Real Mallorcas Abstieg ist eine Schande: die Suche nach den Verantwortlichen
Der Club raffte sich erst spät auf - zu spät

Der Sieg gegen Oviedo reichte nicht. / DM
Real Mallorca gehört nicht zu den großen Fischen Spaniens. Es ist logisch, dass das Team meist zu den üblichen Verdächtigen im Abstiegskampf zählt. Doch der Absturz in die zweite Liga, der seit Samstag (23.5.) feststeht, ist dennoch eine Schande. Denn das Debakel hätte verhindert werden können.
Die Primera División war in dieser Spielzeit äußerst schwach. Mehr als die Hälfte der Liga bangte um den Klassenerhalt und spielte entsprechend. Real Mallorca hatte viele Bausteine für ein sehr erfolgreiches Jahr: Torwart Leo Román steht auf der Shortlist für den spanischen Kader zur WM, Samu Costa reist mit Portugal - einem der Favoriten - in die USA, Jan Virgili war die Entdeckung der Saison und Vedat Muriqi attackierte die Torjägerkrone.
Zu lange auf Arrasate gesetzt
Warum spielte Real Mallorca trotz so viel Potenzial dennoch schlecht? Jagoba Arrasate lautet die Antwort. Der Trainer setzte bereits die vergangene Rückrunde in den Sand. In dieser Saison bringt er es in 25 Spielen auf einen Punkteschnitt von 0,96 - das ist schlichtweg unterirdisch.
Der 48-Jährige wiederholte Woche für Woche dieselben Fehler. Es verteidigten formschwache Spieler, im Angriff blieb mit Pablo Torre der 5-Millionen-Euro-Neuzugang nur auf der Bank. Publikumsliebling und Vereinslegende Daní Rodríguez sortierte er nach einem Scharmützel aus. Die so schon schwach besetzten Außenbahnen wurden schwächer und schwächer.
Verantwortliche warteten lieber ab
Die Verantwortlichen um Präsident und Eigentümer Andy Kohlberg, Geschäftsführer Alfonso Díaz und Sportdirektor Pablo Ortells hätten schon wesentlich früher die Reißleine ziehen müssen. Wochenlang stand intern die Entlassung Arrasates fest. Die Herren in der VIP-Zone waren sich aber sicher, auch so den Klassenerhalt zu schaffen und in aller Ruhe im Sommer den Trainerwechsel vorzunehmen - ein letztlich tödlicher Fehler.
Erst im März kam der Wechsel - und damit zu spät. Der neue Coach Martin Demichelis sagte, er habe eine tote Mannschaft vorgefunden. Der Ex-Bayern-Star hauchte ihr wieder Leben ein. Als Trainer bleibt der Abstieg zwar auch in seiner Vita haften. Ihm kann man aber die wenigste Schuld zuschieben. Unter ihm besiegte Real Mallorca die Königlichen aus Madrid. Nicht zu Unrecht wurde Demichelis als der beste Trainer der Liga im April ausgezeichnet.
In zwölf Spielen bringt es Demichelis auf einen Punkteschnitt von 1,5. Auf die Saison hochgerechnet wäre Real Mallorca mit ihm bei 57 Punkten auf dem sechsten Platz und damit im europäischen Wettbewerb gelandet.
Viele Verletzte, kaum Alternativen
In der Crunchtime traf aber auch der Argentinier falsche Entscheidungen. So setzte er auf Nachwuchsspieler, die ihm im Stich ließen und Gegentore verschuldeten. Allerdings hatte Demichelis auch kaum Alternativen. Viele Verletzungen verhinderten Einsätze.
Und der Kader war schlichtweg auf manchen Positionen falsch zusammengestellt. Es war ein Trugschluss, dass das ewige Innenverteidiger-Duo Raíllo-Valjent für immer spielen wird. Marash Kumbulla wurde als Ersatz ausgeliehen. Der Innenverteidiger kam mit großen Vorschusslorbeeren, spielte aber nur acht Mal- und dann mies. Einen weiteren Verteidiger mit Erstligaerfahrung gab es schlichtweg nicht im Kader.
Noch größer war der Notstand auf den Außenbahnen. Der Kolumbianer Mojica und Ex-VfB Stuttgart-Flop Pablo Maffeo spielten unter ihren Möglichkeiten, konnten aber nicht ausgetauscht werden. Besonders Maffeo ist in Fankreisen nicht gerne gesehen, da er seit Jahren sich für größere Aufgaben berufen fühlt und einen Wechsel fordert. Entsprechend sah seine Motivation aus. Mit Copete verkauften die Clubbosse zudem völlig unnötig einen soliden Innenverteidiger.
Zu grün hinter den Ohren
Im Angriff traf Muriqi zwar nach Belieben, war aber mal wieder auf sich allein gestellt. Spieler wie Asano oder Mateo Joseph brachten schlichtweg zu wenig Leistung für ihre hohen Gehälter. Pablo Torre und Jan Virgili kosteten gemeinsam 8,5 Millionen Euro, waren aber für den Abstiegskampf lange Zeit zu grün hinter den Ohren. Zeit, Spieler zu entwickeln, hatte Real Mallorca nicht.
In der kommenden Woche wollen die Clubverantwortlichen bei einer Pressekonferenz Stellung zu dem Desaster beziehen. Das US-amerikanische Eigentümergespann ist nicht bekannt dafür, Köpfe rollen zu lassen. Verdient hätten es Alfonso Díaz und Pablo Ortells aber alle mal. Im Sommer wird es einen gewaltigen Umbruch im Kader geben. Real Mallorca gilt dann als Aufstiegskandidat. Aber in der zweiten Liga fast alle Spiele zu gewinnen, ist deutlich schwieriger als sich eine Liga höher zum Klassenerhalt zu mogeln.
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