gelebt habe. Wenn ich im Urlaub da bin, gehe ich gerne an meiner alten Wohnung im Zentrum Palmas vorbei.
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