13. April 2021
13.04.2021
Mallorca Zeitung

Quallen auf Mallorca: Früher und größer als sonst, aber nicht ungewöhnlich

Die Nesseltiere werden derzeit an vielen Stränden angeschwemmt. Antoni Grau, Generaldirektor für Fischerei im balearischen Landwirtschaftsministerium, hilft bei der Einschätzung

13.04.2021 | 16:36
Eine Leuchtqualle am Strand von Es Llombards auf Mallorca. Das Bild stammt von MZ-Leser Kai Zahn.

Die Quallen die dieser Tage an vielen Stränden rund um Mallorca angeschwemmt werden, dürften der Insel noch einige Wochen erhalten bleiben. Die Nesseltiere würden dieses Jahr etwas früher und auch größer als sonst angespült, sagt gegenüber der MZ Antoni Grau, Generaldirektor für Fischerei im balearischen Landwirtschaftsministerium. Wirklich außergewöhnlich sei das Phänomen aber nicht.

In den vergangenen Tagen waren große Quallen-Schwärme etwa vor Cala Ratjada und Can Picafort (an der Ost- und Nordküste), in der Cala Llombards (Südküste) sowie im Südwesten vor Santa Ponça und Port Adriano gesichtet worden. Zumeist handelt es sich dabei um die sogenannten Leucht- oder Feuerquallen (Pelagia noctiluca, lat.). Eine Berührung mit ihren Tentakeln kann zu heftigen Hautreaktionen führen. 

Lesen Sie hier: Erst Hilfe bei Quallen-Kontakt 

"Das einzig Überraschende ist für mich, dass die Leuchtquallen dieses Jahr größer sind als in vergangenen Jahren und etwas früher als sonst aufgetaucht sind", so Antoni Grau. "Gewöhnlich werden sie im Mai gesichtet, dieses Jahr gab es bereits im März die ersten Exemplare." Während die Tiere in Vorjahren eher eine Durchmesser von fünf bis zehn Zentimetern hatten, seien viele angeschwemmte Exemplaren nun eher 15 bis 18 Zentimeter groß.  

Die Tiere würden durch Wetterphänomene, etwa Stürme oder Strömungen, an die Küsten geschwemmt. "Von dort kommen sie dann nur schwer wieder weg. Die Quallen können sich zwar vertikal gut hin- und herbewegen, jedoch nicht in der Horizontalen. Gegen Strömungen etwa kommen sie kaum an", sagt Grau.


Tagsüber halten sich die Tiere normalerweise in einer Tiefe von rund 300 Metern auf. Nachts schwimmen sie auf der Suche nach Nahrung in Richtung Wasseroberfläche. So könne etwa ein Sturm sie von dort aus in Richtung Küsten getrieben haben.

An den Stränden von Mallorca bleiben sie nun, bis sie von Fischen gefressen werden oder sterben. "Leuchtquallen kommen monatelang ohne Essen aus. Wir denken, dass große Gruppen von ihnen bis Mai oder sogar Juni überleben werden, da sie so widerstandsfähig sind", sagt Grau. Die Situation erinnere ihn an 2013 und 2014, als besonders vor der Tramuntana-Küste größere Schwärme auftraten. In den darauffolgenden Jahren war es etwas ruhiger um die Plagegeister geworden. 

Neben den Leuchtquallen, die am bekanntesten und wegen ihres Vorkommens im Frühling und Sommer am problematischsten für Badegäste sind, treiben im Meer vor Mallorca noch weitere Quallen-Arten. Dazu gehören die vor allem im September und Oktober angespülten Spiegelei-Quallen (Cotylorhiza tuberculata, lat.), die meist im Sommer angetriebene Lungenqualle (Rhizostoma pulmo, lat.) sowie die nur ein paar Zentimeter große Segelqualle (Velella velella, lat.), die im Winter und im Frühling bis an die Küste gelangt. 

Und dann ist da noch die giftige Portugiesische Galeere (Physlia physalis, lat.), die im Frühling immer mal wieder gesichtet wird. "Durch die Meerenge von Gibraltar kommen zunehmend mehr davon hierher. Mit der steigenden Wassertemperatur sterben sie dann im Juni. Das ist der einzige Vorteil", sagt Grau. An der Küste von Formentera habe man in diesem Jahr schon einige der Tiere gefunden. "Vor Mallorca, soweit ich weiß, noch nicht", so der Experte. /sw

Hintergrund: Darum gibt es manchmal so viele Quallen vor Mallorca

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