Todesursache unklar: Delfin trauert in der Bucht von Santa Ponça um ein verstorbenes Jungtier

Woran der junge Delfin gestorben ist, kann erst eine Autopsie ermitteln. Wie zwei Expertinnen den Vorfall einordnen

Ein Delfin trauert am Montag (8.7.) in der Bucht von Santa Ponça um ein totes Jungtier

Redaktion MZ

Simone Werner

Simone Werner

Es sind Aufnahmen, in die wir schnell menschliche, aber wohl mit dem Tierreich geteilte Gefühle hineinprojizieren. Ein junger Delfin treibt in der Bucht von Santa Ponça an der Wasseroberfläche. Ein erwachsenes Tier, womöglich seine Mutter, stupst das Jungtier immer wieder aus dem Wasser heraus, will es offenbar reanimieren und zum Weiterschwimmen bewegen. Doch es gelingt ihr oder ihm nicht. Das Jungtier zeigt keine Regung, treibt stattdessen weiter an der Wasseroberfläche. Es ist offensichtlich tot.

Mehrere Videos von den traurigen Szenen sind am Montag (8.7.) in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Die MZ hat bei der Wissenschaftlerin Debora Morrison, der Leiterin der Palma-Aquarium-Stiftung, und Marga Cerdà von der Meeresschutz-Organisationen Tursiops nachgefragt: "Wir wissen nicht, wie das Junge zu Tode gekommen sein könnte", stellt Debora Morrison klar. Verletzungen, die etwa auf einen Zusammenstoß mit einem Schiff schließen ließen, seien auf dem Video nicht zu sehen. Cerdà hält auch eine natürliche Todesursache für möglich: einen Herzfehler, eine Infektion oder etwas zu Essen, was dem Tier im Hals stecken geblieben ist.

Totes Jungtier nicht einfach aus dem Meer ziehen

Morrison möchte keine Theorie aufstellen, bis sie und ihre Kollegen das tote Jungtier nicht selbst untersucht haben. Am Montag (8.7.) sei das Tier fast einen Kilometer entfernt vom Club Náutico in Santa Ponça im Meer aufgetaucht. Selbst wenn es dort noch immer treiben würde: Morrison würden es auf keinen Fall aus dem Wasser holen und den Eltern wegnehmen.

"Wenn so etwas passiert, muss das tote Tier unbedingt bei den Erwachsenen bleiben, damit sie darum trauern und sich später in Ruhe verabschieden können", so die Expertin. "Es dauert oft tagelang, bis Delfine sich damit abfinden, dass ihr Junges tot ist", weiß auch Cerdà von Tursiops.

Sowohl für den erwachsenen Delfin als auch für die Mitarbeiter der Palma-Aquarium-Stiftung könnte eine zu frühe Intervention gefährlich werden. "Das Muttertier kann sehr aggressiv werden." Delfine seien schließlich sehr intelligente Tiere.

Keine Verletzungen erkennbar: das am Montag in der Bucht von Santa Ponça treibende Delfin-Jungtier.

Keine Verletzungen erkennbar: das am Montag in der Bucht von Santa Ponça treibende Delfin-Jungtier. / Redaktion MZ

Meeresschützer warten erst einmal ab

Daher warten die Mitarbeiter der Stiftung nun darauf, dass das tote Jungtier irgendwann am Ufer auftaucht oder sich das erwachsene Tier zumindest von ihm entfernt. "Dann holen wir es natürlich aus dem Wasser und werden prüfen, woran es gestorben ist", so Morrison. Die Rettungsschwimmer der Regionen sowie die Behörden seien informiert.

Am Montag (8.7.) seien Mitarbeiter des Palma Aquariums schon auf dem Weg nach Santa Ponça gewesen, da es hieß, dass der erwachsene Delfin sich bereits eine halbe Stunde lang nicht mehr habe blicken lassen. Doch dann tauchte sie oder er plötzlich doch wieder auf. Es könne auch sein, dass das Jungtier durch Strömungen weitergetrieben werde, etwa in Richtung Barcelona auf dem spanischen Festland.

Szenen wie die aus den im Netz kursierenden Videos hat Debora Morrison schon einige Male in ihrem Leben gesehen. Schließlich ist die Expertin schon seit circa 35 Jahren im Meeresschutz tätig. "So etwas kommt zum Glück nicht allzu häufig vor, passiert aber ab und an", sagt sie.

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