13. Juni 2019
13.06.2019

Die deutsche Falknerin von Mallorca zeigt ihre Kunst

Seit 2016 arbeitet die Münchnerin Laura Wrede auf der Insel in dem Metier. Was sie im islamisch geprägten Katar gelernt hat, führt sie am Samstag (15.6.) in einer passenden Umgebung vor

13.06.2019 | 01:00
Laura Wrede mit ihrem zwei Jahre alten Wanderfalken Athena.

Es war eine kurze Nacht für Laura Wrede (34). Um Viertel vor fünf am Donnerstagmorgen (6.6.) hat sich die Falknerin von ihrem Haus an der Costa de la Calma auf den Weg in die Tramuntana gemacht, um einen Ausreißer einzufangen. „Ich war gestern Abend mit einem Freund in den Bergen, um unsere Falken zu trainieren", sagt sie. Beim gemeinsamen Ausflug hatte der Vogel des befreundeten Kollegen einen Abflug gemacht. „Per GPS haben wir ihn über Orient bis nach Alaró verfolgt. Dann ist er auf einen Berg geflogen, auf dem wir ihn nicht mehr mit dem Auto folgen konnten." Erst in den frühen Morgenstunden kehrte er zurück. „Wild", so der passende Name des Vogels, landete auf der mitgebrachten Beute-Attrappe.

Falknerei hat die gebürtige Münchnerin in Katar gelernt, nachdem sie 2011 wegen eines Jobangebotes in das arabische Land gezogen war. Über ihre Erfahrungen hat sie das Buch „Laura von Arabien – Allein unter Männern" geschrieben (316 Seiten, ab 15 Euro, erschienen im Bastei Lübbe Verlag), aus dem sie am 15. Juni ab 17 Uhr auf dem historischen Anwesen Sollerich vorliest (Anmeldungen unter www.laura-wrede.com, 45 Euro).

In ihrem Buch thematisiert sie auch die negativen Erfahrungen, die sie in dem islamisch geprägten Land gemacht hat. Die Jagd mit Falken ist dort eine Männerdomäne. „Anfänglich schlug mir Hass entgegen, es gab Morddrohungen", sagt Laura Wrede. Sie ist trotzdem dabeigeblieben und hat sich den Respekt der Falkner verdient. „Die Gefühle schlugen nach einiger Zeit um in eine familiäre Liebe", sagt sie. Die Krönung ihres Aufenthaltes war, als sie 2015 als erste und einzige Frau am Al Galayel, der größten Falkenjagd auf der arabischen Halbinsel, teilnehmen durfte, bei dem sie außerhalb der Konkurrenz antrat.

Bis 2016 blieb sie in Katar, dann zog sie nach Mallorca, ihre Eltern hatten ein Haus in Santa Ponça. Laura Wrede arbeitet auf der Insel als Falknerin und sorgt unter anderen einmal die Woche mit einem Kollegen dafür, dass sich der Vogelbestand am Flughafen in Grenzen hält. „Dabei reicht es schon, wenn die Falken Präsenz zeigen." Außerdem ist sie als PR-Beraterin für internationale Firmen unterwegs.

Dass sich der Großteil von Laura Wredes Leben um Vögel dreht, bekommt man als Gast schon an der Eingangstür mit. Ihr Rabe Alfred hat dort seine Außenvoliere und begrüßt Gäste, indem er weiße Kieselsteine in den Drahtzaun steckt. „Raben", sagt sie, „sind schlauer als Hunde" – von denen sie auch zwei hat. Wenn sie mit ihrem Auto unterwegs ist, lässt sie ihren Raben manchmal fliegen, er bleibt immer in der Nähe. „Alfred ist ein Haustier und ein sehr soziales Wesen", sagt sie. Er wolle mit zur Familie gehören. Das sei bei ihren Wanderfalken anders.

Carlos und Athena sitzen etwas weiter unten im Garten auf zwei emporgehobenen Steinen, an denen sie mit einer kleinen Leine befestigt sind. Sie brauchen mindestens eineinhalb Meter Abstand zueinander. „Wenn ich sie nur einen Zentimeter enger zusammenstelle, fängt Carlos an zu schreien", sagt sie. Falken sind Einzelgänger und reviergebunden. Carlos und Athena und haben jeweils ein kleines Wasserbad vor sich. Ihre Augen glänzen so dunkel wie ihre schwarzen Krallen. Das Zusammenspiel mit ihrer Flugkunst entscheidet über den Jagderfolg. „Es sind keine Tötungsmaschinen", sagt Laura Wrede, wie kürzlich in einem Bericht über sie zu lesen war. Falken fliegen nur, wenn es sich auch lohnt. Das heißt, sie greifen an, wenn sie ein schwaches oder krankes Tier beobachten. Den Rest des Tages ruhen sie. „Geduld ist eine Sache, die ich von den Tieren gelernt habe", sagt sie.

Mindestens jeden zweiten Tag geht sie mit ihren Falken auf die Jagd. „Mallorca hat einen extrem guten Wildbestand", sagt die überzeugte Jägerin. Deutschland könne da nicht mithalten. Die Rebhühner, Fasane oder Hasen, die ihre Vögel schlagen, bereite sie im Ofen zu und isst sie selbst. „Ich bin eine sehr bewusste Fleischesserin und gegen Massentierhaltung." Für die Falken gibt es als Belohnung eine Taube, die sie ebenfalls im Garten hält und schlachtet. „Das heißt Abnicken und besteht hauptsächlich aus Drehen und Ziehen." So sei nun mal der Lauf der Dinge.

Dazu gehören in der Falknerei auch Flugunfälle, ihr Vogel Catalina ist 2017 gestorben. „Sie ist mit einem Rebhuhn zusammen­stoßen." Das sei mit einem Autounfall zu vergleichen, das Tier war zu dem Zeitpunkt gut 200 km/h schnell und verendete an inneren Blutungen. Gefährlich werden könnten für die Vögel auch Hochspannungsleitungen, in Deutschland müsse man vor allem auf Windräder aufpassen.

Mit ihrem drei Jahre alten Carlos bereitet sie gerade ihr kommendes Event in Sollerich vor. Neben der Lesung, einer Führung über das Gelände und einem Violinkonzert soll ein Federspielflug stattfinden, bei dem Carlos auf eine Beute-Attrappe fliegt. Die zwei Jahre alte Athena ist derzeit in der Mauser und muss sich etwas schonen. In dieser Zeit werfen die Tiere alte Federn ab, neue wachsen nach. „Auch eine Sache, die ich von den Vögeln gelernt habe", sagt Laura Wrede. „Man sollte sich nicht zu sehr ans Materielle klammern und lieber mal eine Feder lassen, um besser fliegen zu können."

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