Wortschatz
Spanisch lernen: Warum Spanier von "vier Truthähnen" sprechen, wenn sie "zwei, drei Kröten" meinen
Die Zahl vier wird auf Spanisch oft als Synonym für "ein paar wenige" benutzt – wie beim Ausdruck "cuatro pavos“

Der „pavo“ ist der „Truthahn“, ein „pavo real“ hingegen ein „Pfau“ (wörtlich ein „Königsputer“). / Jesús Diges
Sie haben ein echtes Schnäppchen (una ganga, un chollo) gemacht und sagen stolz: Mira, eso me lo compré de segunda mano y solo me ha costado veinte euros. (Schau, das habe ich gebraucht gekauft, und es hat mich gerade mal 20 Euro gekostet.) Und dann sagt Ihr Gegenüber diesen überheblich klingenden Satz: ¡Vaya, por cuatro pavos más te hubieras comprado uno nuevo! Auf Deutsch würde man wohl sagen: „Na toll, für ein paar Euro mehr hättest du dir ein neues kaufen können!“)
Mal ganz abgesehen von kulturellen Unterschieden, ob man nun eher auf kostengünstige Schnäppchen stolz sein sollte oder eher auf prestigeträchtige Neuware: Komisch ist doch der Ausdruck cuatro pavos, wörtlich übersetzt „vier Truthähne“. Dazu sollte man zunächst wissen, dass die Zahl cuatro (vier) auf Spanisch oft als Synonym für „ein paar wenige“ benutzt wird.
Beispiele: ¿Ha venido mucha gente? (Waren viele Leute da?) ¡Qué va, cuatro gatos! („Überhaupt nicht, ein paar Leutchen!“, wörtlich: „vier Katzen“). ¿Va a llover? (Wird es regnen?) Como mucho, cuatro gotas. („Höchstens ein paar Tröpfchen!“, wörtlich: „vier Tropfen“). Oder: Tienes que redactar un buen informe, con cuatro palabras no basta. („Du musst einen richtigen Bericht schreiben, zwei, drei Worte reichen da nicht“, wörtlich: „vier Worte“). Spanier sagen also „vier“, wenn wir die komische Aufzählung „zwei, drei“ benutzen.
Ausdruck mit historischem Hintergrund
Aber warum ausgerechnet cuatro pavos (vier Truthähne)? Das gibt es eigentlich in jeder Sprache, dass „Geld“ (el dinero) im Allgemeinen oder die gerade gültige Währung durch andere Ausdrücke ersetzt wird. Jemand hat mucha pasta („viel Paste“ = „einen Haufen Zaster“ oder „Geld wie Heu“) oder alguien se ha quedado sin un duro (jemand hat keinen roten Heller / keine Kröten / kein Moos mehr).
Beim pavo gibt es wohl einen historischen Hintergrund. Ein „Truthahn“ kostete vor vielen Jahren einmal um die cinco pesetas (fünf Peseten), sodass der pavo zum Synonym für die Fünfpesetenmünze (el duro, vergleichbar mit dem Wort „Groschen“) wurde. Beim Synchronisieren US-amerikanischer Filme wird der Ausdruck pavo immer dann benutzt, wenn die Amis von „bucks“ (verkürzt für „buck skins“ = Hirschfelle = Dollar) sprechen.

Der Wortschatz zum Thema. / MZ
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