Deutsch und Spanisch in der Beziehung: So klappt der Tandem-Alltag ohne Frust
Man selbst ist Deutsche, der Partner Spanier – die perfekte Ausgangslage, damit beide die Sprache des anderen lernen. Oder etwa nicht? Warum das nicht immer so einfach ist und wie man Streit vermeiden kann

Die Sprache des Partners auf Mallorca zu beherrschen kann Intimität und Nähe schaffen - und gegenseitiges Verständnis / KI / ChatGPT
„¿Me das el Backblech, por favor?“ „¿Y dónde está el Besen?“ Ja, in Beziehungen auf Mallorca, in denen einer der Partner spanischsprachig ist und der andere deutschsprachig, kann es schon einmal zu wilden Satzneuschöpfungen kommen. Vor allem, wenn beide zumindest in Grundzügen auch die Sprache des anderen verstehen. Bilinguale Partnerschaft, das ist doch die ideale Möglichkeit für einen täglichen Tandem-Austausch – oder?
Achtung, Streit-Gefahr
„Theoretisch ja. Praktisch ist es nicht immer ganz so einfach“, sagt Paul Zabel. Der Deutsch-Mallorquiner betreibt seit 2011 die Sprachschule Acadèmia Cala Millor. Hier hat er immer wieder mit Menschen zu tun, deren Partner eine andere Muttersprache haben als sie selbst. „Nicht selten habe ich erlebt, dass es zwischen ihnen zu Spannungen oder gar Streits gekommen ist, wenn einer versucht, dem anderen seine Sprache beizubringen“, sagt Zabel. Zum Beispiel, wenn der eine die Dinge nicht so schnell lernt, wie der andere erwartet.
„Damit es klappt, muss der Lehrende viel Geduld mitbringen – und auch die Fähigkeit, etwas zu vermitteln.“ Das sei oft gar nicht leicht, vor allem dann nicht, wenn es sich um kompliziertere grammatikalische Regeln handelt. Nur, weil man seine Muttersprache perfekt beherrscht, ist man ja nicht automatisch dazu in der Lage, sie einem Nicht-Muttersprachler erklären zu können.
Kulturell bereichernd
„Grundsätzlich ist es immer ratsam, wenn derjenige, der lernen will, zunächst einen Sprachkurs macht“, so Zabel. Auf der Grundlage könne man dann aufbauen. Und auch, wer bereits gute Sprachkenntnisse habe, könne bei Profis noch dazulernen, sagt Rosa López Mayol, Gründerin der Sprachschule „Schwa“, die Standorte in Cala Ratjada, Sineu und Palma hat und auch Onlinekurse anbietet. Viele ihrer Schüler seien Deutsche mit spanischen Partnern. „Sie kommen, weil sie auch perfekt schreiben wollen, oder weil sie sehr spezifische Fragen haben, die ihr Partner nicht beantworten kann.“ Teilweise auch deshalb nicht, weil die Fragen aus der Sicht einer deutschsprachigen Person gedacht sind und für Spanier nicht ohne Weiteres verständlich sind. „Da hilft es, wenn der Spanischlehrer in der Sprachschule auch selbst Deutsch kann“, so López.
Eine Beziehung zu einem Menschen mit anderer Muttersprache ist auf vielerlei Ebenen sehr bereichernd. „Mit dem Partner selbst redet man häufig die Sprache, in der man sich kennengelernt hat – oft ist das Englisch. Das macht das Gehirn automatisch. Aber durch Kontakt zu Freunden und Familie des Partners kommt man dann doch in Kontakt mit dessen Muttersprache – und auch mit seiner Kultur.“ Denn Sprache erweitere den Horizont, helfe dabei, den anderen auch kulturell besser zu verstehen. „Deshalb ist es etwas sehr Schönes, wenn man die Sprache des Partners lernt“, sagt López.
Zwischen Vertrauen und Hemmungen
„Vor allem Vokabeln oder spezielle Ausdrücke kann man sehr gut im Alltag mit seinem Partner üben und lernen, zum Beispiel beim Kochen“, rät Paul Zabel. Ideal sei es, sich jeden Tag einen bestimmten Zeitraum – etwa eine Stunde – dafür zu nehmen. „Ob man das aber wirklich so einhalten kann, ist eine andere Frage.“ Auch tageweise die Sprache zu wechseln, sei eine Möglichkeit, so Rosa López. Vor allem aber käme man der Sprache durch Zusammenkünfte mit anderen Familienmitgliedern nahe. „Nirgends lernt man Vokabeln etwa über Mallorcas Osterbräuche besser, als wenn man sie mit der Familie auslebt.“
Doch selbst, wenn beide lern- oder lehrwillig und ansatzweise sprachbegabt sind, kann es zu Reibereien kommen, wissen die Sprachexperten. Einerseits bestehe bei Liebespaaren natürlich mehr Vertrauen als mit herkömmlichen Tandem-Partnern. „Aber gerade beim eigenen Partner haben viele mehr Hemmungen, die Fremdsprache zu sprechen. Man will sich ja nicht blamieren“, sagt Rosa López. Vor allem, wenn der andere bereits deutlich mehr Lernfortschritte gemacht hat als man selbst.
Korrigieren: ja oder nein?
Ein anderes Problem, das sich in intimen Beziehungen noch verstärken könne: „Nicht jeder mag es, korrigiert zu werden“, so Paul Zabel. Zwar wünsche sich die Mehrheit seiner Sprachschüler, dass sie von ihrem Umfeld mehr korrigiert werden. „Einige aber beschweren sich auch über zu viele Korrekturen. Das ist Typsache.“ Hier seien klare Absprachen wichtig, findet auch Rosa López: „Am besten fragt man den Partner, ob er korrigiert werden will. Aber es sollte immer respektvoll geschehen und niemals, indem man sich über die Fehler lustig macht.“ Und es gilt, maßzuhalten: „Nicht in jeden Satz reingrätschen, das hemmt den Sprachfluss“, rät Zabel.
Aber wer von beiden sollte denn nun eigentlich die Sprache des anderen lernen? „Am wichtigsten ist es, dass beide die Landessprache beherrschen“, findet Zabel. Bei einem deutsch-spanischen Paar sollte also auf jeden Fall der oder die Deutsche Spanisch pauken. „Wenn darüber hinaus auch der Spanier versucht, etwas Deutsch zu lernen – umso besser.“ Hat der deutsche Partner noch Familie in der Heimat – und sei es „nur“ eine Großmutter oder Tante – dann sei es fast schon eine Frage des Anstands, dass der spanische Partner zumindest Grundzüge des Deutschen erlernt, findet Rosa López. Auch für gemeinsame Urlaube dort sei es vorteilhaft.
Wenn Kinder ins Spiel kommen
Spätestens, wenn das Paar Kinder bekommen will, sei es absolut von Vorteil, wenn beide beide Sprachen verstehen. Damit nicht ständig alles übersetzt werden muss. „Denn wer bilingual erziehen will, der muss extrem konsequent sein, wenn er mit den Kindern spricht“ so Zabel. Der deutsche Elternteil nur Deutsch, der spanische nur Spanisch.
Und was ist mit Mallorquinisch? „Natürlich sollte man diese Sprache zumindest in Grundzügen verstehen – vor allem, wenn der Partner Mallorquiner ist“, findet Zabel. Aber viele Sprachanfänger fokussierten sich zunächst aufs Spanische. „Einfach, weil es mehr Menschen verstehen.“
Abonnieren, um zu lesen
- Warnstufe Gelb: Nach überraschend sonnigem Sonntag kommt zum Wochenstart der Regen wieder
- Hochzeitsglocken bei zwei deutschen Unternehmerdynastien: Mallorca-Hotelier heiratet BMW-Erbin
- Der Südwesten Mallorcas wird mit Luxusanwesen zugekleistert - in einem Ort brach deshalb die Straße weg
- Wetter auf Mallorca: Und der Regen prasselt immer weiter
- Ich gönn' mir das jetzt': So eine Wuchermiete zahlt Influencerin Anne Wünsche für ihr neues Mallorca-Zuhause
- Kultrestaurant in Porto Cristo zieht Reißleine: 60 Prozent der Tische werden für Mallorquiner reserviert
- "Wir werden uns heute an der Kuh vergnügen": Gruppenvergewaltiger auf Mallorca zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
- Legalisierung zum Schnäppchenpreis: Eigentümer von Schwarzbauten fluten die Rathäuser auf Mallorca mit Anträgen
