Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Ex-49ers-Coach Tomsula schaut keine NFL mehr: „Warum sollte ich?“

Jim Tomsula war einst Cheftrainer des NFL-Teams San Francisco 49ers. Der US-Amerikaner ist praktisch immer dabei, wenn in Europa American Football gespielt wird. So auch bei der Partie der neuen AFLE im Estadi Balear

Jim Tomsula arbeitete 1998 das erste Mal in Europa. Er hat den American Football in Deutschland mit aufgebaut.  | FOTO: SVENJA SABATINI

Jim Tomsula arbeitete 1998 das erste Mal in Europa. Er hat den American Football in Deutschland mit aufgebaut. | FOTO: SVENJA SABATINI

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google
Ralf Petzold

Ralf Petzold

In der Nacht auf den 1 1. September läuten die San Francisco 49ers beim Spiel in Australien gegen die LA Rams die neue Saison der NFL ein. Jim Tomsula wird das Spiel nach eigener Aussage nicht schauen. Dabei war der 58-Jährige im Jahr 2015 noch selbst der Cheftrainer der „Niners“. Heute steht der US-Amerikaner der American Football League Europe (AFLE) als Präsident vor. Anlässlich des Spiels auf Mallorca am Samstag (22.8.), bei dem sich Rhein Fire mit 40:30 gegen die London Warriors im Estadi Balear durchsetzte, bat die MZ ihn zum Interview. Tomsula trug dabei stolz den Ring, den er als Co-Trainer der 49ers 2012 für den Super-Bowl-Einzug bekam. Dort verlor sein Team gegen die Baltimore Ravens.

Wie steht es um den American Football in Deutschland?

Ich bin seit 1997 im europäischen Football aktiv. Waren Sie da überhaupt schon geboren? Ich habe den American Football in Europa wachsen sehen. Die Fans in Deutschland sind fantastisch. Das Talent lässt sich anhand messbarer Daten feststellen, wie Athletik und Größe der Spieler. Daran mangelt es nicht. Besonders die deutschen Trainer sind äußerst lernwütig. Sie studieren regelrecht die Bücher mit den Spielzügen. Die West Coast Offense gilt als die umfangreichste Spielidee im Football. Es gibt deutsche Trainer, die dir sagen können, was auf Seite 1.002 steht. Was fehlt, ist, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. Da müssen wir Experten aus den USA einfliegen lassen, die aushelfen.

Das klingt alles so positiv. Warum ist es in Europa dann so schwierig, eine funktionierende Liga zu schaffen?

Die Grundlagen sind alle da. Allerdings tauchten immer wieder Leute auf, die sich einmischen und mitreden wollten. Einzelne Teams fanden zahlungskräftige Sponsoren und holten Spieler und Trainer aus den USA. Sie kauften sich praktisch Titel. Andere Clubs wollten bei dem Wettbieten mitmachen, gingen dadurch aber pleite. Die Vorgängerliga verkam dadurch zum totalen Chaos. Als die AFLE gegründet wurde, hatte ich meine Zweifel. Die Saison sollte Hals über Kopf starten. Die Gründer wollten kein Jahr ohne American Football vergehen lassen. Im Nachhinein gesehen war es die richtige Entscheidung.

Jim Tomsula war 2015 der Cheftrainer der 49ers.

Jim Tomsula war 2015 der Cheftrainer der 49ers. / dpa

Was hat Sie vom Projekt überzeugt?

Dass die Gründer wirtschaftlich denken. Es ist kein Schnellschuss. Die AFLE ist für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre geplant. Das wird zu 100 Prozent klappen. Klar wird es Probleme am Anfang geben. Aber dieser nachhaltige Gedanke überzeugt mich. Daher habe ich mich gegen andere Angebote entschieden. Hinter der Liga steht ein zahlungskräftiger Investor, der die Teams unterstützt. Früher wurde das Geld immer nur abgezapft, heute wird es reingesteckt. Wir lassen die Vereine nicht länger fallen.

Sie sagen, das Talent ist da. Werden es die Spieler irgendwann in die NFL schaffen?

Sagt Ihnen der Name Mark Gorscak etwas? Der hat 30 Jahre in der NFL als Scout gearbeitet. Den habe ich von dem Projekt überzeugt, und er wurde als Director of Player Personnel geholt. Der schaut sich alle Spieler in Europa an und schätzt sie ein. Findet er Talente, schlägt er sie seinen Kontakten in den USA vor. Vielleicht schaffen es die Spieler nicht in die großen Colleges, aber kleinere, die in der zweiten oder dritten Liga spielen, bestimmt.

Haben Sie schon Spieler in die USA geschickt?

Als Präsident der AFLE noch nicht. Früher, als ich Trainer bei Rhein Fire war, aber schon.

Sie haben lange Zeit in der NFL gearbeitet. Träumen Sie von einer weiteren Chance als Trainer dort?

27 Jahre war ich für die NFL aktiv. Selbst während der Zeit in Deutschland habe ich das NFL Europe-Projekt geleitet. Ich will das nicht mehr. Ich habe genug Geld verdient. All mein Trainerwissen habe ich in Düsseldorf gelernt, nicht auf einem College in den USA. Ich bin dankbar und will Football-Europa etwas zurückgeben.

Sie kommen eigentlich von der Ostküste, tragen aber Ihren Ring der San Francisco 49ers. Drücken Sie denen folglich die Daumen?

Als Kind war ich ein Fan der Pittsburgh Steelers. Ich gebe aber offen und ehrlich zu: Ich habe keine Ahnung mehr von der NFL.

Schauen Sie denn nicht die Spiele?

Nein, warum sollte ich? Ich habe mit der AFLE American Football direkt vor meiner Nase. Das ist der gleiche Football wie in der NFL. Was ich hier mache, liebe ich. Wir bauen etwas auf. Und das wird klappen.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents