Krankheit erlaubt keinen Profi-Radsport mehr: Wie ein Ex-Weltmeister nun die Berge auf Mallorca hochrennt
Eine Fibrose beendete die Karriere von David Muntaner. Nun mutiert der ehemalige Radsportler zum erfolgreichen Trailläufer

David Muntaner gewann die Travessa. / Privat
Wenn man nicht mehr Fußball spielen kann, steigt man auf Golfsport oder Padel um, heißt es scherzhaft in Spanien. Ein Fünkchen Wahrheit steckt in dem Klischee auch drin. Doch was macht ein Radsportler, wenn er nicht mehr um die Wette fahren kann? Er rennt Berge hoch. „Ich brauche einfach die Herausforderung“, sagt David Muntaner. Im Sattel gewann der heute 42-jährige Mallorquiner einst die Weltmeisterschaft. Nun ist er einer der besten Bergläufer der Insel.
Der Sportler aus Palma gewann bereits mit 20 die spanische Meisterschaft in der Bahnraddisziplin Scratch, bei der es auf eine gute Ausdauer ankommt. 2008 und 2012 war Muntaner bei den Olympischen Spielen dabei und fuhr bei der Mannschaftsverfolgung mit. Es reichte zum siebten und sechsten Platz der Spanier. Seine größten Erfolge feierte der Mallorquiner aber gegen Ende seiner Karriere. Mit dem Menorquiner Albert Torres wurde Muntaner 2014 in Kolumbien Bahnrad-Weltmeister in der Disziplin Madison.
Im Jahr darauf war Schluss. Neben dem Alter spielte auch die Gesundheit eine Rolle. „Ich leide an einer Fibrose in der Darmbeinarterie“, sagt Muntaner. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes, die den Blutfluss in die Beine stört. „Es ist eine Radlerkrankheit, wenngleich sie nicht besonders verbreitet ist.“ Bereits in den letzten Zügen seiner aktiven Karriere spürte der Mallorquiner, wie ihm die Beine regelmäßig einschliefen. „Ich konnte einfach nicht mehr Vollgas im Sattel geben. Ein Wettrennen unter diesen Umständen war ausgeschlossen“, sagt Muntaner.
Vom Weltmeister zum Ladenbesitzer
Bereits drei Jahre vor dem Karriereende eröffnete der Sportler mit seiner Frau in Alaró den Laden „Cycling Planet“ – einen Mix aus Café, Radverleih, Werkstatt und Zubehörverkauf. „Vom Bahnradsport konnte ich immer gut leben, mir aber kein dickes Polster ansparen. So komme ich nun über die Runden“, sagt Muntaner. Nur seine Gier nach der sportlichen Betätigung war so nicht gestillt.
Vor zwei Jahren sprang der Profisportler in Rente dann auf den Trail-Zug auf. Die Bergläuferszene auf Mallorca boomt. „Ich hatte schon immer eine Affinität zu den Bergen“, sagt Muntaner. „Und ich konnte so Orte auf der Insel erkunden, die ich zuvor mit dem Fahrrad nie erreichte. Das motivierte mich.“ Sogar ziemlich extrem. Der 42-Jährige trainiert nun sechs Mal die Woche. Vier Mal geht es ins Gebirge, einmal ins Fitnessstudio, und der letzte Trainingstag ist in Andenken an die alten Zeiten auf dem Fahrrad. „Aber ganz entspannt, damit meine Beine mitmachen“, sagt David Muntaner.
Er selbst sieht sich zwar noch nicht auf einem Niveau mit der mallorquinischen Bergziege Tòfol Castanyer, dem erfolgreichsten Trailsportler der Insel, die Ergebnisse sprechen aber eine andere Sprache. Im vergangenen Jahr belegte Muntaner bei einem Rennen auf Gran Canaria, das zur Weltmeisterschaftsserie zählt, trotz eines Sturzes den dritten Platz. Bei der kürzlich ausgetragenen „Travessa“, die 120 Kilometer quer durch die Serra de Tramuntana führt, kam der Ex-Radler als Erster über die Ziellinie. „Der Berglauf erinnert mich an meine Zeit als Radfahrer – ich brauche keine große Technik, muss einfach nur die Anstrengung überstehen und das Tempo halten.“
Mit Olympia im Hinterkopf
Große Ziele habe er sich derzeit nicht gesteckt, sagt er. „Ich will Spaß haben, mit Freunden eine gute Zeit verbringen und schneller werden.“ Aber vielleicht kehrt er so eines Tages auf die Olympia-Bühne zurück. Trailrun gilt als ein möglicher Kandidat, um 2030 bei den Winterspielen in den französischen Alpen zu debütieren. „Das ist nicht einfach – es hängt vom Ausrichter ab, ob der sich für den Trailrun einsetzt“, sagt Muntaner. Sein Training würde jedenfalls ausreichen.
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