"Mit dem Handicap müssen wir leben": Was für Toni Nadal die größte Hürde des Mallorca-Tennisturniers ist
Ab Samstag steht in Santa Ponça wieder Profitennis auf dem Programm, Sportdirektor Toni Nadal erklärt der MZ, was es mit dem ATP-Turnier auf sich hat, worauf es auf dem Wimbledoner Rasenplatz ankommt – und war da nicht noch was mit der Doku über seinen Neffen Rafa?

Stéfanos Tsitsipás kehrt nach Santa Ponça zurück. / Quality Sport Images
Seit drei Wochen läuft die Netflix-Doku „Rafa“, die über den rasanten Aufstieg und die späteren Leiden des mallorquinischen Tennishelden Rafael Nadal berichtet. Da darf natürlich Onkel Toni nicht fehlen. Das Training unter ihm sei härter gewesen als so manche Partie, sagt der Neffe in dem Film. Gegenüber der MZ winkt Toni Nadal ab. Er habe noch nicht die Zeit gefunden, um die Doku zu sehen. Der Sportdirektor der Vanda Pharmaceuticals Mallorca Championships hat mit dem am Samstag (20.6.) startenden Turnier zu viel Arbeit.
„Wir haben richtig gute Spieler begeistern können. Darüber bin ich froh. Das Niveau wird sehr hoch sein“, so Toni Nadal. Unter den Teilnehmern am höchsten in der Weltrangliste rangiert mit Platz elf der Kasache Alexander Bublik. Die bekanntesten Spieler sind schon etwas älter: das australische Tennis-Rumpelstilzchen Nick Kyrgios, der dreifache Grand-Slam-Sieger Stan Wawrinka und der frühere Weltranglistendritte Stefanos Tsitsipas.
Prominente Namen in Santa Ponça
Dass die ganz großen Stars eher zum Training auf Mallorca aufschlagen – dieser Tage trainierte die Weltranglistendritte Iga Swiatek auf der Anlage des Country Clubs –, hat verschiedene Gründe. „Es ist Fluch und Segen zugleich, dass wir ein Vorbereitungsturnier auf Wimbledon sind“, sagt Toni Nadal. Der Grand Slam beginnt direkt nach dem ATP-Turnier in Santa Ponça. „Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass die Top-10-Spieler bei uns antreten. Sie spielen in der Regel nicht in der Woche vor einem Grand Slam. Mit diesem Handicap müssen wir leben.“
Hinzu kommen finanzielle Gründe. Turnierveranstalter Edwin Weindorfer hätte nur zu gerne einen Alexander Zverev auf Mallorca gesehen. Man wurde sich beim Antrittsgeld aber nicht einig. Die Vanda Pharmaceuticals Mallorca Championships sind ein 250er-Turnier, die niedrigste Klasse der ATP. Preisgeld und Rankingpunkte sind vom Verband vorgeschrieben. Auf die nächste Stufe von 500 Punkten erhöhen, sei nicht so einfach möglich, meint Toni Nadal. „Das kostet“, sagt der 65-Jährige. „Zudem muss die ATP die Erlaubnis geben. Die schauen darauf, dass es nicht zu viele Turniere derselben Klasse zur selben Zeit gibt.“

Toni Nadal ist Sportdirektor. / Cladera/Efe
Zverev, Wimbledon und die Favoriten
Toni Nadal trainierte Zverev im vergangenen Jahr ein paar Tage in Manacor. Einen Anteil am French-Open-Sieg rechnet sich der Mallorquiner aber nicht zu. „Die Lorbeeren gehen an seinen Bruder und Vater, die ihn trainieren“, sagt Nadal, der auch einen Wimbledon-Sieg des Deutschen für möglich hält. „Ich würde ihn nach Jannik Sinner sogar als den großen Favoriten sehen.“ Mit Alcaraz fällt ein Konkurrent verletzt aus. Allerdings gibt es da noch einen gewissen Novak Djokovic, den es zu bezwingen gilt.
Ausgeglichener sei die Lage in Santa Ponça. „Früher waren die qualitativen Unterschiede der Spieler größer“, sagt Toni Nadal. „Heute gewinnt der, der eine gute Woche erwischt.“ Und das könnte durchaus jeder der Spieler sein. „Für gutes Rasentennis muss man schnell spielen. Dabei geht es gar nicht um kräftige Schläge, sondern um flüssige Bewegungen. Die Spieler müssen die Knie gut beugen können. Auch ein guter Aufschlag ist wichtig, denn auf Rasen werden die Punkte meist nach wenigen Schlägen gewonnen“, unterstreicht Toni Nadal.
Promis neben dem Platz
Spannend ist es beim Tennisturnier nicht nur auf dem Platz, sondern auch ringsherum. In den vergangenen Jahren hat sich das ATP-Event zu einem gesellschaftlichen Highlight entwickelt. An Promis dürfte es nicht mangeln, selbst wenn die Fußball-WM diesmal ein wenig die Show stiehlt. Guter Zeitpunkt, um ein paar Stars und Sternchen zu erblicken, ist der Samstagvormittag. Dann spielen unter anderem Gabriela Sabatini, Toni Nadal oder Tommy Haas bei einem Padel-Turnier mit.
Doch noch einmal zurück zur Netflix-Doku. Wie war das gleich noch mal mit dem Abschied von Toni Nadal als Trainer seines Neffen? Rafa erklärt, er habe davon 2019 lediglich aus der Presse erfahren. „Ich habe es verbockt“, gibt der Onkel nun zu. „Anfang des Jahres habe ich ein Interview in Budapest gegeben. Darin erzählte ich, dass es mein letztes Jahr auf Tour sein wird. Ich dachte nicht, dass das so viele Monate vor Saisonende für Schlagzeilen sorgen wird.“ Sein Neffe habe es sportlich aufgefasst und ihm längst vergeben. Zumal es Toni Nadal selbst war, der seinen Nachfolger engagierte. „Rafas Papa bat mich, bei Carlos Moyà nachzufragen. Also rief ich ihn an.“ Es folgte ein sensationelles Comeback, das auf Netflix in vier knapp einstündigen Episoden zu sehen ist. Und ist Toni Nadal traurig, den Weg nicht bis zum Ende mit seinem Schützling gegangen zu sein? „Nein, meine Zeit war gekommen. Ich habe diese Etappe beendet. Heute genieße ich den Ruhestand und habe mit dem Trainerleben abgeschlossen.“
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