22. Februar 2021
22.02.2021
Mallorca Zeitung

Was tun nach der Begegnung mit Mallorcas Fiesling Nummer eins

Juckreiz, Pickel, Atemnot: Wie man sich nach einer ungewollten Begegnung mit den Prozessionsspinner-Raupen verhalten sollte, welche Medikamente Hautärzte empfehlen – und in welchen Fällen nur noch das Aufsuchen der Notaufnahme hilft

22.02.2021 | 01:00
Prozessionsspinner-Raupen auf Wanderung.

Ob auf Wander- und Gehwegen, Spielplätzen, in Parks oder Gärten: Seit Kurzem sind auf ­Mallorca wieder die lästigen Prozessionsspinner-Raupen (procesionarias, span.) auf Wanderschaft. Wie jedes Jahr um diese Jahreszeit ­klettern sie aus ihren Nestern in den Kronen der Aleppo-Kiefern (pinus halepensis, bot.) und ­kriechen gen Boden. So manchem Passanten fallen sie auch deshalb auf, da sie sich gern zu langen Ketten oder „Prozessionen" aneinanderreihen – daher auch ihr Name.

Manche Menschen kommen den Tieren aber auch so nahe, dass sie Spuren bei ihnen hinterlassen – genauer gesagt ihre Härchen. „Je windiger es ist, desto mehr Härchen lösen sich und können auf unserer Haut oder in den Augen landen – oder noch schlimmer: Wir atmen sie ein", so Beatriz Bartolomé, Hautärztin im Krankenhaus in Inca. Dann wird's ungemütlich: Starker Juckreiz, Pickelchen, geschwol­lene und gereizte Augen, ein geschwollener Mund und in ganz schweren Fällen Atemnot und Unwohlsein zeigen, dass man den fiesen Tierchen zu nahe gekommen ist.

Bloß nicht kratzen!

Wer sich dann aus Reflex kratzt, riskiert, dass die für das bloße Auge unsichtbaren Härchen noch tiefer in die Haut gelangen, so die Dermatologin. Stattdessen sollte man versuchen, den Juckreiz auszuhalten und sofort handeln: die Kleidung ausziehen, gut schütteln und waschen. Am besten direkt unter die Dusche, ohne sich den Körper abzureiben, empfiehlt Bartolomé. Auch die Haar waschen! Wer dann noch Juckreiz verspürt, sollte eine Kortisonsalbe auf die betroffenen Stellen auftragen. Die Ärztin empfiehlt etwa Betametasona.

Breiten sich die geröteten Stellen weiter aus oder betreffen eine große Fläche, sollte man einen Arzt aufsuchen. Auch bei geschwollenen Augen oder anderen Körperteilen ist der Gang in die Notaufnahme ratsam. Wer den Juckreiz nicht aushält, kann ein Antihistaminikum einnehmen. „Gut zu bekommen und preisgünstig ist etwa Cetirizin", so Bartolomé. Auch Polaramine könne eine Alternative sein. „Es macht allerdings schläfrig. Für jemanden, der gerade beim Wandern ist und danach noch heimfahren muss, eignet es sich eher nicht", so die Fachfrau. Cortison könne in einigen schwereren Fällen auch oral eingenommen werden, etwa das Präparat Urbason.

In leichten Fällen halten die Symptome nur einige Stunden an, in schweren können es schon einmal bis zu zehn Tage sein.

Hunde an der Leine halten

Um den Kontakt mit den lästigen Tierchen zu meiden, sollten sich Insulaner vor allem an windigen Tagen nicht in der Nähe von Kiefern aufhalten. Auch spielende Kinder und Hunde sollten unbedingt von den procesionarias ferngehalten werden. „Hunde schnuppern bekanntlich an allem. Sehen sie die Raupen, nähern sie sich ihnen mit ihrer Nase", so ­Bartolomé. Schon wenig später würden auch sie sich wie verrückt kratzen. Ein Besuch beim Tierarzt ist dann Pflicht. Damit die Hunde erst gar nicht auf die Idee kommen, die scheinbar flauschigen Tiere zu fressen, sollten Besitzer ihr Haustier in diesen Monaten immer an der ­Leine halten, empfiehlt Luis Nuñez vom balearischen Umweltministerium.

Wer derzeit draußen unterwegs ist, ist zudem gut beraten, etwas Langärmeliges zu tragen sowie seinen Hals und alle anderen Stellen des Körpers zu bedecken, an die Härchen gelangen könnten. Wanderer können sich neben einer Brille auch mit einer Mütze schützen und sollten ihre gesamte Kleidung in jedem Fall später gut ausschütteln, so Bartolomé.
Wer auf die lästigen Tierchen aufmerksam wird, sollte das Weite suchen und sie in keinem Fall anfassen – im absoluten Notfall mit einem Stock vorsichtig entfernen, falls sie einem etwa auf den Schoß gekrabbelt sind, so Nuñez. Wer sie aus Versehen angefasst hat, sollte, wenn möglich, umgehend Wasser über seine Hände laufen lassen. Auch hier die Hände bitte nicht aneinanderreiben!

Wäsche drinnen trocknen

Wer auf dem Land wohnt, sollte in den „heißen Monaten" der lästigen Raupe (etwa Januar bis April) darauf achten, gewaschene Wäsche nicht direkt in der Natur auf die Leine zu hängen. Sonst können sich die Härchen der Raupen in der Kleidung verfangen – und beim nächsten Anziehen erlebt der Träger eine böse Überraschung. Und wenn der Platz im Garten noch so schön ist: Wer dort einmal eine oder mehrere Raupen gesehen hat, sollte sich auf keinen Fall dort niederlassen und stattdessen einen Gärtner zu Rate ziehen.


Die Raupe von A bis Z
Unter http://www.caib.es/sites/sanitatforestal/es/pagina_inicial-36590/?campa=yes hat das balearische Umweltministerium Material zum Umgang mit den Raupen zusammengestellt. Für Hausbesitzer, die öfter 
mit den Raupen zu tun haben, empfehlen sich die Karten unter http://www.caib.es/sites/sanitatforestal/es/calendario_de_actuaciones-23616/. Sie zeigen, wann wie gegen die Tiere 
anzukämpfen ist. Weitere Ratschläge sowie eine Telefonnummer der zuständigen Abteilung des Umweltministeriums
von Raupen sowie auch Haustieren, die mit ihnen in Kontakt waren, finden sich unter bit.ly/BilderRaupen
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