The same procession as last year? The same procession as every year: Etwa von Ende Januar bis April treiben wieder bekannte Unholde ihr Unwesen auf der Insel – die Prozessionsspinner-Raupen (Thaumetopoea pityocampa; procesionarias, span.). Richtig losgehen wird es spätestens in einem Monat: Dann verlassen sie ihre Nester in den Kronen der Aleppo-Kiefern (Pinus pinea, bot.) und reihen sich am Boden zu langen Ketten oder „Prozessionen“ aneinander, um sich anschließend im Erdreich zu vergraben.

„Es gibt dieses Jahr sehr viele, wir sehen überall Nester“, sagt Luis Núñez vom balearischen Umweltministerium. Welche Zonen auf Mallorca 2022 am stärksten betroffen waren, zeigt eine Karte auf der Website. „In den lila und dunkel gefärbten Zonen werden die Prozessionsspinner-Raupen erneut zahlreich sein“, so Núñez.

Aufgrund des warmen Winters gehe es in diesem Jahr zudem etwas früher los als sonst: „Im November, Dezember war es nicht kalt, somit konnten die Raupen jede Nacht ihre Nester verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Deshalb sind sie schon ziemlich groß und dick“, erklärt Núñez.

Prozessionsspinner: Was die Härchen der Raupen auslösen

Selbst wenn man nicht mit den Schädlingen auf Tuchfühlung geht: Windet es, lösen sich ihre kleinen Härchen, die auf Kleidern und Schuhen haften bleiben und sich mit Widerhaken in Haut und Schleimhaut festsetzen – im schlimmsten Fall atmen wir sie sogar ein. Schon bei der geringsten Berührung wird laut dem Dermatologen Joachim von Rohr von der Clínica Picasso in Palma ein Cocktail aus Nervengiften freigesetzt, der allergische und entzündliche Reaktionen auslöst.

Die unangenehmen Folgen: Juckreiz, Brennen, Rötungen, Quaddeln, geschwollene und gereizte Augen bis hin zu einem geschwollenen Mund und Atemnot. In Einzelfällen sind schwere allergische Reaktionen oder ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen möglich.

Prozessionsspinner-Raupen: Eine läastige Plage. EFE/Juan Carlos Hidalgo

Kontakt mit Prozessionsspinner-Raupen: Wie Sie richtig reagieren

Prozessionsspinner-Raupen krabbeln auf Ihrem Rucksack oder sind Ihnen in den Schoß gefallen? In diesem Fall können Sie versuchen, die Tiere vorsichtig mit einem Stock zu entfernen. Wer sie aus Versehen berührt, sollte die Hände sofort mit Wasser abspülen, aber nicht reiben. Bei leichten Fällen der oben genannten Symptome gilt als erste Maßnahme: den Juckreiz ertragen. Ihre Kleidung sollten Sie gut ausschütteln und direkt in die Waschmaschine befördern. Dann raten Hautärzte, sofort zu duschen und die Haare zu waschen. Beim Abtrocknen ist auch hier zu beachten, sich nur abzutupfen, um nicht noch mehr Nesselhaare zu zerbrechen.

Bei milderen Verläufen sollten die Symptome dann in wenigen Stunden nachlassen, in schweren Fällen können Sie bis zu zehn Tage anhalten. Reichen die Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht, breiten sich die Rötungen weiter aus oder treten Schwellungen an Augen oder anderen Partien auf, sollten Sie einen Facharzt beziehungsweise die Notaufnahme aufsuchen. Dort bekommen Sie kortisonhaltige Salben, Cremes oder Augentropfen verschrieben. Auch Antihistaminika (Anti-Allergie-Tabletten) können gegen starken Juckreiz helfen. Beatriz Bartolomé, Hautärztin im Krankenhaus in Inca, empfiehlt dazu etwa Cetirizin.

Was Sie bitte nicht tun sollten, wenn Sie Prozessionsspinner-Raupen sehen

Es versteht sich fast von selbst, aber: Wer Prozessionsspinner-Raupen sieht, sollte Abstand halten und die Tiere auf keinen Fall anfassen – und bloß nicht kratzen, wenn es juckt. Auch empfiehlt es sich in dieser Jahreszeit, an warmen Tagen nicht mit kurzer Kleidung draußen unterwegs zu sein: Lange Ärmel sowie Kopf- und Halsbedeckungen schützen Wanderer davor, dass die Härchen der Raupen auf die Haut gelangen. Brillenträger sind zusätzlich gerüstet.

An windigen Tagen ist es ratsam, sich nicht in der Nähe von Aleppo-Kiefern aufzuhalten und gut auf spielende Kinder aufzupassen. Wenn Sie auf dem Land leben, sollten Sie in den Monaten, wenn die garstigen Tiere mit den feinen Härchen überzogen sind, wachsam sein. Das heißt: Die Wäsche nicht direkt in der Natur aufhängen und den Garten als Aufenthaltsort meiden, falls Sie Raupen sichten. Wenn Sie ein Nest entdecken, sollten Sie besser nicht versuchen, es selbst zu entfernen – sondern Fachleute zurate ziehen.

Was Hundehalter wegen Prozessionsspinner-Raupen beachten müssen

Luis Núñez empfiehlt, Hunde zum Schutz vor der lästigen Raupe immer an der Leine zu halten. Denn für die empfindlichen Nasen neugierig schnuppernder Vierbeiner ist der Kontakt mit den Härchen genauso ungemütlich wie für Menschen – und fressen sollten Hunde eine Prozessionsspinner-Raupe erst recht nicht. Sind sie den Insekten doch zu nahe gekommen und fangen an, sich zu kratzen, heißt es: Ab zum Tierarzt!

Prozessionsspinner: Wie Sie die Plage bekämpfen

Das Umweltministerium geht jedes Jahr in den Erholungsgebieten (áreas recreativas) und an den öffentlichen Wegen gegen Prozessionsspinner-Raupen vor, um die Kiefern und damit auch die Wanderer zu schützen. Wer selbst Bäume hat, muss je nach Jahreszeit verschiedene Maßnahmen ergreifen, um sich gegen die Plage zu wappnen.

Im Februar und März lässt sich nur noch Schadensbegrenzung betreiben: Nester müssen mit Schutzkleidung und Hilfe von Gärtnern von den Bäumen geholt werden. Einige Gemeinden bieten einen kostenlosen Service mit Jägern an, die Nester der Prozessionsspinner mit Schrotgewehren aus den Bäumen schießen. Im Anschluss müssen die beseitigten Nester verbrannt werden – hundert Prozent aller Raupen lassen sich durch diese Methode jedoch nicht vernichten.

Besser ist es, auf einen Mix verschiedener Methoden zu bauen und schon in den früheren Stadien des Lebenszyklus der Tiere zu handeln. Mitte August verlassen die Raupen ihre Kokons als Schmetterlinge, die nur wenige Tage leben. „Um die männlichen Tiere zu er- wischen, bevor sie sich mit den Weibchen paaren, muss man unbedingt schon vor dem 15. Juli Duftfallen aufstellen“, mahnt Núñez. Das Prozedere sei jedes Jahr zu wiederholen, das Problem damit aber noch nicht gelöst.

Im September, Oktober stehen dann effektive Präventivmaßnahmen mit Pflanzenschutzmitteln auf dem Programm. Private Firmen wie Greensalut, Doctor Pino oder Limplus bieten dazu eine schonende Methode an: Bei der sogenannten Endotherapie werden geringe Mengen Insektizide direkt in den Stamm gespritzt. Das soll ausschließlich die Raupen angreifen, aber nicht die Bäume. Laut Núñez funktioniere das sehr gut, allerdings nur in kleinem Maßstab bei wenigen Kiefern.

Weitere Informationen:

Das balearische Umweltministerium bietet eine Fülle an weiterführendem Material zum Umgang mit den Prozessionsspinner-Raupen unter http://www.caib.es/sites/sanitatforestal/es/pagina_inicial-36590/?campa=yes 

Für raupengeplagte Hausbesitzer gibt es übersichtliche Kalender dazu, wann welche Maßnahme greift: http://www.caib.es/sites/sanitatforestal/es/calendario_de_actuaciones-23616/.

Wer einen visuellen Vergleich sucht, findet viele Bilder, etwa von Raupen, Nestern oder betroffenen Menschen und Haustieren hier.