07. Oktober 2018
07.10.2018

Die vergessenen Tiere von Mallorca

Ob misshandelte Pferde, Hähne aus illegalen Kämpfen oder unrechtmäßig eingeführte Schildkröten: Hunderte von Tieren werden jährlich von der Polizei in den Natura Parc gebracht. Die Justiz zahlt für den Unterhalt. Oder auch nicht

07.10.2018 | 01:00
Gezeichnet: Ein bei Hahnenkämpfen verletzter Gockel nach der Beschlagnahmung durch die Polizei

Pferde, die misshandelt wurden, Hähne, die sich bei illegalen Kämpfen gegenseitig verstümmelt haben, Schildkröten, die zu Hunderten ohne Erlaubnis auf einer Finca gezüchtet wurden – sie alle landen nach Polizei-Einsätzen auf Mallorca seit dem Jahr 2001 im Natura Parc bei Santa Eugènia. Jetzt drohen Futterlieferanten der Einrichtung mit einem Liefer-Boykott. 60.000 Euro soll der Natura Parc den Firmen schuldig sein.

Javier Álvarez, Koordinator des dem Tierheim angeschlossenen Schutzzentrums Cepad, macht dafür die spanische Justizverwaltung verantwortlich. „Die öffentliche Hand schuldet uns 800.000 Euro an Unterhaltszahlungen, die sich über die Jahre durch die Aufnahme von Tieren angehäuft haben, die auf richterliche Anordnung von ihren Besitzern getrennt und zu uns gebracht wurden."

Dahinter stecke ein tiefergehendes Problem: „Bisher ist man sich im Justizministerium offenbar nicht darüber bewusst, dass es nicht dasselbe ist, Dinge zu beschlagnahmen oder lebende Tiere. Denn die laufenden Kosten für den Unterhalt sind hoch." Allein für die 1.200 Schildkröten beispielsweise, die Beamte im Juni auf einer illegalen Zuchtfinca bei Llucmajor einsammelten und in den Natura Parc brachten (MZ berichtete) , fielen im Monat rund 8.000 Euro an Versorgungskosten an. Und mittlerweile seien zusätzlich auch 200 der beschlagnahmten Eier geschlüpft. Ob es letztlich die bisherigen Eigentümer sind, die für die Kosten aufkommen müssen, wird von Fall zu Fall und oft erst nach Jahre andauernden Prozessen geklärt.

„Lange haben wir aus eigenen Mitteln heraus diese Kosten vorgestreckt, aber jetzt geht es wirklich nicht mehr", so Álvarez. Dabei gehe die Zusammenarbeit mit den Justizbehörden über die Aufnahme und Versorgung der Tiere hinaus. „Wir schreiben auch Gutachten über den Zustand der Tiere, helfen mit unserem Fachwissen bei Ermittlungen oder identifizieren exotische Arten." Arbeit, die in den meisten Fällen unvergütet geblieben sei.

Auch in der balearischen Landesregierung ist der Hilferuf von Natura Parc angekommen. „Ministerpräsidentin Francina Armengol hat sich selbst vor Ort von den Engpässen hier überzeugt und sich für uns bei der Justizverwaltung stark gemacht", so Álvarez García weiter. Wie es aussieht, mit Erfolg: Die Justizbehörden sicherten Ende September zu, zumindest einen Teil der 800.000 Euro kurzfristig an Natura Parc zu überweisen. „Damit können wir erst einmal unsere Schulden bei den Futterlieferanten begleichen und ein wenig aufatmen", so Álvarez. Endlich sehe er Licht am Ende des Tunnels. „Ich hoffe, dass dadurch die Justiz auch allgemein wachgerüttelt wird. Das Problem besteht ja in ganz Spanien." Andernfalls behalte sich Natura Parc in Zukunft vor, Tiere aus Strafprozessen abzulehnen. „Wir sind eine private Stiftung und nicht zur Kooperation verpflichtet." Und noch einmal wolle man nicht riskieren, die gesamte Einrichtung fast bankrott gehen zu lassen.

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