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Selbst Altkönig Juan Carlos verausgabte sich mit ihm gemeinsam: Dieser 87-jährige Mallorca-Deutsche ist der wohl fitteste Senior der Insel

Günter Traub machte sich einst im Eisschnellauf einen Namen. Später arbeitete er als Trainer mit Promis wie dem spanischen König

Auch der Eingang seiner Wohnung in Camp de Mar taugt zum Fitnessstudio: Günter Traub in Aktion.

Auch der Eingang seiner Wohnung in Camp de Mar taugt zum Fitnessstudio: Günter Traub in Aktion. / Nele Bendgens

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Ralf Petzold

Ralf Petzold

Die meisten Menschen, die halb so alt wie Günter Traub sind, dürften körperlich längst nicht so fit sein wie er. Immer wieder macht der 87-Jährige während des MZ-Interviews Übungen vor. Mal sind es seine täglichen Kräftigungseinheiten, mal das Schlittschuhtraining von früher. „Ich habe den Eisschnelllauf in Deutschland populär gemacht“, sagt der Schweinfurter stolz. An der Wand seines Wohnzimmers in Camp de Mar hängen signierte Fotos mit dem spanischen Altkönig Juan Carlos. Denn dem hat der Deutsche nach seiner Profikarriere ebenfalls Beine gemacht.

Ob auf Rollen oder Kufen, Traub war schon immer schnell unterwegs. Im Sommer drehte der Schweinfurter einst auf Holzrollschuhen seine Runden, im Winter auf dem Eis. „Beim Eisschnelllauf müssen die Knie mehr gebeugt werden. Der Körper ist viel tiefer“, sagt er. Ansonsten gebe es im Bewegungsablauf viele Ähnlichkeiten.

Seine Profikarriere startete vor 70 Jahren. Vier Mal wurde Traub Weltmeister auf dem Eis. Zahlreiche Weltrekorde stellte er auf. Finanziell war er dadurch aber nicht auf Rosen gebettet. „Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern unterstützten.“ Im Jahr 1965 bekam Traub das Silberne Lorbeerblatt verliehen, die höchste Auszeichnung für Athleten in Deutschland.

Nur bei Olympia klappte es nicht

Ein kleiner Makel in einer sonstigen Vorzeigekarriere sind die beiden Olympia-Teilnahmen 1964 in Innsbruck und 1968 in Grenoble. „1964 war ich als Sportler noch zu unerfahren. 1968 habe ich das Höhentraining überzogen und fuhr quasi mit angezogener Handbremse“, erinnert er sich. Die Sportwissenschaften waren damals noch nicht so weit entwickelt. Zwar war bekannt, dass das Training in den Bergen gut für die Ausdauer ist. „Allerdings braucht der Körper zehn bis 14 Tage Erholung, sonst ist das Blut zu dickflüssig“, weiß Traub heute.

Auch das Training damals war schwierig. Eisbahnen, die im Sommer geöffnet waren, gab es praktisch nicht. So erfand der 87-Jährige das Gleitbrett, das er sich mal besser hätte patentieren lassen sollen. Mit zwei Kanten links und rechts lassen sich auf der tischgroßen Fläche die Bewegungen üben. „Heute nutzen fast alle Eisschnellläufer meine Erfindung“, sagt Traub, der 1969 seine aktive Karriere beendete und sich im Anschluss noch als Triathlet versuchte. „Im Wasser und auf dem Rad holte ich immer einen Vorsprung heraus. Allerdings war ich ein schlechter Läufer. So holten mich alle anderen immer wieder ein“, erinnert er sich. Selbst bei einem Ironman machte er mit. Später verzichtete er wegen einer Immunschwäche auf die Strapazen.

Günter Traub (re.) beim Sport mit dem König.

Günter Traub (re.) beim Sport mit dem König. / Nele Bendgens

Schwer verletzt im Schwimmbad

Schon während seiner Profizeit startete Traub ein Studium an der Sporthochschule Köln zum Diplom-Sportlehrer. Kaum hängte er die Schlittschuhe an den Nagel, versuchte er sich selbst als Trainer. „Der deutsche Verband wollte mich haben, aber ich sah mich gegenüber meinen ehemaligen Teamkollegen nicht als Autoritätsperson“, sagt Traub. Daher wechselte er in die USA, blieb dort aber nur wenige Monate.

Bei einem Schwimmbadbesuch verletzte er sich schwer. „Ich war schon immer ein sportlicher Typ und probierte viele Sachen aus. So auch das Wasserspringen“, sagt Traub. Er rutschte weg und knallte mit dem Kopf auf den Beckenrand. Die Ärzte dachten, er hätte eine Querschnittslähmung, Traub erholte sich jedoch wieder. Weiter ging es mit der italienischen Nationalmannschaft, Günter Traub betreute sie 1972 bei den Olympischen Winterspielen in Sapporo.

Formel 1-Fahrer getriezt

Hinzu kam bald noch eine andere Klientel: die Rennfahrer. Für Motorsport hatte Traub schon immer ein Faible gehabt, nun brachte er die Fahrer auf Trab. Der Deutsche baute sich in der Schweiz ein Standbein als Fitnesstrainer mit Schwerpunkt Höhentrainingslager auf. Die „leicht übergewichtigen“ Rennfahrer wollten anfangs nichts vom Schweinfurter wissen.

Doch dann kam Niki Lauda. „Ich sagte ihm, dass er mit Fitness bei Unfällen schweren Verletzungen vorbeugen kann.“ Das Interesse war geweckt und Traub von da an ein gefragter Mann. 1994 arbeitete er auch mit Michael Schumacher zusammen. „Er sagte mir, dass sein Training kurz und intensiv sei. Er brauchte aber eher zweistündige Einheiten“, findet der Rentner.

Hampelmann mit dem König

Niki Lauda stellte ihm auch den georgischen Prinzen Zourab Tchkotoua vor, einen guten Freund des damaligen spanischen Königs Juan Carlos. 1981 klopfte seine Majestät bei ihm an. „Er lud meine Frau und mich nach Madrid ein. Er spricht gut Englisch, da gab es nie Probleme“, so Traub. Der Deutsche ließ den König sieben Jahre lang bei Höhentrainingslagern Hampelmann machen und auf dem Rad strampeln.

Beim MZ-Gespräch packt Traub eine Anekdote nach der anderen aus. Wie er Juan Carlos einen deutschen Sportflitzer ermöglichte, mit dem er seinen Leibwächtern davonfuhr. Oder wie der König Bauklötze staunte, als der Fitnesstrainer ihm den Zucker vom Speiseplan nahm. „Soll ich etwa Honig in den Kaffee machen?“, habe der König gemault.

Wohnung über den Prinzen bekommen

Prinz Tchkotoua war es auch, der dem Deutschen 1987 eine traumhafte Wohnung mit Meerblick in Camp de Mar verschaffte. „Ich wusste vor allen anderen von dem Bauprojekt“, sagt Traub. Zuletzt waren seine Frau und er immer für mehrere Monate auf der Insel. Trotz des hohen Alters blieb der 87-Jährige auch sportlich aktiv. „Bis vor zwei Jahren habe ich noch Eisschnelllauf betrieben. Danach hatte ich einen Radunfall“, sagt er.

Das hindert ihn nun nicht daran, wieder auf den Sattel auf Mallorca zu steigen. „Bewegung ist die beste Tablette“, sagt er. Dabei weiß auch er, dass er nicht mehr der Jüngste ist. „Die Reise nach Mallorca wird immer beschwerlicher, da wir keinen Flughafen in der Nähe haben. Wir haben die Wohnung daher nun verkauft. Es war eine schöne Zeit. Doch diese Etappe ist nach 40 Jahren nun vorbei“, sagt er.

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