21. Januar 2019
21.01.2019

Papierkrieg für die Straßenkatzen von Mallorca

Nach dem langen Kampf von Tierschützern gibt der Inselrat erstmals Hilfen für Sterilisationsprogramme. Doch die Frist läuft bald ab

21.01.2019 | 01:00
Helfer des Kastrationsmobils im Einsatz: Eine Straßenkatze wird für die Sterilisation vorbereitet.

Dass kein Geld für die Kontrolle der Straßenkatzen da sei, dieses Argument hat in den Rathäusern auf Mallorca ausgedient. Erstmals stellt der Inselrat Subventionen bereit, um die Tiere einzufangen, zu kastrieren und zu impfen. Im Topf für dieses Jahr sind knapp 250.000 Euro, gezahlt werden bis zu 5.500 Euro pro Gemeinde, abhängig von der Einwohnerzahl. Damit lässt sich einiges bewirken, wenn man bedenkt, dass eine Kastration einer Privatkatze rund 100 bis 150 Euro kostet. „Wir sind sehr froh darüber, dass endlich etwas herausgekommen ist", so Maxi Lange, Koordinatorin der balearischen Tierschutzdachvereinigung Baldea, über ihre jahrelange, mühevolle Lobby-Arbeit, die im Prinzip schon mit der Gründung von Baldea 2004 begann. Nun haben die Betreuer von Katzenkolonien ein Mittel, Druck auf die Rathäuser auszuüben.

Die Zusage hatte der Inselrat vor inzwischen einem Jahr gemacht, jetzt ist das Subventionsprogramm angelaufen. Es soll ein Kompetenzproblem lösen. Denn offiziell hat der Inselrat keine Zuständigkeit für den Tierschutz. Die Gemeinden ihrerseits klagen über fehlende Haushaltsposten. Baldea klappert deswegen seit Jahren mit einem Kastrationsmobil Gemeinden ab, mit denen Kooperationsabkommen bestehen, und organisiert zusammen mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort die Kastration der Straßenkatzen. Das Prinzip heißt CES (captar, esterilizar, soltar, auf Deutsch: fangen, sterilisieren, freilassen). Das Verfrachten in Auffanglager sei dagegen keine Alternative, betont Lange: Die verwilderten Tiere seien weder für ein Leben in Gefangenschaft geeignet, noch vermittelbar und würden deswegen letztendlich meist eingeschläfert.

So wie die bisherige Zusammenarbeit mit den Gemeinden unterschiedlich gut funktioniert, müssen die Tierschützer in jeder Gemeinde jetzt hoffen, dass im Rathaus die Hausaufgaben erledigt werden. Denn die Beantragung der Gelder ist mit allerhand Papierkrieg verbunden, und die Frist dafür läuft bis zum 29. Januar. Ohnehin ärgert sich Lange, dass der Inselrat die Vergabe der Subventionen langfristig angekündigt habe: Einige Gemeindeobere hätten in Erwartung der Hilfen erst mal die Hände in den Schoß gelegt.

Wer die Sterilisation letztendlich übernehme, sei nicht maßgebend, meint Schatzmeisterin Petra Steiner. „Wir von Baldea wünschen uns, dass in jeder Gemeinde aktive Gruppen oder Vereine mit den ortsansässigen Tierärzten zu Tierschutzpreisen diese Arbeit übernehmen." Dort, wo dies nicht möglich sei, werde Baldea nach wie vor die Lücke füllen und mit seinem Sterilisationsmobil kommen.

Mit dem Geld des Inselrats, das auch für Kampagnen oder Workshops fließen darf, muss in jedem Fall gut gewirtschaftet werden: Je nach Einwohnerzahl sind zwischen 1.500 und 5.500 Euro für das gesamte Jahr abrufbar, hinzu kommen 536 Euro für Ortsteile. Palma ist wegen eigener Zuständigkeiten nicht im Subventionsprogramm inbegriffen. Der Erfolg hängt aber nicht nur vom Geld und dem guten Willen der Bürgermeister sowie gerade der verantwortlichen Gemeindeangestellten ab, sondern auch von den Privatleuten: Jede Hauskatze, die Auslauf auf der Straße habe, müsse noch vor dem ersten Wurf kastriert werden, fordert Lange – nicht erst dann, wenn Herrchen und Frauchen nicht mehr wissen, wohin mit den Katzenbabys.

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