Gefahr für Mensch und Meer: Große Sorge um die Bucht von Portocolom

In und um die Badia de Portocolom liegt einiges im Argen. Das zeigt ein neuer Bericht der Umweltschutzaktivisten vom GOB. Sie werfen der Verwaltung Untätigkeit vor

In der Buch von Portocolom auf Mallorca liegt einiges im Argen

In der Buch von Portocolom auf Mallorca liegt einiges im Argen / Gob

Sophie Mono

Die Bucht von Portocolom ist ein wahrer Magnet für Urlauber im Osten von Mallorca. Dabei gerät schnell in Vergessenheit, dass das knapp 76 Hektar große Meeresgebiet seit dem Jahr 2006 Teil des Schutzprogramms Red Natura 2000 ist. Denn in dem Gewässer rund um den Hafenort finden sich ökologisch wertvolle Lebensräume, allen voran die Seegraswiesen (Posidonia), das Tanggras (Cymodocea nodosa) sowie zahlreiche kleine Riffe und Unterwasserhöhlen. „All dies ist Teil eines wichtigen Ökosystems“, mahnt die Umweltschutzgruppe GOB in einem jetzt veröffentlichten Bericht. Das Fazit: Trotz der bestehenden Schutzregelungen leide die Bucht. „Und die Verwaltung schaut tatenlos zu.“

Posidonia in Gefahr

Dabei seien die Bedrohungen für die Unterwasserwelt vielfältig, führten letztlich aber alle zur Zerstörung der Artenvielfalt und zur Abnahme der Wasserqualität in der Bucht. „Das wohl größte Problem ist die viel zu hohe Zahl an Booten“, heißt es in dem GOB-Bericht. Schuld daran sei einerseits die ohnehin große Zahl an Liegeplätzen, die vom privaten Club Naútico verwaltet wird, letztlich aber in den Kompetenzbereich der Hafenbehörde Ports IB fällt. Hinzu komme, dass die Liegeplätze nicht nur einen großen Teil der Bucht einnähmen, sondern zudem meist überfüllt seien. „Viele Boote ankern deshalb auf Posidonia-Wiesen im südlichen Teil der Bucht“, so die Umweltschützer.

Die Folgen sind fatal: Beim Herausziehen des Ankers werden große Teile des Neptungrases ausgerissen, das zahlreichen Lebewesen als Heimat dient. Bis die Posidonia nachgewachsen ist, dauert es Jahrzehnte. Dass Ankern über Seegraswiesen auf den Balearen allgemein verboten ist, spielt in der Praxis in Portocolom laut GOB kaum eine Rolle. Das Überwachungsschiff des balearischen Umweltministeriums, das regelmäßig in Portocolom auf Streife ist, um Verstöße direkt aufzudecken und zu ahnden, reiche nicht aus, so die Aktivisten. „Es ist für die Überwachung des gesamten Küstenabschnitts von Cala Figuera bis nach s’Estany d’en Mas zuständig – ein viel zu großes Gebiet“, kritisieren die Umweltschützer. Sie fordern deshalb mehr Überwachungsboote. „Zumindest braucht es ein eigenes Boot für die Überwachung der Gewässer rund um das Gemeindegebiet Felanitx“, proklamiert der Bericht. Und auch eine aktuelle Kartografie der Tanggras-Wiesen sei notwendig – eine Aufgabe, die ebenfalls dem balearischen Umweltministerium zukommt.

Zu dreckig und zu schnell

Ein weiteres Problem in der Bucht sei die Verschmutzung des Meeres durch Abwasser von Häusern an der Promenade, die immer wieder ins Meer geleitet würden, weil streckenweise die Anbindung an die öffentliche Kanalisation fehle. „Wir fordern daher das zuständige Rathaus von Felanitx auf, sicherzustellen, dass alle Häuser in der Gemeinde über angemessene Abwassersammelsysteme verfügen, ohne dass Fäkalwasser ins Grundwasser oder ins Meer gelangen“, heißt es seitens des GOB. Darüber hinaus würden immer wieder auch Farbreste, Öle und andere Giftstoffe in die Bucht gespült, die aus dem kleinen Reparaturbereich des Club Naútico stammten. „Die eigentlich dafür vorgesehenen Sammelbehälter sind rostig und durchlässig“, so das GOB-Gutachten. Die Hafenbehörde sei in der Pflicht, die Missstände zu beseitigen.

Verstöße seien auch bei der Geschwindigkeit festzustellen, mit der in der Bucht navigiert wird. Aktuellen Schutzbestimmungen zufolge liegt die Höchstgeschwindigkeit bei drei Knoten, damit das Wasser nicht zu stark aufgewirbelt wird. „Dennoch kann man immer wieder Fahrzeuge beobachten, die deutlich schneller unterwegs sind.“

Abwasser am Badestrand

Der Bericht prangert auch die wiederholt auftretenden Probleme mit der Kläranlage in der nahegelegenen Badebucht Cala Marçal an. So ist die Cala seit Jahren immer wieder in den Schlagzeilen, weil der Strand wegen der schlechten Wasserqualität vorübergehend geschlossen werden muss. „Die Kollegen der Bürgerinitiative Salvem Portocolom konnten Ende Mai feststellen, dass der ins Meer führende Ableiter der Kläranlage ein Leck hat und dass Wasser viel näher an der Küste freigesetzt wurde als vorgesehen. Wir haben erfahren, dass das balearische Wasserwirtschaftsamt Abaqua von diesem Bruch seit 2021 wusste, aber erst im Mai 2024 Reparaturarbeiten in Auftrag gegeben hat“, so der GOB-Bericht. Man sei „äußerst besorgt“. „Letztlich geht es auch um die Gesundheit der Menschen.“

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