Mallorca feiert seine Fußballerinnen: Spanien glänzt im Stadion Son Moix gegen England
Spaniens Frauen haben am Freitagabend (5.6.) England in der WM-Qualifikation mit 4:0 besiegt. Vor 17.528 Zuschauerinnen und Zuschauern wurde das Stadion in Palma zum Schauplatz eines Fußballfestes

Feierstunde für die Spanierinnen auf Mallorca / Guillem Bosch
Mehr als 17.500 Zuschauer, Bombenstimmung - und ein haushoher 4:0-Sieg: Das WM-Qualifiaktionsspiel Spanien gegen England der Frauen hat am Freitagabend (5.6.) in Palmas Son-Moix-Stadion einen lebhaften Vorgeschmack darauf gegeben, dass Spanien bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr Großes bevorsteht - auf sportlicher und gesellschaftlicher Ebene.
Wichtiger Schritt in Richtung WM
Eins war an diesem Abend von Anfang an klar: Der Männerfußball um Real Mallorca schafft derzeit bei weitem keine solche Atmosphäre im Stadion Son Moix, wie sie bei Länderspiel der Frauen herrschte. Gleichzeitig war es auch sportlich ein großer Abend: Spanien bezwang seinen wohl größten Rivalen eindrucksvoll und machte einen großen Schritt in Richtung WM 2027 in Brasilien. Doch wichtiger als das Ergebnis war an diesem Abend etwas anderes: die Art, wie Fußball gelebt wurde.

Die Spielerinnen konnten auf die Unterstützung der Fans zählen / Guillem Bosch
17.528 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen ins Stadion. Eine Zahl, die zeigt, wie sehr sich der Frauenfußball verändert hat. Zum Vergleich: Als die spanische Auswahl 2017 zuletzt in Son Moix spielte, waren es 2.779 Fans gewesen. Damals gewann Spanien ebenfalls 4:0, gegen Österreich. Neun Jahre später ist aus einem Pflichttermin ein Fest geworden.
Mallorquinerinnen im Fokus
Schon Stunden vor dem Anpfiff war zu spüren, dass dieser Abend besonders werden würde. Leslie stand bereits um 17 Uhr in der Nähe des Stadions, 150 Minuten bevor der Bus der Spielerinnen eintraf. Sie ist etwa 60 Jahre alt und wollte nur eines: die Ankunft der Fußballerinnen vom bestmöglichen Platz aus erleben. Mädchen wie Idaiza oder Claudia Torrens warteten mit Plakaten auf ihre Idole, vor allem auf Cata Coll und Patri Guijarro. Für viele bestand der eigentliche Triumph schon darin: sie zu sehen, sie anzufeuern, ihnen nahe zu sein. Einen Traum zu erfüllen.
Als Stadionsprecher Jaume Colombàs die Spielerinnen ankündigte, zeigte das Publikum besonders bei fünf Namen seine Zuneigung: bei den vier Mallorquinerinnen Cata Coll, Lucía Corrales, Mariona Caldentey und Patri Guijarro – und bei Alexia Putellas. Auch Aitana Bonmatí, zunächst auf der Bank, erhielt Applaus. Son Moix war nicht nur gefüllt, es war bereit, diesen Abend zu feiern.
Genuss statt Qual
Das übliche „Patiment“, jenes Leiden, das die Ränge bei den Spielen des RCD Mallorca so oft prägt, wich einer fröhlichen, leichten, fast ausgelassenen Stimmung. Der Fußball war wichtig, ja, aber nicht als Qual, sondern als Genuss. Lange hatte Son Moix kein solches Schaulaufen mehr gesehen. Die Fans machten die Welle, skandierten „Olés“, applaudierten ihren Spielerinnen und ließen sich von einer Nationalmannschaft mitreißen, die gegen England von Beginn an überlegen war.
Sportlich war Spanien klar besser. Die Mannschaft von Sonia Bermúdez kontrollierte den Ball, machte Druck und ließ England kaum zur Entfaltung kommen. Besonders die Mallorquinerinnen prägten den Abend. Mariona Caldentey eroberte vor dem ersten Tor den Ball und bereitete später auch das zweite vor. Patri Guijarro erzielte ein spektakuläres Tor, nachdem sie Georgia Stanway mit einem Tunnel stehen ließ; ihr Schuss wurde noch abgefälscht und war für Hampton nicht mehr zu halten. Lucía Corrales zeigte auf der linken Seite eine starke Leistung, während Cata Coll im Tor kaum eingreifen musste.
England blockiert
Mit jedem Treffer wuchs die Begeisterung. Nach Patris 1:0 schwappte die Party über die Ränge. Alexia Putellas erhöhte nach feiner Vorarbeit von Mariona auf 2:0, später legte sie nach einer Aktion von Ona Batlle auch das 3:0 nach. Claudia Pina setzte nach einem Pass der eingewechselten Aitana Bonmatí mit dem 4:0 den Schlusspunkt. Der eigentliche Spielbericht lässt sich an diesem Abend ungewöhnlich kurz erzählen: Spanien war überlegen, England wirkte lange blockiert, und Son Moix genoss jede Minute.
Besonders emotional wurde es, als Mariona Caldentey und Lucía Corrales ausgewechselt wurden. Die Spielerinnen aus Felanitx und Inca verließen den Platz unter großem Applaus. Son Moix erhob sich, um zwei der Hauptdarstellerinnen dieses Tages zu verabschieden. Auch Patri Guijarro, die frühere Spielerin aus der Nachwuchsarbeit von Collerense, hatte dem Abend mit ihrem Tor und ihrer Präsenz im Mittelfeld ihren Stempel aufgedrückt.
Unvergesslicher Abend

Wohlverdienter Sieg für die spanische Nationalmannschaft / Guillem Bosch
Gerade deshalb hatte dieser Abend eine Bedeutung, die über das Ergebnis hinausging. Der mallorquinische Frauenfußball erlebt nach der glanzvollen Zeit des Collerense schwierige Jahre in den nationalen Spielklassen. Doch am Freitag wurde ein Grundstein gelegt. Die Menschen kamen nicht nur, um ein Spiel zu sehen. Sie kamen, um sich zu erinnern, um neue Vorbilder zu feiern, um Fußball als etwas Schönes zu erleben.
Spanien kann sich am letzten Spieltag der Gruppenphase gegen Island direkt für die Weltmeisterschaft 2027 qualifizieren. Doch das wird nicht das Einzige sein, was von diesem Abend bleibt. In Erinnerung bleiben wird ein Son Moix, das bebte, lachte und feierte. Ein Stadion, das zeigte, wie Fußball auf Mallorca auch sein kann: leicht, leidenschaftlich, verbindend und voller Freude.
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