„Ich bin eher als Fußballer denn als Maskottchen hier“: Der neue deutsche Verteidiger von Atlético Baleares im MZ-Interview
Fabrice Montcheu ist aus Greifswald zum Insel-Viertligisten Atlético Baleares gewechselt. Der MZ erzählt er, wie er auf Mallorca gelandet ist

Nina Clara Fischer
Noch spricht Fabrice Montcheu kaum ein Wort Spanisch: Der 28-jährige Berliner mit Vater aus Kamerun und deutscher Mutter ist Mitte Juli vom Regionalligisten Greifswalder FC zum Fußball-Viertligisten Atlético Baleares mit dem deutschen Eigentümer Ingo Volckmann gewechselt. Der in der Jugend des FC Union Berlin ausgebildete Montcheu hat für ein Jahr mit Option auf eine zweite Saison unterschrieben. Beim Interview gibt sich der Außenverteidiger entspannt und lächelt viel.
Atlético Baleares ist Ihre erste Station im Ausland. Wie ist Ihre Gefühlslage?
Es ist schon was anderes. Ich hatte damit gerechnet, dass es zu Beginn nicht leicht wird, auch weil ich mit Spanisch bisher gar nichts am Hut hatte. Am Anfang war ich erst mal der, der nix checkt oder erst einmal alles falsch macht. Ich gewöhne mich langsam an die Abläufe. Von Tag zu Tag klappt es besser. Es hilft natürlich, dass Pat (der sportliche Leiter Patrick Messow, d. Red.) auch Deutscher ist. Momentan versuche ich, mit Duolingo oder Youtube ein bisschen zu lernen oder auch mit KI.
Sie sind aus Greifswald auf die Insel gewechselt, sprich aus einer völlig anderen Klimazone. Wie kommen Sie mit der Hitze hier klar?
Ich schwitze ständig! Aber ich kenne die Insel ja ein bisschen, weil wir mit den Würzburger Kickers schon zweimal im Trainingslager hier waren. Ich kannte also auch das Trainingsgelände und das Stadion hier. Und ich war natürlich wie fast alle Deutschen schon im Urlaub hier. Mit den Fußballern haben wir einen typischen Partyurlaub gemacht und privat war ich schon einmal in Palma im Urlaub.

Fabrice Montcheu posiert im Estadi Balear. / Nele Bendgens
Wie kam es denn zu Ihrem Wechsel?
Das lief über meinen Berater, der mir gesagt hat, dass der Verein interessiert ist. Schon im vergangenen Jahr gab es Kontakte. Dieses Jahr war das Interesse konkreter und ich wollte gerne ins Ausland wechseln, nachdem ich acht Jahre in der Regionalliga gespielt habe.
Sie kannten Patrick Messow vorher nicht? Er ist ja auch Berliner.
Nein, ich kannte ihn nicht. Er ist ja Spandauer, also eher Herthaner. Und ich habe bei Union Berlin in der Jugend gespielt.
Hui, kann das dann überhaupt gut gehen mit Ihnen beiden?
Da gibt es zum Glück kein böses Blut. (lacht)
Wie sind Sie inzwischen angekommen hier?
Die Jungs haben mich super aufgenommen. Wir haben ja mit Rubén Bover, unserem Kapitän, und Florin Andone auch Spieler, die schon im Ausland aktiv waren und Englisch sprechen. Ich halte mich viel an Rubén. Der Torwarttrainer spricht auch Englisch. Viele Sachen versteht man dann ja nach kurzer Zeit, es wiederholt sich vieles immer wieder.
Wie unterscheidet sich das Training zur vierten Liga in Deutschland?
Hier liegt ein größerer Fokus auf dem Fußballerischen, gerade was viel und schnelles Passspiel angeht. Da musste ich mich am Anfang schon ein bisschen umschauen.

Fabrice Montcheu während des Interviews. / Nele Bendgens
Sie haben viel Erfahrung gesammelt und sind mit Würzburg knapp am Aufstieg gescheitert. Wäre nicht die dritte Liga Ihr Ziel gewesen?
Ja klar, jeder Fußballer will so hoch wie möglich spielen. Mit Würzburg hat es vergangene Saison leider ganz knapp nicht funktioniert. Aber dann steige ich halt jetzt mit Atlético in die dritte Liga auf. (lacht)
Das ist das ausgewiesene Saisonziel?
Mir ist nicht ganz bewusst, ob und wie das nach außen getragen wird. Vielleicht habe ich es auch einfach nicht verstanden. Aber es erklärt sich ja von selbst: Wenn man lange oben mitspielt, soll irgendwann der Sprung klappen. Es ist ja ein ambitionierter Club.
Wie sind Sie hier untergekommen?
Ich lebe ganz nah am Stadion, da hat mir der Verein geholfen. Ich bin alleine hergekommen, meine Freundin ist in Berlin geblieben.
Sie stehen in einer Tradition von deutschen Spielern oder dem Trainer Christian Ziege, die beim Club bereits aktiv waren. Haben Sie eine besondere Aufgabe, um die deutsche Community auf der Insel ins Boot zu holen?
Nein, ich habe keine konkrete Aufgabe bekommen. Ich habe mit Ulrich Taffertshofer telefoniert, der hier gespielt hat und denselben Berater hat wie ich. Er hat mir ein bisschen erklärt, wie der Verein funktioniert. Und einmal war ich beim deutschen katholischen Gottesdienst in der Innenstadt und habe nach einem Testspiel mit einem Deutschen gesprochen. Ich glaube aber, ich bin eher als Fußballer denn als Maskottchen hier.
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