04. September 2014
04.09.2014
Mallorca Zeitung

Quallen-Alarm auf dem Handy

Die Anwendung iMedjelly wurde in diesem Sommer auf die Balearen ausgeweitet. Derzeit hapert es aber noch daran, dass viele Gemeinden nicht zugeben wollen, dass es an ihren Stränden Glibbertiere gibt

04.09.2014 | 01:00
Quallen-Alarm auf dem Handy
So sieht sie aus, die digitale Version des Warnrufs „¡Hay medusas!?.

Sie sind wunderschön anzusehen, doch die Begegnungen sind meist schmerzhaft. Sobald von den ganz eiligen Strandbesuchern, die kaum angekommen in die Fluten springen, der Warnruf „¡Hay medusas!" kommt, ist es mit dem Badespaß auch schon vorbei. Kaum jemand will schließlich freiwillig ein rotes, brennendes Andenken mit nach Hause nehmen. Um zu wissen, wo bedenkenlos gebadet werden kann, soll künftig ein Blick aufs Handy genügen. Möglich macht es die Smartphone-Applikation iMedjelly, die seit diesem Sommer auch auf Mallorca abdeckt.

Beim Test am Donnerstag (28.8.) gegen 15 Uhr zeigt die Quallen-App für Mallorca eine Warnung an: Am Strand von Sant Elm in der Gemeinde Andratx wurde die Feuer­qualle Pelagia noctiluca gesichtet, also jene Art, die rund um die Insel am häufigsten vorkommt. Für Camp del Mar, Can Picafort und Son Serra de Marina gibt das Mobiltelefon hingegen grünes Licht. Zu rund 20 weiteren bekannten Stränden, etwa in Alcúdia, Pollença und Es Trenc, die auf der Mallorca-Karte markiert sind, liegen derzeit offenbar keine Informationen vor. Weitere Strände und Buchten sind nicht aufgeführt.

„Wir sind noch in der Anfangsphase", sagt Verónica Fuentes vom Meeresforschungsinstitut ICM in Barcelona, das die Applikation im Rahmen des EU-Projekts „Jellyrisk" zusammen mit dem spanischen Wissenschaftsrat CSIC entwickelt hat. Da die Wissenschaftler die Strände nicht selbst nach den unliebsamen Glibbertieren absuchen können, brauchen sie Verbündete. Das können die Gemeinden sein, die einen Mitarbeiter zum täglichen Quallen-Check abstellen, oder auch die Rettungsschwimmer oder Liegenverleiher, egal ob diese bei einer Firma ­angestellt sind oder selbstständig arbeiten. Sie müssen mindestens einmal pro Tag eine Sichtung vornehmen und die erhaltenen Informationen an „Jellyrisk" weitergeben – natürlich nicht, ohne dass sie vorher von den Wissenschaftlern einen Crahkurs in Quallenkunde sowie eine Einweisung in die technischen Tücken des zur Datenübermittlung verwendeten Computerprogramms erhalten.

Man sei deshalb auf Mallorca zunächst von Rathaus zu Rathaus gezogen, um die technische Neuheit anzupreisen, erklärt Fuentes. Doch die Resonanz sei bisher recht gering. „Die Gemeinden zeigen sich oft widerspenstig und wollen nicht zugeben, dass es an ihren Stränden Quallen gibt", sagt Fuentes. Dabei müsse man mit dem Thema offensiv umgehen, um ein effektives Frühwarnsystem aufzubauen. „Es bringt ja nichts, wenn es ein Urlauber erst beim Baden merkt und dann umso verärgerter wieder wegfährt." Das wichtigste sei deshalb, die Strandbesucher rechtzeitig aufzuklären – auch darüber, was zu tun ist, wenn einen die Qualle dann doch einmal erwischt.

Projekt-Koordinatorin Fuentes hofft, dass die Zahl der auf iMedjelly angezeigten Strände schnell größer wird. In Katalonien, wo das Projekt bereits vor vier Jahren startete, ist die Datenbasis inzwischen beachtlich, fast für die komplette Küste sind Informationen verfügbar. „Ich würde mir wünschen, dass es hier nicht so lange dauert." In diesem Jahr gebe es zwar rund um die Balearen bei Weitem nicht so viele Quallen wie 2013. „Aber wer weiß, wie die Lage 2015 ist."

Ein anderes Projekt, das ebenfalls von ICM und CSIC koordiniert wird, und ein Quallenwarnsystem beinhaltet, heißt „Seawatchers" (www.observadoresdelmar.es). Dort können Freiwillige Warnmeldungen anlegen, Nutzer Germán Meisnitzer hat das etwa am Mittwoch (27.8.) für den Strand von Cala Millor getan. „Das ist sinnvoll, weil sich auf diese Weise auch Bürger einbringen können und für die Problematik sensibilisiert werden", sagt Verónica Fuentes.

Der Nutzen dieser eher sporadisch übermittelten Hinweise sei aber vor allem aus wissenschaftlicher Sicht nur gering. „Um künftig sogar Vorhersagen über Quallenströme erstellen zu können, brauchen wir eine breite Datenbasis, die regelmäßig mit aktuellen Informationen gefüttert wird." Und auch, wenn es um das Warnen von Badegästen geht, hat „Jellyrisk" einen wesentlich höheren Anspruch: „Wir wollen den Nutzern der App Info in Echtzeit liefern."

www.jellyrisk.eu
iMedjelly ist sowohl im Appstore als auch bei Google Play verfügbar

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