29. August 2013
29.08.2013

Safari Zoo: Miteinander reden ist immer noch das Beste

Sturm der Entrüstung über Zustände im Zoo kann dank Dialog mit Betreiber beigelegt werden

05.09.2013 | 01:15
Die Zeichen stehen auf Verständigung: ein Mitarbeiter des Safari-Zoos mit einem Affen.

Henning Mentz klingt am Telefon noch hörbar mitgenommen vom Sturm der Entrüstung, der seit dem 6. August über seinen Safari Zoo Mallorca in Sa Coma hereingebrochen ist. An jenem Dienstag war der österreichische Künstler und Mallorca-Resident Erich ­Schobesberger zu Besuch im Zoo und regelrecht entsetzt über die Zustände, die er dort vorfand. Am Abend gründete er voll Zorn im sozialen Netzwerk Facebook eine Gruppe mit dem Titel „Wir fordern die Schließung vom Safari Zoo Mallorca".

Seitdem kommen beide Männer nicht mehr zur Ruhe. Zoo-Betreiber Mentz, weil er sich Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt sah, und Schobesberger, weil er Tag und Nacht damit beschäftigt ist, militante Tierschützer und Zoogegner zur Vernunft zu bringen und gleichzeitig Verbesserungen für die Tiere zu veranlassen. „Ich habe mir in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt, welche Folgen eine solche Gruppe bei Facebook haben könnte", räumt Schobesberger im Gespräch mit der MZ Anfang der Woche ein. Es sei nie seine Absicht gewesen, Existenzen zu bedrohen oder Anfeindungen zu schüren.

In der Gruppe war es bereits kurz nach der Gründung heiß hergegangen. Nach der ersten Nacht hatte sie über hundert Mitglieder, inzwischen sind es mehr als 3.600. Und die schaukeln sich gegenseitig hoch. Unter anderem wurden Jahre alte Fotos von Tieren mit Wunden hochgeladen und Drohungen gegen Zoo-Betreiber Mentz geäußert. Auch von einem „Tier-KZ" war die Rede. Schobesberger musste eingreifen. „Die Randalierer und Hassprediger habe ich inzwischen längst blockiert", erzählt er in ruhigem, sachlichem Ton. Polemik ist nicht seine Sache.

Das eint ihn mit seinem Widersacher Mentz. Beiden scheint an einer einvernehmlichen Lösung zum Wohl der Tiere gelegen zu sein. Mentz ärgert sich aber darüber, dass er sich in aller Öffentlichkeit rechtfertigen muss.

Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, vereinbarten Schobesberger und Mentz Mitte August ein Treffen im Zoo. Schobesberger brachte unter anderem eine Tierärztin und eine Tierpflegerin mit. Gemeinsam begutachtete man über vier Stunden lang die Einrichtungen des Parks. Die Ärztin bescheinigte den Tieren zwar einen guten Gesundheitszustand, doch wurde der Gruppe die Kranken- und die Quarantänestation zunächst vorenthalten. Weitere Kritikpunkte von Schobesberger: Es gebe Zäune, an denen spitze Drahtstücke herausragen. Die Tiere könnten sich daran verletzen. Das Flusspferdgehege sei für das Nilpferd-Paar deutlich zu klein. Auch die Raubtiere müssten mehr Platz bekommen und ihr Gehege liebevoller angelegt werden. Des Weiteren stieß Schobesberger die Raubtiershow übel auf, die der Safari Zoo seinen Besuchern anbietet. „Und schließlich finde ich 19 Angestellte für 600 Tiere viel zu wenig", sagt der Österreicher.

Betreiber Mentz habe sich einsichtig gezeigt, so Schobesberger. Der MZ sagte der Zoo-Chef: „Die Zäune sind bereits zum großen Teil niedergerissen worden. Das passierte allerdings nicht auf Drängen der Gruppe, sondern war ohnehin geplant." Nie habe sich ein Tier daran verletzt. Fotos belegen die Arbeiten. Außerdem sei, sagt Mentz und bestätigt Schobesberger, die Erweiterung des Flusspferd­geheges bereits in Gange. Bei der Besichtigung vor Ort waren erste Arbeiten sichtbar.

Den Vertrag mit dem Raubtierdompteur, einem Deutsch-Engländer, hat Mentz nach eigenen Angaben zum Jahresende gekündigt. Auch diese Entscheidung sei bereits vor einiger Zeit nach internen Diskussionen gefallen. In der Facebook-Gruppe wurde diese Neuigkeit sehr positiv aufgenommen. „Raubtiershows waren in den 70er Jahren in Mode, sind aber längst nicht mehr zeitgemäß", sagt Schobesberger. Besucher hätten ihm davon berichtet, dass sie unter Tränen die Show verlassen hätten.

Beim Raubtiergehege gingen die Meinungen der beiden Parteien zwar auseinander. Dennoch hat Mentz auch hier Kooperations­bereitschaft signalisiert. „Mir ist bewusst, dass das Gehege auf Besucher einen traurigen Eindruck macht." Bis Ende September werde er einen Vorschlag machen, wie man das Gehege vergrößern und attraktiver machen könnte, versicherte er.

Der Dialog ist also im Gange, beide Seiten attestieren dem Gegenüber höfliche Umgangsformen. Das nächste Treffen ist für den 2. September vorgesehen. Schobesberger hat bereits von seiner ursprünglichen Forderung nach einer Schließung des Zoos Abstand genommen. Bleibt nur noch ein Problem: Der Österreicher möchte die Facebook-Gruppe in „Wir fordern ein Ende der Missstände im Safari Zoo Mallorca" umbenennen. Doch ab einer Mitgliederzahl von über 250 lässt sich der Name nicht mehr ändern.

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