Nach Abwasserskandal in Palma de Mallorca: frühere Chefin der Stadtwerke muss keine Haft fürchten
Der Richter am Oberlandesgericht sah keine Hinweise darauf, dass sich Neus Truyol etwas zu Schulden kommen ließ

Neus Truyol kann aufatmen. / DM
MZ
Die frühere Chefin der Stadtwerke von Palma de Mallorca, Neus Truyol, muss wegen der jahrelangen Abwassereinleitungen in die Bucht von Palma keine Haftstrafe fürchten. Das Oberlandesgericht in Palma hat die Ermittlungen gegen die derzeitige Stadträtin für Wohnungsbau von der regionalen Ökopartei Més eingestellt, wie am Mittwoch (3.5.) bekannt wurde. Auch gegen vier weitere frühere Emaya-Mitarbeiter werden die Ermittlungen nicht weitergeführt. Zu einem Prozess kommt es also in diesem Fall nicht.
Die Kammer kommt zum Schluss, dass es nicht bewiesen sei, dass die Stadtwerke "die Kompetenz und die alleinige Entscheidungsgewalt" gehabt hätten, um die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen zu bauen, mit denen die Einleitungen von Fäkalabwässern ins Meer hätten gestoppt werden können. Außerdem lägen keine Hinweise darauf vor, dass es Emaya versäumt habe, bei den zuständigen Stellen darauf zu pochen, die nötigen Baumaßnahmen zu starten. Kurz: Es gebe keine Indizien darauf, dass sich Emaya etwas habe zuschulden kommen lassen.
Fall im August 2019 angezeigt
Iim August 2019 wurden die Verantwortlichen der Stadtwerke wegen eines möglichen Umweltdelikts angezeigt. Der Richter beschuldigte daraufhin Truyol und die vier anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, "nicht wirkungsvoll" gegen die Abwassereinleitungen zwischen November 2016 und September 2018 vorgegangen zu sein.
Truyol wiederum verteidigte sich: Man dürfe nicht für die Versäumnisse der Vorgängerregierung zur Rechenschaft gezogen werden. Dass bis vor Kurzem bei praktisch jedem stärkeren Regenfall ungeklärtes Abwasser in die Bucht von Palma floss, hatte mehrere Ursachen, allen voran die überlastete Kläranlage von Coll d'en Rabassa und die veraltete Kanalisation. Seit eine neue Leitung quer durch den westlichen Teil Palmas verlegt ist und ein Regenüberlaufbecken zur Entlastung der maroden Kläranlage in Betrieb gegangen ist, ist das Problem behoben. /jk
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