KIOSK

Mallorca Zeitung

Wie die extreme Hitze den Landwirten auf Mallorca zu schaffen macht

Die lange Hitzewelle in diesem Sommer bleibt nicht folgenlos. Landwirte befürchten schlechte Ernten – und sorgen sich mittelfristig um ihre Existenz

Die Hitze macht den Landwirten auf Mallorca zu schaffen. Die Ernte fällt deutlich weniger üppig aus. Tomeu Obrador

Die längste Hitzewelle seit Aufzeichung der Wetterdaten – und eine gefühlte Ewigkeit lang kein Regentropfen. Für die Landwirte auf Mallorca ist es in diesem Jahr kein einfacher Sommer. „Der Klimawandel ist unbestreitlich da, er beeinflusst die Produktion jeglicher landwirtschaftlicher Bereiche auf Mallorca. Und jedes Jahr wird es extremer“, sagt Sebastià Ordinas von der Landwirtevereinigung Unió de Pagesos. Er ist besorgt: „Auf Dauer könnte uns das das Genick brechen.“

Dabei sei die Trockenheit im Sommer gar nicht das Hauptproblem, erklärt Joan Simonet von der Vereinigung junger Landwirte (ASAJA). „Im Juni und Juli soll es ja gar nicht regnen. Und es braucht Sonne. Aber die ausgeprägte Hitze dieses Jahr macht uns zu schaffen, in Kombination mit dem viel zu warmen Frühling. Ein paar Tage 38 bis 40 Grad sind normal, nicht aber diese wochenlange Hitze.“ Klar, dass die angebauten Pflanzen darauf reagierten. „Die Getreideernte war sehr seltsam. In manchen Orten reifte das Korn nicht gut heran, in anderen ja“, so Simonet.

Unförmige Melonen

Auch der Anbau von Obst und Gemüse leide unter dem Klima, berichtet Miquel Serra von dem Zusammenschluss ökologischer Landwirte (APAEMA). „Viele Tomaten- und Zucchinipflanzen sind zwar erblüht, haben dann aber keine Früchte bekommen. Und bei den Früchten, die gewachsen sind, ist oft die Haut beschädigt von der Hitze.“ Ähnliches sei bei Paprika, Auberginen, Honig- und Wassermelonen zu beobachten. „Bei Wassermelonen kommt es teilweise zu richtigen Deformierungen, trotz ständigen Gießens“, so Serra.

Die Weinreben seien da resistenter. „Die halten die Hitze aus. Aber wir mussten die Lese vorverlegen, da die Trauben schon gereift sind“, so Serra. Viele Winzer seien gerade dabei, die Früchte einzuholen. „Eine so frühe Weinlese habe ich noch nicht erlebt“, betont Serra weiter. Dass die vorgezogene Ernte allein die Auswirkungen der Hitze abfedert, glaubt Sebastià Ordinas nicht. „Es ist noch zu früh für ein Fazit, aber nach diesem Sommer kann die Weinlese nicht so üppig ausfallen wie in normalen Sommern. Auch Trauben brauchen Wasser zum Leben. Bekommen sie das nicht, sind die Früchte kleiner und weniger ertragreich.“

Gute Nachricht: Weniger Plagen

Gleiches gelte für andere Pflanzen, die nicht gegossen werden, sondern die Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen. Oliven-, Feigen- und Mandelbäume beispielsweise. „Die Mandelernte steht noch bevor, aber es sieht nicht sonderlich gut aus”, sagt Joan Simonet. Auch für die Oliven prophezeit er nichts Gutes. „Wir haben schon beobachtet, dass einige Olivenbäume vertrocknete Früchte abgeworfen haben.“ Einziger positiver Effekt: „Durch die extreme Hitze sind auch Insekten gehemmt, die für Plagen verantwortlich sind. Das kommt den Pflanzen zugute“, sagt Miquel Serra.

Auch das Vieh sei beeinträchtigt. „Kühe und Schafe beispielsweise sind bei den Temperaturen schwächer und lustloser. Sie pflanzen sich nicht fort, fressen zu wenig. Kühe geben im Sommer normalerweise 30 bis 40 Prozent weniger Milch als im Winter. In diesem Sommer dürften es noch weniger sein.“

Angst vor der Zukunft

Insgesamt, da sind sich alle drei befragten Landwirte einig, sei es ein schlechter Sommer für die Landwirtschaft. „Das allein ist aber noch nicht dramatisch. Hitzesommer gab es schon immer alle 20 Jahre. Problematisch wird es, wenn es nun alle fünf Jahre dazu kommt, oder noch öfter. Dann können wir Landwirte die Missernten irgendwann nicht mehr schultern“, bringt Simonet auf den Punkt, was auch seine Kollegen denken. „Letztlich müssen wir Landwirte wohl lernen, mit dem Klimawandel zu leben“, so Ordinas.

So oder so brauche es aber ein Umdenken. Auf globaler Ebene natürlich, aber auch im Kleinen. „Wir sehen uns nach anderen Pflanzenarten um, haben beispielsweise Weizen aus Tunesien importiert, der hitzeresistenter ist“, so Simonet. Außerdem, so Ordinas, müssten die Wasserreserven zum Gießen besser genutzt werden. „Die öffentliche Verwaltung muss dafür sorgen, Wasserspeicher zu bauen, statt geklärtes Wasser ins Meer zu leiten.“

Artikel teilen

stats