26. Juli 2020
26.07.2020
Mallorca Zeitung

So gelingt das perfekte Foto unter Wasser

In einem Fotowettbewerb sucht die Fundación Marilles die besten Bilder des Meeres rund um Mallorca. Die MZ hat bei einem Experten ein paar Anfängertipps eingeholt

26.07.2020 | 01:00
Der "Aidablennius sphynx", umgangssprachlich Sphinx-Schleimfisch, lebt in Küstennähe.

Die NGO Fundación Marilles will mit dem Fotowettbewerb „Mare" das Meer rund um Mallorca in den Blickpunkt rücken. Die MZ hat beim Unterwasserfotografen Joan Sans nachgefragt, wie sich die besten Schnappschüsse unter der Meeresoberfläche machen lassen. Der Grundschullehrer aus Capdepera war 2018 spanischer Meister.

Wie wird man spanischer Meister?
Bei den Wettbewerben hat man fünf Stunden Zeit, um so viele Fische wie möglich zu fotografieren. Dafür muss man die Fischarten und ihre Gewohnheiten kennen. Danach spielt auch die Qualität der Fotos eine Rolle. Die Fotografen sind Apnoetaucher, verlassen sich also nur auf ihre Atemluft. 2018 habe ich auf Ibiza gewonnen. Spanien ist gemeinsam mit Italien sozusagen die Weltmacht in der sportlichen Unterwasserfotografie. In Malta gab es mal den Versuch, eine Europameisterschaft zu organisieren. Es scheiterte daran, dass Spanien und Italien unterschiedliche Regeln haben.

Was war Ihr bestes Foto?
Ich habe ein paar gute Schnappschüsse von Korallen-Grundeln. Die leben in Höhlen und waren nur fünf, sechs Millimeter groß. Darauf bin ich ziemlich stolz. Biologen haben mir gesagt, dass es ziemlich schwer ist, die Tiere zu sehen. Umso schwerer ist es, von ihnen ein gutes Foto in ihrer natürlichen Umgebung zu machen.

Was begeistert die Menschen an der Unterwasserfotografie?
Sie gibt einen Einblick in eine Welt, die die Leute für gewöhnlich nicht zu Gesicht bekommen. Vor der Präsentation des Fotowettbewerbs habe ich mit einer Kollegin ein Probeshooting in einem Teich in der Nähe der Bucht von Palma gemacht, wo im Prinzip jeder schwimmen gehen kann. Wir haben so viele farbenprächtige Tierchen gesehen. Das hat die Leute verblüfft.

Was sind die Herausforderungen für die Fotografen?
Anfängern fällt es zu Beginn oft schwer, die nötige Ruhe zu haben. Beim Luftanhalten unter Wasser können sie sich nicht auf das Fotografieren konzentrieren. Ich rate dazu, beim ersten Mal ohne Kamera loszuziehen und sich an das Tauchen zu gewöhnen. Dadurch kann man auch das Meer auskundschaften und mögliche Motive ausfindig machen. Es ist auch wichtig, dass man seine Kamera gut kennt. Besonders wenn man die Einstellungen unter Wasser ändern will. Beim Apnoetauchen muss alles sehr schnell gehen. Da haben wir pro Tauchgang meist nur zwei Minuten Zeit. Eine Alternative ist ein Schnorchel. Man kann fantastische Fotos in Küstennähe schießen. Heutzutage kann jeder tolle Unterwasserfotos machen. Dafür ist nur etwas Geduld nötig. Das Motto ist: Was heute nicht klappt, klappt vielleicht morgen. Man darf nicht darauf drängen. Sonst kommen nur Fotos von den Schwanzflossen der Fische raus. Man muss einfach darauf warten, dass die Fische zu einem kommen.

Wäre eine Sauerstoffflasche für die Tauchgänge nicht hilfreich?
Ich habe den Tauchschein, bin aber so gut wie nie mit der Flasche getaucht. Ich fühle mich damit wie eine Schnecke. Ich trage zu viele Sachen mit mir rum. Zudem halten die Sauerstoffflaschen nur anderthalb Stunden und wir sind oft länger unterwegs.

Bei der Fotografie ist das Licht wichtig. Wie funktioniert das im Meer?
In der Nähe der Meeresoberfläche reicht die Sonne als Lichtquelle manchmal aus. Ohne zusätzliche Lichtquelle kann man ansonsten auch schöne Fotos vom Ambiente machen: eine hübsche Felsenformation, vielleicht ein Seestern. Wenn man Fische in der Tiefe fotografieren möchte, kommt man um eine Leuchte nicht drum herum.

Verängstigt das nicht die Fische?
Einige Arten schon, die meisten aber eher nicht. Besonders die Fische, die nicht in Küstennähe leben und nicht an den Menschen gewöhnt sind, erschrecken sich nie. Richtig scheu sind Raubfische in Höhlen. Die bekommt man mit einem Blitz nicht vor die Linse. Dort kann ein rötliches Licht Abhilfe bringen. Das stört sie weniger.

Welche Kamera empfehlen Sie Anfängern?
Wir empfehlen die TG-Reihe der Marke Olympus. Das sage ich Ihnen, ohne dass ich ein Sponsoring-Vertrag mit denen habe. Das neueste Modell ist die TG-6. Die ist auch ohne Extra-Gehäuse wasserdicht und somit kompakter. Sie hat ein sehr gutes Makroobjektiv und ist für Großaufnahmen geeignet. Für den Anfang ist die super. Die Kamera kann man für 400 Euro oder sogar günstiger kaufen.

Jedes Handy hat eine Kamera und es gibt wasserdichte Hüllen. Ist das zu empfehlen?
Es ist praktisch, wenn bei der Kamera die verschiedenen Knöpfe voneinander getrennt sind. Das ist bei kleinen Exemplaren oder dem Handy nicht der Fall. Da ist es dann schwierig, sich auf das Motiv und nicht die ganze Zeit auf die Kamera zu konzentrieren. Für ein Erinnerungsfoto unter Wasser im Urlaub kann das Handy aber eine gute Möglichkeit sein. Wobei der Touchscreen mit einer Hülle oft nicht funktioniert.

Was ist das begehrteste Motiv auf Mallorca?
Seepferdchen sind sehr selten. Die Fotografen freuen sich schon jedes Mal, wenn sie nur eines sehen. Die Tierchen verenden leider oft in den Fischernetzen. Zudem leben sie in den Seegraswiesen, die in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Ich habe noch nie eines auf Mallorca vor die Linse bekommen. Freunde haben mal welche neben dem Hafen von Port Adriano entdeckt. Die Seepferdchen sind oft gar nicht so tief unterwegs. Sie suchen sich ruhige Gegenden, in denen es oftmals viele Sedimente im Wasser gibt. Um die Tiere zu sehen, muss man aber am frühen Morgen vor den vielen Urlaubern da sein. Ich persönlich bin auch ein Fan von den Raubfischen in den Höhlen.

Was ist der perfekte Ort für ein Siegerfoto?
Das hängt immer davon ab, was man sucht. Manchmal hat man das perfekte Fotomotiv am Strand vor der Tür. Ein Siegerfoto lässt sich schwer beschreiben, da die Richter oftmals unterschiedliche Vorlieben haben. Viele Fische lassen sich natürlich in den Naturschutzgebieten antreffen. Cala Lliteras ist ein beliebter Ort. Cabrera ist für die Unterwasserfotografie ein kleines Paradies. Aber da kommt man nur mit einem Boot hin.

Der Fotowettbewerb steht allen Profi- und Hobbyfotografen offen. Die Bilder können bis zum 31. Oktober unter marebalear.org eingereicht werden. Es gibt fünf Kategorien: Pflanzenwelt, Meereslandschaft, Blick von außerhalb, Tiere sowie Mensch und Meer. Die Teilnahme kostet 10 Euro, bis zu 15 Fotos können eingereicht werden. Erwachsene können 1.000 Euro gewinnen, Kinder eine Kamera. Die Fotos werden in einer Ausstellung gezeigt.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Mallorca-Themen von A bis Z

Mallorca-Themen von A bis Z

MZ-Artikel, geordnet nach Themengebieten

Alphabetische Liste: Von Air Berlin über Kongresspalast bis Wandern

 

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |