06. März 2021
06.03.2021
Mallorca Zeitung

Stare sind die wahren Stars am Himmel über Mallorca

Wenn die Vögel riesige Schwärme bilden, ist das ein einzigartiges Naturschauspiel, aber auch Strategie zum Überleben

06.03.2021 | 01:00
Am besten gefällt es den Staren auf der Insel im Feuchtgebiet S'Albufera. Wegen der Folgen des Waldbrandes Ende 2020 haben sich viele Tiere dieses Jahr andere Gebiete zum Überwintern gesucht.

Wer in diesen Wochen bei Sonnenuntergang auf der Schnellstraße nach Andratx unterwegs ist, kann mitunter zwischen Palma de Mallorca und Magaluf ein einzigartiges Naturschauspiel miterleben: Allabendlich tun sich am Himmel Tausende von Staren zu einer riesigen Gruppe zusammen. Die Vögel ändern plötzlich, aber koordiniert ihren Kurs und sorgen so für faszinierende Formen am Himmel. Immer wieder wurden in den vergangenen Wochen Fotos und Videos von dem Tanz am Himmel in den sozialen Netzwerken geteilt.

„Wir sind es eben nicht gewohnt, solche riesigen Gruppen von Vögeln zu sehen, die sich noch dazu so eindrucksvoll synchron bewegen", meint Manolo Suárez vom mallorquinischen Umweltschutzverband Gob. Bei den Tieren handle es sich um Gemeine Stare (Sturnus vulgaris, lat., estornino pinto, span.). Die Zugvögel fliegen von Zentraleuropa, wo sie sich fortpflanzen, wegen der Nahrungsknappheit im dortigen Winter jedes Jahr ab Oktober gen Süden.

Auf ins Feuchte

„Sie mögen Feuchtgebiete und Schilf und steuern auf Mallorca normalerweise die S'Albufera an", erklärt Ivan Ramos von der balearischen Artenschutzbehörde. Doch nach einem großflächigen Brand in dem Feuchtgebiet im Herbst vergangenen Jahres habe sich die Vegetation dort noch nicht wieder vollends erholt. „Weite Teile des Schilfs sind abgebrannt, und die nachgewachsenen Pflanzen sind noch nicht groß und dicht genug, als dass die Stare darin
schlafen könnten", so Suárez. Also hat sich ein Großteil der Tiere in diesem Jahr woanders auf der Insel niedergelassen. Neben Magaluf haben Tausende Stare etwa auch nahe Bunyola überwintert sowie im Stadtgebiet von Palma, in Parks oder auf Bäumen am Straßenrand, weitab von Feinden wie Wander- oder Turmfalken. Wer morgens aufwacht und sein Auto voller Vogel-Exkremente vorfindet, weil er es unter einem Baum oder nahe einer Straßenlaterne geparkt hat, habe den Beweis, so Ramos.


Schwarm als Schutz

Die tanzenden Schwärme bekommt man meist nur vor Sonnenuntergang zu sehen. „Morgens verteilen sich die Stare auf der ganzen Insel und gehen in Kleingruppen auf Nahrungssuche", sagt Ramos. Besonders wählerisch sind die Tiere dabei nicht. „Sie fressen Schnecken, Käfer, Würmer, Samen wie auch Pflanzenrückstände oder Früchte, etwa Trauben", so der Experte.

Neigt sich der Tag dem Ende entgegen, schließen sich die kleinen Gruppen dann wieder zu einer größeren Gruppe zusammen und suchen den Schlafplatz auf. Was die Aufmerksamkeit von so manchem Insulaner weckt, hat vor allem eine Funktion: Verteidigung gegenüber Feinden – denn die sind stets präsent.

Was vom Boden aus schön anzuschauen ist – ähnelt die Form des Schwarms nicht gerade einem Herzen? –, bedeutet für die Tiere oftmals den Kampf um Leben oder Tod. „Wenn die Vögel plötzlich nach oben, dann wieder nach unten fliegen, sich der Schwarm teilt und ein Teil in eine andere Richtung abbiegt, ist ein Feind in der Nähe", weiß Suárez. Wer ganz genau hinschaut, könne häufig in der Nähe kreisende Falken oder andere Raubvögel ausmachen.

Je mehr Stare sich zusammentun und je enger sie beieinander fliegen, desto schwerer fällt es dem Beutegreifer, ein einzelnes Tier zu fixieren und zu schnappen. „Der Angreifer wird versuchen, einzelne Exemplare von der Gruppe abzutrennen, um sich dann auf ein besonders schwaches oder verwirrtes Tier zu stürzen und es zu jagen", so Suárez. „Es ist ähnlich wie bei Fischschwärmen, die sich durch das Zusammentun zu einer großen Gruppe etwa vor Haiangriffen schützen wollen. Auch der Hai sieht sein Opfer dann nicht klar vor Augen." Sowohl Fische als auch Stare bewegen sich im Schwarm anhand ruckartiger Bewegungen fort, die sich von Sekunde zu Sekunde ändern können.

Hier gibt's was zu sehen

Auch wenn man als Autofahrer den Eindruck haben kann, dass die Stare gefährlich nahe über einem fliegen, müsse man keine Angst haben und solle sich besser nicht ablenken lassen. „So tief sinken die Vögel nicht. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Schwarm mit einem Auto zusammengestoßen ist", so Suárez. Allenfalls Stromkabel seien den Tiere ab und an im Weg.

Bestaunen lässt sich das Tanzspektakel am besten als Fußgänger oder Ausflügler – Perspektiven bieten etwa die Beobachtungsposten in der S'Albufera, und zwar die offenen ohne Dach. Auch wenn das Feuchtgebiet in diesem Jahr nicht Hunderttausende Stare aufsuchen, gebe es dennoch genügend, die man bei den Formationsflügen beobachten könne. Zahlen darüber, wie viele genau Jahr für Jahr nach Mallorca kommen, haben beide befragte Experten nicht parat. Da die Art nicht vom Aussterben bedroht sei und nicht unter besonderem Schutz stehe, gebe es wenig Forschung zur Population.

Viel Zeit, um sich das Spektakel live anzuschauen, bleibt nicht mehr. „Die meisten Stare sind schon wieder zurück", so Suárez. Zumindest die größeren Gruppen werde man schon ab März nicht mehr sehen.

Digitaler Vogeltanz
Wer das Spektakel nicht live zu Gesicht bekommt, wird unter diesen Adressen im Netz fündig: 
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