Wenn Pau de Vílchez über den Kampf gegen den Klimawandel redet, dann ist er pragmatisch: „Die Frage ist nicht, ob wir entweder eine tiefgreifende Energiewende vollziehen, oder aber wie gewohnt weitermachen. Der Wandel liegt vor unserer Haustür, und es liegt an jedem von uns zu entscheiden, wie viel Schaden er anrichten wird.“ Und deshalb, findet er, solle auch jeder mitreden. Mit einer partizipativen Bürgerversammlung stellen der Vorsitzende des Klimawandel-Expertenausschusses der Balearen-Uni und seine Mitstreiter einen Querschnitt der Inselgesellschaft zusammen, der in der Assemblea Ciutadana pel Clima de Mallorca konkret über die nahe Zukunft des Klimas vor Ort debattieren soll.

Raum zum Nachdenken

„Wir haben es mit einer Herausforderung zu tun, die alle Aspekte unseres Lebens stören wird“, so de Vílchez und spielt auf die ungewöhnlich vielen Tropennächte, die Hitzewellen und Überschwemmungskatastrophen wie die in Pakistan an. „All dies ist Teil der ‚neuen Normalität‘ und sie geht jeden etwas an“, findet er.

Und so soll die Assamblea – angelehnt an Erfahrungen aus Irland, Frankreich und Großbritannien – einen konstruktiven Raum zum Nachdenken schaffen, in dem Menschen aus jedem Berufsfeld oder Bildungsniveau fundierte Informationen von Wissenschaftlern erhalten können, um in der Lage zu sein, konkrete Vorschläge zur Beantwortung der zentralen Frage zu entwickeln: Was sollten wir auf Mallorca bis zum Jahr 2030 tun, um eine wirksame und faire Antwort auf die Klimakrise zu geben? Und wie kann jeder einzelne dazu beitragen?

Den Bürgern Gehör verschaffen

60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden die Veranstalter auswählen und kontaktieren – einen Querschnitt der Inselbevölkerung was Geschlecht, Bildungsgrad, Wohnort, Einkommen und Alter angeht. „Wir wollen so das echte Mallorca abbilden“, so de Vílchez. Wobei jungen Leuten ab 16 Jahren besondere Präferenz zukomme – schließlich werde die junge Generation noch mehr unter den Folgen des Klimawandels leiden als die älteren. Noch bis Sonntag (30.10.) können sich Interessierte online bei den Veranstaltern melden, um im Auswahlverfahren berücksichtigt zu werden (notwendig ist dazu eine Registrierung auf der Homepage www.assembleapelclima.net).

Zwischen November und Februar werden die Versammlungsteilnehmer auf fünf ganztätigen Konferenzen mit Informationen ausgestattet und zu fruchtbaren Diskussionen motiviert. Man erhoffe sich dadurch so bürgernahe Lösungs- und Handlungsansätze wie möglich, so de Vílchez, Professor für internationales Recht und internationale Beziehungen. Eine entsprechende Liste mit Vorschlägen soll dann an die zuständigen politischen Institutionen gesendet werden – mit der dringenden Bitte, diese bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. „Auch die Stimme von Menschen, die sonst kaum Gehör bekommen, sollen so Gewicht bekommen“, sagt de Vílchez.

Die Idee der partizipativen Klimakonferenz war vor einigen Monaten in dem Expertenausschuss der Balearen-Universität aufgekommen, den de Vílchez leitet, und kann auf die Unterstützung der balearischen Landesregierung und des Inselrats zählen. Bisher gab es ähnliche Initiativen in Spanien nur auf nationaler Ebene. Dass nun eine regionale Bürgerversammlung zustande kommt, die konkret lokale Schwierigkeiten und Lösungsansätze diskutiert, ist einmalig.