Wortschatz
Spanisch lernen mit der MZ: Wie rufe ich im Restaurant einen Kellner, ohne in Fettnäpfchen zu treten?
Nicht alle Arten, die Aufmerksamkeit des Gastro-Personals auf Mallorca auf sich zu ziehen, kommen gut an. Hier ein paar praktische Tipps

Das Wort „camarero“ (Kellner) kommt nicht von „cama“ (Bett). / Guillem Bosch
Zunächst wollen wir einen Zweifel ausräumen: Was hat eine camarera (Kellnerin) mit einer camarera de piso (Zimmermädchen, Reinigungsfrau im Hotel) zu tun? Warum haben so unterschiedliche Tätigkeiten eine fast identische Berufsbezeichnung? Heißen die camareras de piso etwa so, weil sie im Hotel das Bett (la cama) machen? Und was hätte das dann mit der Bedienung im Restaurant zu tun?
Zischen, Pfeifen, Schnipsen...
Die Auflösung: Die Berufsbezeichnungen leiten sich ab von der lateinischen camara (also „Raum“ oder „Zimmer“, auf Spanisch el cuarto, la habitación oder la sala). Camarero oder camarera waren also die Bediensteten in den Privaträumen der Adeligen am Hof. Die einen bedienten zum Beispiel am Tisch, die anderen kümmerten sich ums Sauber- und Bettenmachen. Der spanische Ausdruck la cama (Bett) hat eine andere sprachliche Wurzel und ist wahrscheinlich nur zufällig ähnlich.
Im spanischsprachigen Alltag auf Mallorca stellen wir uns oft eine ganz andere Frage: Wie rufe ich den Kellner, wenn ich im Restaurant sitze und schon seit zwei Ewigkeiten bestellen oder zahlen will? Mit den Fingern zu schnipsen (chasquear los dedos), in die Hände zu klatschen (dar palmadas con las manos) zu pfeifen (silbar) oder Zischgeräusche (chistar) von sich zu geben, gilt in spanischen Restaurants als ziemlich unhöflich. Das trifft auch für lautes Rufen von Worten wie ¡Hola! (Hallo!), ¡Amigo! (Freund!), ¡Muchacho! (Bursche!) oder ¡Ey! (Hey!) zu.
Duzen erlaubt
In der Theorie gilt: Um in Spanien höflich einen Kellner herbeizurufen, sollte man Blickkontakt aufbauen und diskret die geöffnete Hand heben (para llamar a un camarero en España de manera educada, haz contacto visual y levanta la mano discretamente con la palma abierta.) Sollte das nicht funktionieren, weil man zum Beispiel ignoriert wird, darf man auch leise (en voz baja) höfliche Worte murmeln wie por favor, cuando pueda (bitte, wenn es Ihnen möglich ist) oder perdona / disculpa („Entschuldige“ – die Duz-Form ist dabei nicht so unhöflich, wie es auf Deutsch wäre). Fühlt man sich total vernachlässigt, geht man zum Tresen und fragt: ¿Camarero?, La cuenta, por favor! (Kellner? Die Rechnung bitte!).
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